
Zumindest in Konstanz hat es die rechtsextreme AfD nicht leicht. Ihr Wahlkampfstand am Samstag auf der Marktstätte war stundenlang umlagert von rund hundert Demonstrierenden, darunter mehrheitlich Jugendliche. AfD-Material wurde eingesammelt und in mitgebrachten Müllsäcken entsorgt. Parole dabei: „Müll, wo er auch hingehört.“
Als die AfD bei frühlingshaften Temperaturen gegen Mittag mit ihrem Wahlkampfbus vorfuhr, wurde sie bereits herzlich begrüßt. Aus einem nahegelegenen Haus hing ein Transparent mit der Aufschrift: „Menschenwürde verteidigen. AfD-Verbot jetzt“. Dazu musikalisch umrahmt von einem Lied in Endlosschleife, das nur eine leicht zu merkende Textzeile hatte: „Scheiß AfD“. Das kam gut an und wurde auch von vielen Passant:innen immer wieder beklatscht.

Überforderte Rechtsextremisten
Die AfD-Wahlkämpfer:innen schienen anfangs begeistert vom Zuspruch an ihrem Stand. Sie schnallten lange nicht, dass es vor allem Aktive vom Konstanzer „Bündnis für Demokratie“ waren, die sich vordergründig interessiert zeigten am AfD-Material, es haufenweise mitnahmen und anschließend in blauen Müllsäcken versenkten, die rund um den Stand verteilt waren. Irgendwann kapierten die Rechtsextremen, was abging, und händigten ihre Flyer nur noch an Passant:innen aus, die ihnen vertrauenswürdig erschienen – was aber auch nicht so recht funktionierte.
Davon deutlich überrascht, blockierte die etwa zehnköpfige AfD-Truppe ihren eigenen Stand und machte dabei einen eher hilflosen Eindruck. Der gewünschte Bürger:innendialog entpuppte sich so als veritabler Rohrkrepierer. Das mag in Singen klappen, in Konstanz aber nicht. Auch ihr Spitzenkandidat für den Wahlkreis Konstanz, Steffen Jahnke, ein bekannter Hardliner in bürgerlichem Gewand, hatte sich den Samstag völlig anders vorgestellt und verdrückte sich meist in den Hintergrund.

Etwa eine halbe Stunde nachdem der AfD-Kreisverband den Pavillon aufgebaut, die Tische hingestellt und das Material ausgelegt hatte, tauchten rund ein Dutzend Aktivist:innen des Offenen Antifaschistischen Treffens (OAT) Konstanz auf und entfalteten zwei Banner. „Antifa bleibt Handarbeit“, stand auf dem einen, „Kein Recht auf Nazipropaganda“ auf dem anderen. Inzwischen hatte sich eine beachtliche Menge um den Stand geschart, beklatschte die Aktion und skandierte antifaschistische Parolen.
Der arme Polizeihund
Die Standbetreiber fanden das wohl gar nicht lustig, jedenfalls rückten zwanzig Minuten später etwa fünfzehn Polizist:innen an – und stellte sich zwischen die Antifa-Aktivist:innen und den blauen Propagandastand der AfDler. Daraufhin ertönte – nicht ganz zufällig – der Ruf „Deutsche Polizisten schützen die Faschisten“. Die vielfache Aufforderung der Ordnungskräfte, die Versammlung in die Nebengasse zu verlegen, verhallte ergebnislos, also drängten Polizist:innen einen Teil der Protestierenden in die Rosgartenstraße ab.

Brachte aber nichts: Der überwiegende Teil der lautstarken Antifaschist:innen ließ sich davon nicht beeindrucken und umlagerte weiterhin den AfD-Stand. Unnötigerweise kam dabei auch ein Polizeihund zum Einsatz, der – vorsichtshalber mit einem Beißkorb ausgestattet – alles anfiel, was sich rund um ihn bewegte. Seine polizeiliche Hundeführerin war völlig überfordert, hatte das zitternde Tier nicht im Griff und zog es dann auch aus dem Verkehr. Eigentlich ein Fall für den Tierschutz.
Fazit: Dieser Wahlkampfstand war für die AfD ein Reinfall. Sollten sie tatsächlich einen weiteren planen: Es gibt noch jede Menge Müllsäcke.
Fotos: Pit Wuhrer


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