Konstanzer Kolonialgeschichte

Entdeckung hieß in der frühen Neuzeit vor allem rücksichtslose Eroberung – von Menschen, Waren und Land. Diese Kolonialgeschichte, gern auch als „Bürde des weißen Mannes“ zum Akt christlich-brüderlicher Nächstenliebe umgelogen, hat auch in Konstanz Spuren hinterlassen: Von der Mohrenapotheke zum Ladenschild „Kolonialwaren“ in der Tirolergasse ist es nicht weit. Auch Konstanzer Familien waren in den letzten Jahrhunderten an Sklavenhandel und Kolonialgeschäften beteiligt.

In der ersten Phase der Kolonisierung (ca. 1505-1537) nahmen einflussreiche Konstanzer Handelsfamilien eine Vorreiterrolle in der wirtschaftlichen Entwicklung hin zu Spekulation und der Etablierung internationaler Kapitalmärkte ein. Durch die Versklavung der indigenen Bevölkerung und die Einführung massenhaften Sklavenhandels in Venezuela, dem heutigen Haiti, Kuba und Mexiko sicherten sich gut vernetzte Konstanzer ihre Vormachtstellung. Im 18. Jahrhundert waren Konstanzer Unternehmer außerdem am transatlantischen Sklavenhandel mit Baumwolle und Textilien beteiligt. Fertigprodukte, unter anderem Waffen, wurden dabei nach Afrika transportiert, Sklaven von dort aus in die Karibik verschleppt, und schließlich kamen die Schiffe mit Zucker, Rum und Baumwolle beladen zurück nach Europa. Ein (afrikanisches) Menschenleben galt bei diesem interkontinentalen Handel wenig, ging es doch um teils horrende Gewinnmöglichkeiten.

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Natürlich waren auch Kaufleute vom Bodensee an diesem Geschäft beteiligt. Am Donnerstag veranstalten deshalb zwei Wissenschaftlerinnen einen Online-Vortrag zum Thema „Kolonialnetzwerke und Sklavenhandel von Konstanzer Familienunternehmen“. Prof. Dr. Kirsten Mahlke und Doktorandin Hannah Beck stellen ihre Forschungsergebnisse vor und laden zu einer anschließenden Diskussion ein. Der Vortrag bietet einen Einstieg in die Thematik und eine erste Möglichkeit zur Vernetzung aller interessierten Personen, die zur Aufarbeitung der Konstanzer Kolonialgeschichte beitragen oder über künftige Aktivitäten informiert werden möchten.

MM/red (Foto: Unknown author / Public domain)


Wann: Datum: Donnerstag, 15.10., 19:00-20:30 Uhr. Wie: Eine Anmeldung per E-Mail ist zwingend erforderlich und muss bis zum 13.10. unter marlene.gaertner@bridginggapsev.com vorgenommen werden. InteressentInnen erhalten dann einen Zoom-Link zur Teilnahme an der Veranstaltung im Internet. Wer: Kirsten Mahlke, Hannah Beck, Bridging Gaps e.V.