Nazi-Verbrechen: Verzerrte Erinnerung

Wie kann in angemessener Weise an die Menschheitsverbrechen von Nazi-Deutschland erinnert werden? Jedenfalls nicht so, wie es gegenwärtig häufig geschieht, meint der Berliner Politikwissenschaftler Thomas Willms. Der Geschäftsführer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) hat ein Buch zur Erinnerungskultur an die Untaten des NS-Staates geschrieben, in dem er zu dem Schluß kommt, die Vergegen­wärtigung dieser Verbrechen bleibe zuneh­mend einem ökonomischen und ideologischen Markt überlassen. Am kommenden Freitag liest Willms in Konstanz daraus.

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Aus dem Einladungstext der gemeinsam von Stolperstein-Initiative, VVN-BdA-Kreisvereinigung, Volkshochschule und seemoz e.V. organisierten Lesung:

„Aus dem Zusammenhang gerissene Bilder haben bereits maßgeblichen Einfluss auf das Geschichtsbild. Dieser Prozess ist international und überlagert nationenspezifische geschichtspolitische Probleme. Thomas Willms stellt dar, was von den NS-Verbrechen bleibt, welche Aspekte der Erinnerungen von Zeitzeugen von Anfang an ignoriert wurden und welche Missverständnisse die Vorstellungen über Konzentrationslager bestimmen. In Essays, Analysen und Recherchen befragt er literarische und philosophische Werke, Museen, Filme, Fernsehserien, Graphic Novels, ein Puppenspiel und die Reenactment-Bewegung danach, wie apologetisch oder aufklärerisch sie sich mit dem Zweiten Weltkrieg und den deutschen Massenverbrechen auseinandersetzen. Die Streifzüge beginnen in Italien und führen über Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien in die USA.“

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Mit der Lesung wollen die Veranstalter gleichzeitig die bundesweite Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ unterstützen.

MM/jüg (Bild: PapyRossa-Verlag)


Termin: 3. Mai. Zeit: 19.30 bis 21.30 Uhr. Ort: Volkshochschule Konstanz, Raum 0.7., Katzgasse 7, 78462 Konstanz. Eintritt: frei – um Spenden für „Aufstehen gegen Rassismus“ wird gebeten.