Demo gegen die AfD am 22. Juli 2024 vor dem Konstanzer Landratsamt © Holger Reile

AfD-Kreisvorstand rückt noch weiter nach rechts

Aus der Redaktion
Demo gegen AfD im Kreistag 22.07.2024 © Holger Reile
Demo gegen die AfD im Kreistag (22. Juli 2024) © Holger Reile

Ein dem Verfassungsschutz bekannter Rechtsextremist aus Konstanz wurde Mitte Dezember in den AfD-Kreisvorstand berufen. Nach Recherchen des Bündnisses „Konstanz für Demokratie – klare Kante gegen Rechts“ ist Dominik Böhler als Funktionär der „Identitären Bewegung“ im Südwesten aktiv.

Böhler wurde auf einer Mitgliederversammlung am 13. Dezember 2025 Konstanz als Beisitzer in den AfD-Kreisvorstand gewählt. Wie es in einer Pressemitteilung des Bündnisses Konstanz für Demokratie heißt, trat er bereits am 25. Oktober 2025 bei einem Informationsstand der Partei auf der Konstanzer Marktstätte auf. Zudem sei der Konstanzer Funktionär der Identitären Bewegung bei der Gründungsversammlung der Nachfolgeorganisation der gesichert rechtsextremen und aufgelösten „Jungen Alternative“ im November 2025 in Gießen dabeigewesen.

Der auf der Gründungsversammlung der „Generation Deutschland“ gewählte Vorsitzende Jean-Pascal Hohm weigerte sich, sich von Gruppierungen und Personen aus dem rechtsextremen Spektrum zu distanzieren. Aus dieser Klientel soll künftiges Führungspersonal der AfD geschmiedet werden. „Mit der Wahl von Dominik Böhler in den Kreisvorstand beginnt man in Konstanz sehr schnell mit der Umsetzung dieses Ziels der AfD-Jugendorganisation“, so das Bündnis Konstanz für Demokratie.

Böhler ist für Beobachtende der Szene seit Jahren ein führender Kopf der „Neuen Rechten“ im Südwesten und trat vor allem als Funktionär der „Identitären Bewegung (IB)“ in Erscheinung. Er gilt als Führungsperson der IB Ortsgruppe Konstanz und war mit seiner Gruppe Anmieter der geheimgehaltenen Räume der „IB Schwaben“ in Ulm, welche 2022 aufgedeckt und geschlossen wurden. Zur „Identitären Bewegung Schwaben“ zählen die Sicherheitsbehörden auch die Gruppe „Reconquista 21“. Wie der SWR 2024 berichtete, ermittelten mehrere Polizeipräsidien in Baden-Württemberg wegen einer Reihe von Delikten mit rassistischem Hintergrund gegen „Reconquista 21“. Das neue Mitglied im AfD-Kreisvorstand sei bis zu dessen Auflösung 2025 Vorsitzender des sogenannten „Schwäbischen Kulturvereins“ gewesen, der laut Verfassungsschutz eine Tarnorganisation des IB war.

In einer „Kleinen Anfrage“ im Landtag der Abgeordneten Nese Erikli (Grüne) bestätigten die Verfassungsschützer:innen: „Seit der Vereinsgründung im Jahr 2017 durch sieben Gründungsmitglieder erfolgten keine weiteren Einträge im Vereinsregister. Mindestens fünf der Gründungsmitglieder waren zeitweise im IB Schwaben aktiv“.

Nach langwierigen tiefen Zerwürfnissen und Richtungskämpfen innerhalb des Kreisverbands hatte die AfD erst im April 2025 einen neuen Vorstand präsentiert, der schon im Dezember 2025 wieder zerbrach. Die AfD im Kreis meldete damals: „Wie auch im letzten Kreisvorstand gab es interne und persönliche Differenzen sowie andere Schwerpunktsetzungen.“ Der mit „Schwerpunktsetzung“ umschriebene Prozess ist ein handfester Richtungsstreit.

„Unter Bernhard Eisenhut und Steffen Jahnke driftete die Partei immer weiter nach extrem rechts, wo sie spätestens mit Dominik Böhlers Mitgliedschaft im Vorstand angekommen ist“, so Katrin Brüggemann, eine der Sprecher:innen des Bündnisses „Konstanz für Demokratie – klare Kante gegen rechts“.

Seit Monaten recherchiert das Bündnis „Konstanz für Demokratie“ zur AfD im Landkreis Konstanz. Auf einer Kooperationsveranstaltung mit der „vhs Landkreis Konstanz“ u. a. gibt das Rechercheteam des Bündnisses, Jürgen Weber und Wolfgang Moßmann, Einblicke über Vernetzung und personelle Überschneidungen von AfD-Mitgliedern, Aktiven rechtsradikaler Gruppierungen bis in die Schweiz und Verschwörungsgläubigen in der Region. Die Referenten gehen den Fragen nach: Wie „gesichert rechtsextrem“ ist die Partei im Landkreis Konstanz? Wie radikal oder kriminell sind die Mitglieder mit Amt und Mandat? Dabei stützen sie sich neben ihren Erkenntnissen auf die Zusammenarbeit mit regionalen Journalist:innen und dem Recherchenetzwerk „Correctiv“.

Der Vortrag der beiden Rechercheure findet an folgenden Terminen und Orten statt (siehe auch Veranstaltungskalender):

am Dienstag, 20. Januar 2026 um 19:00 Uhr im Astoriasaal Konstanz,
am Freitag, 23. Januar 2026 um 19:00 Uhr in der vhs Singen,
am Sonntag, 25. Januar um 18:00 Uhr in Tengen/Schloss Blumenfeld
und am Donnerstag, 29. Januar 2026 um 20:00 Uhr in Radolfzell (Zeller Kultur).

Jürgen Weber und Wolfgang Moßmann haben außerdem die Broschüre „Gesichert rechtsextrem – die AfD und die rechtsradikale Szene in der Region“ herausgegeben, die im Laufe des Januar 2026 erscheint.

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