Zwei Gesichter Deutschlands an einem Ort

Schloss Ettersburg bei Weimar ist ein Ort, dessen Geschichte durch und durch deutsch ist. Goethe, Schiller und Wieland ließen es sich hier bei ihren adligen Gönnern gut gehen, Liszt, Andersen und andere Künstler­persön­lich­keiten waren später zu Gast. Hier wurde Theater gespielt – aber ganz in der Nähe dann auch das KZ Buchenwald errichtet. Am 6.11. präsentieren Frank Lettenewitsch und Bernd Konrad im Theater Konstanz „Ettersburg, ein Sommernachtstraum – Zwei Gesichter Deutschlands an einem Ort“.

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Orte wie Neuschwanstein oder die Münchner Theresienwiese mögen das Bild Deutschlands im Ausland stärker prägen als Schloss Ettersburg, das ab 1706 in der thüringischen Provinz von der Adelssippe derer von Sachsen-Weimar-Eisenach auf- und ausgebaut wurde. Für Deutschland hingegen ist dieser Ort durchaus bedeutend und symbolgeschwängert.

Ort der Sommerfrische

In den 1770er Jahren hatte sich um die kunstsinnige Herzogin Anna Amalie ein Kreis von SchauspielerInnen sowie Dichter- und sonstigen Geistesgrößen versammelt, der der Weimarer Klassik ihren Namen geben sollte: Wieland, Herder, Goethe und Schiller, von denen manche noch heute dazu benutzt werden, arglose PennälerInnen die echten Qualen echter Langeweile spüren zu lassen. Auf Schloss Ettersburg schrieb Schiller auch seine „Maria Stuart“.

Im 19. Jahrhundert, bald nach Goethes Tod 1832, wurde die Sommerresidenz von einem kunstsinnigen Regentenpaar wieder zu einem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens gemacht. Hermann von Pückler-Muskau gestaltete einen Teil der Außenanlagen um (ja, genau der, nach dem das Eis benannt ist, der aber vor allem einen ruinösen Fimmel für exquisite Landschaftsgärten sowie das Schwimmen im Nil zwischen ganz vielen Krokodilen hatte). Zu Gast waren jetzt Größen wie Franz Liszt, Hans Christian Andersen oder Friedrich Hebbel. Danach hört man lange Zeit wenig von diesem eher unspektakulären Märchenschloss.

Ort des Terrors

In der direkten Nähe von Schloss Ettersburg wurde allerdings ab 1937 das KZ Buchenwald betrieben, eine der monströsen Mordanstalten der Faschisten, in der mehr als 50.000 Menschen getötet wurden. Buchenwald befand sich in Sichtweite von Orten, an denen das Zusammentreffen einiger bedeutender Schriftsteller die deutsche Literatur etwas mehr als 100 Jahre zuvor nachhaltig geprägt hatte, wo man in Logen die Freundschaft und Brüderlichkeit zu leben versucht hatte. Mitten im KZ stand gar eine „Goethe-Eiche“ inmitten all des Terrors.

In ihrer Reihe „Was ist Deutsch“ präsentieren Frank Lettenewitsch als Sprecher und der Saxophonist Bernd Konrad am Mittwoch in der Werkstatt des Theaters Konstanz das Programm „Ettersburg, ein Sommernachtstraum – Zwei Gesichter Deutschlands an einem Ort“. An diesem Abend werden Szenen aus der „lustigen Zeit“ Goethes in Ettersburg mit Erzählungen von Buchenwald-Häftlingen kontrastiert.

„Was ist Deutsch?“ – manchmal möchte man das gar nicht so genau wissen.

MM/red (Fotos: Theater Konstanz)


Mittwoch, 6.11., 20 Uhr, in der Werkstatt des Theaters Konstanz, Konzilstraße 11, 78462 Konstanz.

www.theaterkonstanz.de

Tickethotline +49 7531 900150
theaterkasse@konstanz.de (Dienstag bis Freitag 10-19 Uhr, Samstag 10-13 Uhr)