Konstanz omas gegen rechts protest afd © hille hakenfort

Über ein Jahr Omas gegen Rechts: Wir bleiben dran

Von Andrea Rohde-Brassel
Konstanz omas gegen rechts protest afd © hille hakenfort
Konstanzer Omas gegen Rechts am 7. Februar beim Protest gegen einen AfD-Stand © Hille Hakenfort

Im Oktober 2024 haben drei mutige Frauen in Konstanz eine neue Regionalgruppe der Omas gegen Rechts gegründet – aus Sorge um unsere Demokratie und aus dem klaren Entschluss, nicht länger tatenlos zu verharren. Und es gibt sie immer noch: die klare Haltung für die Unantastbarkeit der Menschenwürde und gegen Gewalt und Extremismus. 

Zum Zeitpunkt der Gründung glaubten noch viele, demokratische Grundwerte seien selbstverständlich. Heute, kaum mehr als ein Jahr später, zeigt der Blick nach Amerika, wie schnell sich das ändern kann. Für und um Demokratie muss man kämpfen. Das tun wir.

Schon beim ersten Treffen Ende November 2024 war die Stimmung besonders. Rund vierzig Omas und Opas kamen zusammen – aus Sorge, aus Wut und aus Verantwortungsgefühl. Vor allem aber aus dem Wunsch heraus, nicht länger still zu bleiben. Aus diesem ersten Abend ist etwas Dauerhaftes entstanden: Ein monatliches Plenum mit konstant rund dreißig Engagierten (und weiteren dreißig Interessierten), die sich einsetzen für kulturelle Vielfalt, Toleranz und respektvolles Miteinander, für Solidarität, Inklusion und Gewaltlosigkeit in unserer Gesellschaft und für einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt. Omas und Opas, die sich gegenseitig stärken und dranbleiben.

Von Beginn an ging es uns nicht um Polarisierung, sondern um Präsenz. Bereits im Dezember 2024 waren die ersten Markt-Omas auf den Konstanzer Wochenmärkten unterwegs. Statt Flugblatt-Schlacht und Abgrenzungsrhetorik gab es Gespräche, Zuhören, Nachfragen. Demokratie beginnt oft genau dort – zwischen Gemüsestand und Kaffeebecher –, wenn Menschen miteinander auf Augenhöhe ins Gespräch kommen, ohne sich zu überreden, zu belehren oder auszuschließen.

12.000 auf der Demo

Schnell wurde klar: Wir wollen nicht nur sichtbar sein, sondern auch wirksam. Anfang 2025 gründete sich die Arbeitsgruppe (AG) Schule in Kooperation mit dem Bündnis „Konstanz für Demokratie – Klare Kante gegen rechts“. Die Idee: Jugendlichen Räume zu eröffnen, um über Demokratie zu sprechen – ehrlich, offen, ohne Belehrung. 

Kurz darauf folgte die große Demonstration am 8. Februar 2025 in Konstanz, gemeinsam mit den Studis gegen Rechts und dem Konstanzer Bündnis für Demokratie. Mehr als 12.000 Menschen setzten ein starkes Zeichen: Viele Generationen, eine Haltung.

Im Laufe des Jahres waren die Omas bei zahlreichen Veranstaltungen in Konstanz präsent – bei Kulturfesten, Stadtteilfesten, Konzerten, beim OpenSee Festival, bei der Langen Nacht des Feminismus. Mehr als dreißig Einsätze kamen zusammen. Das war manchmal anstrengend, aber immer bestärkend, weil deutlich wurde: Diese Gespräche werden gebraucht.

Die AG Schule

Zu unserer Arbeit gehören auch die stilleren Momente. Bei Stolperstein-Aktionen und Mahnwachen erinnerten wir gemeinsam an Menschen, die ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden. Geschichte bleibt nicht in Büchern – sie wirkt nach. Und sie verpflichtet. Erinnerungskultur zu bewahren ist wichtig, damit sich Geschichte nicht wiederholt.

Mit wachsendem Engagement wuchs auch die Erkenntnis: Wir brauchen klare Strukturen. Unsere Regionalgruppe schloss sich der bundesweiten Kampagne für ein AfD-Verbot an. Im September 2025 gründete sich die AG Landtagswahl, die sich auf die Wahl in Baden-Württemberg 2026 vorbereitet. Fünf Flyer für fünf Zielgruppen wurden erstellt, dazu begleitende Aktionen – sachlich, verständlich, demokratisch.

Besonders ermutigend entwickelte sich die Arbeit der AG Schule. Ihr Konzept „Müssen wir unsere Demokratie retten? wurde im November 2025 beim SMV-Barcamp, der offenen Mitmachkonferenz der Schülermitverantwortung, in Radolfzell erstmals vorgestellt – mit begeisterten Rückmeldungen. Seit dem ersten Schultermin im Dezember 2025 wächst die Nachfrage stetig. Junge Menschen wollen reden, man muss sie nur ernst nehmen. 

Weder Demogeld noch Bratwurst

Dass unser Engagement weit über Konstanz hinaus wirkt, zeigte sich im Laufe des Jahres deutlich. Immer mehr Interessierte aus dem Umland meldeten sich. Die Gruppe heißt inzwischen OMAS GEGEN RECHTS Stadt und Kreis Konstanz; zusätzliche Treffen in der Region sind geplant. In Radolfzell gehen die Omas ab jetzt regelmäßig auf den Markt.

Seit Januar 2026 sind wir als unabhängige Untergruppe Teil des Vereins Omas gegen Rechts e. V. Das gibt uns rechtliche Sicherheit – und Rückenwind. Gemeinsam sind wir stark! Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt für den Verein und die Initiative bundesweit über 35.000 Engagierte in etwa 200 bis 300 Regionalgruppen an. Und täglich kommen neue hinzu.

Als politisch engagierter Verein sind wir nicht gemeinnützig anerkannt. Und erhalten deshalb weder staatliche, finanzielle Unterstützung noch Demogeld, nicht einmal die berühmte Bratwurst. Es sei denn, sie wird privat gespendet.

Der Ausblick nach vorne ist klar: Die ersten Monate 2026 stehen ganz im Zeichen der Landtagswahl. Aber unsere Arbeit endet nicht am Wahltag. Unser Ziel ist Wachstum. Mehr Gespräche. Mehr Präsenz. Mehr Menschen, die sagen: Ich mache mit. Ich will weiterhin in einem demokratischen Land und einer zivilen Gesellschaft leben. Ich möchte mich wehren gegen Verschwörungsideologien Fremden- und Queerfeindlichkeit, gegen Stigmatisierung, Hass, Hetze und Gewalt und gegen Anti-Feminismus. Diese Grundsätze verbinden uns in unseren Haltungen und unserem Tun.

Wer mehr über uns erfahren möchte, kann sich auf unserer Webseite informieren: Was wir tun und wo Oma/Opa uns finden.

Demokratie ist nichts Selbstverständliches. Sie lebt davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen – auch (und gerade) im Alltag. Wir Omas gegen Rechts in Stadt und Kreis Konstanz bleiben dran.

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