Bärenplatz kreuzlingen bus 260430 ©pit wuhrer

Weiter Busfahren für nur 1 Franken – Kreuzlingen bleibt Vorbild

Von Ralph-Raymond Braun
Bärenplatz kreuzlingen bus 260430 ©pit wuhrer
Busverkehrsknotenpunkt Bärenplatz in Kreuzlingen

„Eine Fahrt, ein Franken“, heißt es seit 2024 in Bussen und Zügen der Ostwind-Zone 256 (Kreuzlingen und Tägerwilen). Wie erhofft haben sich damit viele Menschen zum Umstieg in die „Öffis“ bewegen lassen. Geht es nach der Kreuzlinger Stadtverwaltung, wird das zunächst auf drei Jahre ausgelegte Experiment bis Ende 2028 verlängert. Entscheiden wird der Gemeinderat auf seiner Sitzung am 7. Mai.

Seit Einführung des Stützlitickets, wie der Volksmund das Projekt nennt, stieg die Nutzung von Stadtbus und Postauto im vergangenen Jahr um gut 20 Prozent auf nun 2,15 Millionen Passagierfahrten – Zahlen für den Zug liegen nicht vor. Gestiegen sind damit freilich auch die Kosten, mit denen Kreuzlingen und zu einem geringen Teil auch Tägerwilen die billigen Tickets gegenüber dem regulären Ein-Zonen-Preis des Verkehrsverbunds Ostwind subventionieren müssen. 2024 waren dies 1,2 Millionen Franken, 2025 gar knapp 1,5 Millionen.

Finanziert wird dies aus den Parkgebühren und Bußgeldern fürs Falschparken, die zusammen 2025 rund 2,4 Millionen Franken ergaben. Anders als in Konstanz, wo solche Einnahmen von zuletzt gut 4 Millionen Euro irgendwo im allgemeinen Stadthaushalt versickern, müssen sie in Kreuzlingen zweckgebunden für Unterhalt und Ausbau von Parkmöglichkeiten sowie zur Förderung des öffentlichen Verkehrs genutzt werden. Im Topf haben sich inzwischen über 20 Millionen Franken angesammelt, mit denen die Stadt künftig auch ein Parkhaus finanzieren möchte.

Dass das 1-Franken-Ticket nicht unbefristet, sondern zunächst nur bis 2028 verlängert wurde, ist den Eigenheiten der Schweizer Demokratie geschuldet. Eine definitive Einführung muss sich die Gemeinde Kreuzlingen nämlich wie alle mehr als zwei Millionen Franken teuren Projekte von ihrem Stimmvolk genehmigen lassen. Diese Abstimmung, so der für den Verkehr zuständige Baudezernent Ernst Zülle, plane der Stadtrat erst für 2028. Bis dahin will man die weitere Entwicklung der Verkaufs- und Fahrgastzahlen auswerten und zusätzliche Erfahrungen sammeln.

Tickets bald nur noch online?

Neben dem 1-Franken-Ticket hat auch die Umstellung der gesamten Stadtbusflotte auf leise schnurrende Elektrobusse das Image des öffentlichen Verkehrs verbessert. Manche:r Gelegenheitsfahrer:in mag indes bedauern, dass in den neuen Fahrzeugen nicht mehr bar bezahlt werden kann. Die Automaten geben Tickets nur noch gegen Smartphone- und Kartenzahlung aus.

Die Stadtverwaltung begründet dies mit den hohen Anschaffungskosten und der störungsanfälligen Mechanik der Geldschlucker. Auch würden generell immer weniger Fahrscheine an Automaten gekauft, schweizweit nur noch 17 Prozent, und von diesen wiederum nur noch die Hälfte mit Geldscheinen oder Münzen bezahlt. Die Zukunft gehöre dem Online-Billett.

Letzter Schrei und gerade etwa in Bern und Luzern im Test ist die Zugangsmethode BIBO („Be-in / Be-out“), bei der eine Smartphone-App mittels GPS und Bluetooth automatisch erkennt, wann sich Nutzende im ÖV befinden. Sie generiert dann ein digitales Ticket und rechnet nach der Fahrt den entsprechenden Preis ab.

Bargeld nehmen in Kreuzlingen immerhin noch die stationären Automaten an den Bahnhöfen (auch in Konstanz) und am Busknotenpunkt Bärenplatz an. Weiter kann im gelben Postbus, so etwa auf der Linie 908 zwischen Konstanz und Landschlacht, beim Fahrer bar bezahlt werden. Noch!

Festhalten will die Alliance Swiss Pass, Branchenverband des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz, indes an den bedienten Verkaufskanälen, also den Schaltern in Reisezentren. Zwar gehen auch hier die Billettverkäufe zurück. Dafür werden die Anliegen der Kund:innen komplexer und der Beratungsbedarf steigt.

(K)ein Modell für Konstanz

Während Konstanz demnächst das 100-jährige Jubiläum seines Stadtbusbetriebs „Roter Arnold“ feiern kann, startete Kreuzlingen erst 1992 mit einem Busangebot durch die Stadtteile – und baute dieses seither kontinuierlich aus, zuletzt auch in den abendlichen Randstunden, und das bei unverschämt günstigem Fahrpreis.

Und in Konstanz? Hier kämpfen die Busnutzer:innen darum, dass – bei alljährlich steigenden Ticketpreisen – das Busangebot möglichst wenig verschlechtert wird. Linien werden gekürzt, Takte ausgedünnt, auf Echtzeitanzeigen an zentralen Haltestellen wie Zähringerplatz oder Bahnhof werden wir Jahr um Jahr vertröstet.

Für Konstanz scheint ein 1-Euro-Ticket, wie es in der deutschen Nachbarschaft etwa in Radolfzell oder Tuttlingen angeboten wird, schier unvorstellbar. Man erwarte davon keinen signifikanten Umstieg von der privaten Pkw-Nutzung auf den öffentlichen Nahverkehr, schreibt die Pressestelle der Stadt. Im Gespräch mit Entscheidungsträger:innen höre ich: „Wir können uns das nicht leisten.“ Die Kosten für den Einsatz der Verkehrskadetten oder des motorisierten Individualverkehrs ganz allgemein gelten indes als gottgegebenes Unausweichlich.

Foto: Pit Wuhrer

2 Kommentare

  1. Pauli heinzelmann

    // am:

    Gestehen wir es ein : Viele Konstanzer arbeiten in der Schweiz… und warum…? obiger Text beantwortet das, ausserdem ist die Bezahlung sehr viel besser als in Deutschland.

  2. Alexander Salzmann

    // am:

    Leider wissen wir Kreuzlinger bis heute nicht, woher der Mehrverkehr aufgrund des Ein-Frankenbusses kommt. Ob es einen Umstieg von Fussgänger/Velo oder vom Auto auf den Bus gab, ist unbekannt. Ob aufgrund des tiefen Preises Mehrverkehr erzeugt wurde ist ebenfalls nicht bekannt. Von einem Erfolg zu sprechen im Sinne der „Auto-ist-böse-Ideologie“ kann somit keine Rede sein, zumal der Autoverkehr nicht abgenommen hat.
    Derzeit gibt es einen politischen Vorstoss zur Wiedereinführung des inklusiven Bargelds bei den Tickets. Wir werden sehen, wie das ausgeht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert