Dirigentin Anu Tali © Kaupo Kikkas

Gegacker im Konzil

Dirigentin Anu Tali © Kaupo Kikkas
Dirigentin Anu Tali © Kaupo Kikkas

Dass „Papa“ Haydn deutlich mehr Seiten hat, als unsere Vorgängergenerationen in ihm zu entdecken vermochten, ist mittlerweile allgemein bekannt. Im nächsten Konzert der Südwestdeutschen Philharmonie gibt es seine moderne, leicht exzentrische Seite zu entdecken. Außerdem stehen Grieg und Rimski-Korsakows Dauerbrenner „Scheherazade“ auf dem Programm.

Während seiner langen Jahre im Dienste des Fürsten Esterházy in Eisenstadt hatte Joseph Haydn gleichsam unbehelligt von der musikalischen Welt seinen eigenen, manchmal kantigen, oft humoristischen Stil entwickelt: An die 90 Symphonien hatte er in diesen Jahren geschaffen, viele davon von besonderem Charakter und einzigartig in der kompositorischen Ausformung. In den „Pariser Symphonien“ (Nr. 82-87, entstanden 1785/86 für die Concerts de la Loge Olympique) verfeinerte er seine Kompositionstechnik. Zu erleben ist das in diesem Konzert in der zweiten der „Pariser Symphonien“: Ihren Beinamen „La poule – Die Henne“, der nicht von Haydn stammt, erhielt sie aufgrund des zweiten Themas im Kopfsatz mit den punktierten Tonwiederholungen der Oboe, die an das Gackern eines Huhns erinnern. Haydn ist schließlich immer wieder für eine Überraschung gut.

Eine Welt in Musik

Edvard Grieg, ausgebildet in Leipzig und Kopenhagen, hat als erster einen nationalen norwegischen Musikstil geschaffen. Er schrieb: „Bach und Beethoven haben Tempel und Kirchen auf höchsten Höhen errichtet. Ich wollte nichts weiter, als Behausungen für die Menschen zu schaffen, in denen sie sich zufrieden und behaglich fühlen konnten.“ Berühmt geworden ist die Schauspielmusik zu Henrik Ibsens „Peer Gynt“ (1876), um die ihn der Dichter selbst gebeten hatte: Später fasste er die beliebtesten Stücke daraus in zwei Suiten zusammen, die Dirigentin Anu Tali hat für dieses Konzert die zweite Suite gewählt. Dramatik und eine ausdrucksvolle Klage bringt „Der Brautraub“, im „Arabischen Tanz“ und „Peer Gynts Heimkehr“ begegnen die Konzertbesucher Melismatik und Klangmalerei. Schließlich begleitet die seelenvolle Melodie von „Solveigs Lied“, in dem die Geliebte den endlich heimgekehrten Weltenwanderer in den Schlaf singt, in die Pause. Keine Hoffnung übrigens, es gibt nichts zu gruseln: Die Melodie von „In der Halle des Bergkönigs“, die den Kindermörder in Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als ein Art Leitmotiv begleitet, stammt aus der anderen Peer Gynt-Suite.

Ums Leben erzählt

Rimski-Korsakow setzt zwar eine knappe Inhaltsskizze der Geschichte von Scheherazade, die ihrer Hinrichtung durch Sultan Schahriar durch Geschichtenerzählen entgeht, ans Ende der Partitur und gibt dem Werk den Titel „Scheherazade“, doch soll es sich nach seinen Worten keineswegs um Programmmusik handeln. Vergebens: Mit ihrer farbenreichen Instrumentierung lässt die Musik die Zuhörer in das orientalische Kolorit eintauchen: Die silbrig verführerische Solovioline führt als Erzählerin durch die Geschichte, dem steht das imponierende Gebaren der tiefen Blechbläser und Kontrabässe, die für den grimmigen Sultan stehen, gegenüber. Ein echter Evergreen aus Russland.

Service

Das Konzert leitet die Dirigentin Anu Tali.

Termine: Freitag, 10. November um 19.30 Uhr, Sonntag, 12. November um 18 Uhr und Mittwoch, 15. November 2023 um 19.30 Uhr im Konzil Konstanz.

Am Tag des ersten Konzerts, Freitag, 10. November, gibt es um 9.30 Uhr Gelegenheit, der Öffentlichen Generalprobe beizuwohnen und das Orchester und die Dirigentin beim letzten Feinschliff des Programms zu erleben.

Karten sind beim Stadttheater Konstanz (07531 900 2150), bei der Südwestdeutschen Philharmonie (9.00 Uhr bis 12.30 Uhr) und bei der Tourist-Information am Hauptbahnhof sowie in allen Ortsteilverwaltungen erhältlich. Tickets können auch im Internet gekauft werden unter www.philharmonie-konstanz.de.

Eine Stunde vor Konzertbeginn findet eine Einführung mit Wolfgang Mettler im Studio der Philharmonie statt.

Text: Katharina von Glasenapp/MM/red
Bild: Kaupo Kikkas

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