Sexzwangsarbeit im KZ – Ein Erinnerungs-Tabu?

Ein Vortrag in Singen nimmt sich eines Themas an, das bei der Aufarbeitung der Schreckensgeschichte von NS-Konzen­tra­tions­lagern bisher kaum Beachtung fand. Die Referentin Randi Becker beleuchtet am kommenden Donnerstag im Bürgersaal des Rathauses die Zwangsprostitution weiblicher Häftlinge in KZ-Bordellen.

Insgesamt 10 Lagerbordelle haben die zuständigen Nazi-Schergen zwischen 1942 und 1945 in NS-Konzentrationslagern eingerichtet. Hier leisteten Häftlingsfrauen eine spezifische Form der Zwangsarbeit: Sie wurden von der SS zur Prostitution mit anderen, männlichen Häftlingen gezwungen.

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Der Vortrag der Sozial- und Politikwissenschaftlerin Randi Becker klärt über die Einrichtung der Lagerbordelle auf sowie über den Alltag der Sexzwangsarbeiterinnen. Ebenso werden die Erinnerungsdiskurse rund um die Bordelle nachgezeichnet. So kann die Referentin zeigen, wie das Leid dieser Frauen nach 1945 tabuisiert und verschleiert wurde. Dabei nimmt Becker in den Blick, wie die Gedenkstätten der ehemaligen Konzentrationslager thematisieren, zudem beschreibt sie die literarische und juristische Aufarbeitung sowie erste wissenschaftliche Versuche, sich des Themas anzunehmen.

Veranstaltet wird der Vortrag, dem sich eine Diskussionsveranstaltung anschließt, von der Teestube Singen, der erst jüngst aus der Taufe gehobenen Singener Bildungsbude, der VVN-BdA Konstanz und der Initiative Stolpersteine.

Der Einlass zur Veranstaltung ist coronabedingt an eine vorherige Anmeldung über die E-Mail-Adresse teestube@protonmail.com geknüpft.

MM/jüg

Bild: Lagerbordell im KZ Mauthausen (Foto: Bundesarchiv, Bild 192-349 / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE)


Was: Sexzwangsarbeit in KZ-Bordellen – Ein Tabu in der Erinnerung? Vortrag und Diskussionsveranstaltung mit Randi Becker. Wann: Donnerstag, 23.07., 19.00 Uhr. Wo: Singen, Bürger-Saal, Rathaus. Anmeldung (erforderlich): teestube@protonmail.com.