Elser Klein

Dreizehn Minuten

Elser Klein
Szenenfoto von der Uraufführung des Stücks „13 Minuten“ in der Zimmerbühne, Juni 2023. Foto: Helmut Bär

Nach der Uraufführung im Sommer wiederholt die Zimmerbühne in der Niederburg ein Bühnenstück, das sich mit einem der kühnsten, aber auch traurigsten Kapitel der deutschen Geschichte befasst: dem leider gescheiterten Attentat auf Hitler & Co.

Er habe von der Dampfer-Anlegestelle aus folgenden Weg genommen, sagte der Verhaftete: „Marktstätte, Rosgartenstraße, vorbei an der Dreifaltigkeitskirche zum Bodanplatz, dann weiter durch die Hüetlinstraße, Kreuzlingerstraße, Schwedenschanze, Wesenberggarten. Irgendwelche Hindernisse hatte ich auf diesem Weg nicht zu überwinden gehabt.“ Doch im Garten, „auf der Höhe des Wesenberghauses“, „wurde ich angerufen, habe daraufhin auch sofort gehalten und wurde dann von einem Beamten (…) in ein Dienstzimmer verbracht, wo ich festgenommen wurde.“

So schilderte Georg Elser am 23. November 1939 drei Kriminalbeamten, was ihm 15 Tage zuvor in Konstanz widerfahren war – an jenem Abend des 8. November also, an dem, sie er bald erfuhr, sein Plan tragisch gescheitert war: Elser, der Kunstschreiner von der Schwäbischen Alb, der von 1925 bis 1932 in Konstanz lebte, hatte mit einem Sprengsatz die NSDAP-Spitze in die Luft jagen wollen. Wegen eines Wetterumschwungs verließ diese vorzeitig die Versammlung zur Feier ihres Putschversuchs 1923. Und damit: Aus der Traum von einem nazifreien Deutschland, vorbei die Chance auf ein schnelles Ende des gerade begonnenen Kriegs.

Das Protokoll seines Verhörs, 1964 durch Zufall in den Akten des Reichsjustizministeriums entdeckt, bildet die Grundlage für ein Bühnenstück, das – so eine Mitteilung der Zimmerbühne – den Menschen Georg Elser, seinen scharfen und weitsichtigen Blick für die Entwicklung Deutschlands unter Hitler und den dramatischen Verlauf seiner Tat in den Vordergrund rückt.

„Wie Elser beinahe die Welt verändert hätte“

Die Dramatik ist auch in Zahlen auszudrücken, wie es in einer Ankündigung der Zimmerbühne heißt:
30 Nächte ließ sich Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller einschließen und höhlte die Säule der Empore aus, um dort seine Höllenmaschine, wie er sie nannte, einzubauen. Sie sollte die gesamte Empore direkt über dem Rednerpult zum Einsturz bringen.
13 Minuten vor der Detonation verließ Adolf Hitler mit der gesamten Führungsriege entgegen dem ursprünglichen Zeitplan den Bürgerbräukeller. Sie kamen alle unverletzt davon. Die Empore stürzte herab.
30 Meter vor dem Grenzübergang in die rettende Schweiz fiel er einem Konstanzer Grenzsoldaten auf, der ihn daraufhin zur Wache zum Verhör brachte.
20 Tage vor der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau wurde Georg Elser ermordet.

Das Stück mit dem Untertitel „wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte“ wurde von Bernd Wengert (Skript, Spiel) und Michael Moravek (Songs, Gesang, Gitarre, Akkordeon) verfasst. Aufführungen: Mittwoch, 3. Januar, und Freitag, 5. Januar 2024, jeweils 20 Uhr. Eintritt 15 Euro. Reservierung per Telefon: 07531 / 917263. Oder per Email: angelika.homburger@googlemail.com

Text: Pit Wuhrer / MM; Foto: Helmut Bär, Zimmerbühne

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