Ab sofort: Musik pur

Die letzten Monate waren für MusikerInnen nervenzehrend und ruinös, aber jetzt normalisiert sich die Lage (zumindest vorläufig) auch für die Jazzer am See. In Radolfzell beginnen bereits heute Abend die Jazz Summer Nights mit Frank Muschalles Boogie Woogie. In Konstanz gibt sich die ausgehungerte lokale Jazz-Szene am morgigen Samstag bei gleich drei aufeinanderfolgenden Konzerten die Klinke des Wolkensteinsaals in die Hand. Für sämtliche Konzerte gelten strenge Auflagen und Zugangsbeschränkungen.

Boogie Woogie in der Konzertmuschel

Boogie Woogie ist jene etwas schlicht strukturierte, zumeist rasant gespielte Musik aus den prähistorischen Zeiten des Jazz, bei der Frauen jenseits der 40 spontan aufblühen und mit einem gewissen Fluoreszieren um die Augen hypnotisierende Blicke auf den Pianisten werfen, während mindestens einer ihrer Füße durch haltloses Wippen unbezwingbare Tanz- und zumeist auch Paarungslust signalisiert.

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Frank Muschalle, mittlerweile in Berlin zu Hause, ist seit über 20 Jahren auf Tournee und zählt heute zu den international gefragtesten Boogie-Woogie-Pianisten. Geboren 1969, entdeckte er nach 11 Jahren klassischen Klavierunterrichts mit 19 den Boogie Woogie für sich. Von da an widmete er sich ausschließlich dieser Musik, die er in verschiedenen Formationen, so auch im Trio, auf die Bühne bringt. Musikalisch beeinflusst haben ihn das Boogie Woogie Trio Ammons, Johnson, Lewis, aber auch Pianisten wie Axel Zwingenberger, Little Brother Montgomery oder Cow Cow Davenport. Der Musiker kann auf mehrere CDs und Auftritte mit vielen wichtigen KollegInnen zurückschauen, Kostproben seines Könnens gibt es auch auf youtube. Karten müssen vorher reserviert werden.

26.06.2020, Konzertmuschel Mettnau, Scheffelstr. 42, Radolfzell, 20:00 Uhr.
www.zellerkultur.de/veranstaltungen

Jazz in Konstanz

„Mit Musik und Jazz gegen Frust, Langeweile und Existenzangst“, so solidarisieren sich der Jazzclub und Konstanzer Musiker gegen die Folgen des Lockdowns. Mit einem gemeinsamen Minifestival möchten die Konstanzer Jazzer für Zuversicht und Hoffnung spielen – für sich und alle anderen Menschen der Gegend. „Wir wollen die Musik nicht länger vernachlässigen, das kann sich unsere Gesellschaft einfach nicht leisten“ – so ihr Credo.

Mit dieser Veranstaltung werden zum einen Musikschaffende unterstützt, die unverschuldet in Arbeitslosigkeit geraten sind und zum anderen dem geneigten Publikum lange vermisste Livemusik geboten. Der Jazzclub Konstanz begrüßt den Beschluss des Bundesrates, zur „Sicherung von Selbstständigen und Freiberuflern“ Hilfen für die Kultur und Kreativwirtschaft nachhaltig auszugestalten. Aber das allein reicht nicht aus. Musiker leben nicht nur von Auftritten (wenn überhaupt), sondern auch für Auftritte. Den Kontakt mit dem Publikum und untereinander kann kein Internet-Konzert ersetzen.

Wegen der begrenzten Besucherzahl im Wolkensteinsaal haben die Veranstalter entschieden, drei Konzertblöcke zu geben, um möglichst vielen ZuhörerInnen den Konzertgenuss zu ermöglichen. Gespielt wird von 11-12 Uhr, 13-14 Uhr und 14:30-15:30 Uhr. An den Konzerten beteiligen sich 12 Musiker in unterschiedlichen Formationen von Solo bis zum Quintett. Der Jazzclub übernimmt die Organisation und spielt Corona-Polizei, denn Eingangskontrolle, Abstandsregeln, Desinfektion, Mund- und Nasenschutz sind obligatorisch.

Mitwirkende: Thomas Banholzer, Tom Bayer, Sascha Henkel, Ewald Hügle, Ralf Kleinehanding, Klaus Knöpfle, Bernd Konrad, Kolja Legde, Frank Lettenewitsch, Patrick Manzecchi und Thomas Schwabe.

Samstag, 27. Juni 2020 ab 11:00 Uhr im Kulturzentrum am Münster. Die Zuhörerzahl der Konzerte ist jeweils begrenzt. Der Eintritt ist frei (Kollekte), Reservierungen sind leider nicht möglich.
www.jazzclub-konstanz.de

MM/red (Bild: Pollert, Quelle ist der Internetauftritt von Frank Muschalle)