Fahrradparken Im Paradies, Wallgutstraße © Harald Borges

Wo stramme Wadln wacker radeln

Von Harald Borges
Fahrradparken Im Paradies, Wallgutstraße © Harald Borges
© Harald Borges

Das Fahrrad ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein wichtiger Indikator des gesamtgesellschaftlichen Fortschritts. Wie also geht es voran mit uns und unseren Drahtesel:innen?

Alle Jahre wieder gieren wir am Jahresende nach den neuen Zahlen der Fahrradzählstellen. Hat Konstanz einen neuen Rekord hingelegt oder gar einen Weltrekord geschafft? Das ist dann die – je nach moralischer Verfasstheit der Fragenden – bange oder hoffnungsfrohe Frage.

Es gibt in Konstanz mittlerweile drei Zählstellen, deren Daten unschwer im Internet zu lesen sind: Herosépark (seit August 2018), Bahnhof Petershausen und Bahnhof Fürstenberg (beide ab Frühling 2021. Deren Statistiken finden Sie übersichtlich und verständlich angeordnet hier. Die Daten der beiden anderen Zählstellen an der alten Rheinbrücke und auf der Friedrichstraße sind etwas schwieriger aufzuspüren und zu deuten (siehe hier).

Millionen Fahrräder:innen gezählt

Der Star unter diesen Einrichtungen ist die Zählstelle im Herosépark, die älteste in Konstanz. Wie ist es dort gelaufen? Im Jahr 2025 erfasste sie 3.448.916 Fahrräder, das sind 9.449 im täglichen Durchschnitt. Die Zahlen schwankten natürlich auch im letzten Jahr wieder zwischen Wochentagen (durchschnittlich 10.632) und Wochenenden (6.480) sowie Jahres- und Ferienzeiten: Im Juli wurden dort insgesamt 386.201 Fahrräder:innen gesichtet, im Februar nur 210.794.

Damit kam diese Messstelle unter den ausgewerteten weltweit 543 reinen Fahrradzählstellen (es gibt auch solche, die zusätzlich Fußgänger:innen erfassen wie jene in Namur) auf Platz 4. Auf den Plätzen davor lagen die anbetungswürdigen Stationen Paris Sebastopol, Paris Ravioli und Freiburg Wiwilíbrücke, allesamt vom Radelvolke inbrünstig verehrte Kultorte.

Karte zählstellen 16 9 01
Quelle eco-counter

2025 war für Konstanz übrigens kein Ausnahmejahr. Die Zahlen lagen auf dem Niveau des Vor-Corona-Jahres 2019 (3.456.630 Zählvorgänge), steigen aber nach Corona wieder kontinuierlich an: 2023 waren es 3.357.531 und 2024 schon 3.431.797. Demnach fuhren im letzten Jahr 17.119 Räder mehr als im Vorjahr über die Messdrähte im Park.

Ähnlich entwickelten sich übrigens auch die Zahlen an anderen Zählstellen: Am Bahnhof Petershausen schlug im letzten Jahr der Detektor 1.249.094-mal an, am Bahnhof Fürstenberg 1.102.624-mal. Das macht an diesen drei Zählstellen zusammen rund 5,8 Millionen Fahrradbewegungen, pro Kopf der Konstanzer Bevölkerung rund 66 Messungen.

Es gibt am Herosépark allerdings eine verwunderliche Tendenz: Es fuhren deutlich mehr Fahrräder stadtaus- als stadteinwärts. Wie das zu erklären sein mag? Fahren diese Abtrünnigen einfach weiter, bis sie am Nordkap erfrieren? Sind das alles Menschen, die zum Einkaufen ins Industriegebiet radeln und anschließend, vom Kaufrausch völlig benebelt, nicht mehr zurückfinden?

Echte Kunst auf dem Asphalt

Der Volksmund weiß: Wer Renoir nicht werden kann, der streicht getrost die Wände an.

Das lässt sich allerdings nicht direkt auf den Radverkehr übertragen, denn dort entstehen so manche bunten Meisterwerke auf dem Straßenbelag, die das menschliche Herz nicht nur aufgrund ihrer ansprechenden Farben, sondern auch wegen ihrer friedensstiftenden Absichten erquicken.

Auch auf unseren Straßen und Wegen hat sich – von vielen, vor allem von motorisierten Verkehrsteilnehmer:innen leider bisher unbemerkt oder entschlossen ignoriert – diesbezüglich einiges getan. Mehr Rücksicht und Regeltreue werden dort an verschiedenen Stellen angemahnt. Ob das hilft, oft heillos überforderte Autoführer:innen etwa im Kreisel vom Ummähen eines Fahrrades samt Radler:in abzuhalten, darf bezweifelt werden. Zu oft lenken gerade in Kreiseln völlige Inkompetenz gepaart mit einer mordlüsternen Immer-feste-druff-Mentalität die Autos.

Markierung verkehrszeichen 01 oberlohnstraße © stadt konstanz
© Stadt Konstanz

Weit über das Verkehrsgeschehen hinaus ins wirkliche Leben hinein ragt allerdings eine weitere Pflastermalerei am Petershauser Bahnhof: „Rücksicht“ steht dort groß und bunt und soll zu mitmenschlichem Nebeneinander motivieren. Ein Appell an das Edle im Gemüt der Menschen also, den man getrost vom Straßenverkehr auf das alltäglich Mit- und Gegeneinander in allen Lebenslagen übertragen kann.

Markierung verkehrszeichen 02a bahnhof petershausen © stadt konstanz
© Stadt Konstanz

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