Widerstand – ein lebendiges Erbe

Mit Mut und List haben sich Frauen aus allen europäischen Ländern an den Aktionen des antifaschistischen Widerstands gegen Hitler, Besetzung und Krieg beteiligt. Sie durchbrachen die ihnen zugewiesene hergebrachte Geschlechterrolle, kämpften für die Werte der Freiheit, des Friedens, der Menschenwürde und der Solidarität und setzten sich für ein friedliches Zusammenleben der Völker ein. Florence Hervé stellt am 2. Juli 2021 im Wichernsaal in Singen einige dieser Widerstandskämpferinnen vor.

Zum 75. Jahrestag der Befreiung von der Terrorherrschaft des deutschen Faschismus brachte Florence Hervé im vergangenen Jahr das Buch „Mit Mut und List – Europäische Frauen im Widerstand gegen Faschismus und Krieg“ heraus. Darin porträtieren die Autorinnen 75 europäische Widerstandskämpferinnen aus zwanzig Ländern: Aus von Nazideutschland besetzten Ländern wie unter anderem Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien und aus nicht besetzten Ländern wie Großbritannien, Schweden, der Schweiz und Spanien; auch Porträts von Frauen, die wie Lilo Hermann und Johanna Kirchner Widerstand im „eigenen“ Land leisteten, fehlen nicht.

In ihrem Vorwort schreibt Hervé: „In den finsteren Zeiten des faschistischen Terrors, der deutschen Besatzung und des Krieges gab es Millionen Menschen in Europa, die die Gräuel nicht hingenommen, sondern sich gewehrt haben, unter ihnen Hunderttausende Frauen. Sie ließen sich nicht unterkriegen, wählten den aufrechten Gang, kämpften, trotz alledem, für Frieden und Freiheit, für Gleichheit und Menschenwürde, übten Solidarität über alle Grenzen hinweg. Viele überlebten die Verfolgungen und die Hölle der Konzentrationslager nicht. […]

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Lange Zeit tat man sich in der Bundesrepublik schwer, der Menschen und insbesondere der Frauen zu gedenken, denen wir die Befreiung vom Faschismus in Europa mitverdanken. Deren Leidensgeschichten fanden wenig Beachtung. Die Verantwortlichen für Holocaust, Krieg und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden dagegen milde bestraft, wenn überhaupt. In Literatur und Forschung sind Frauen heute nicht mehr die Vergessenen der Geschichte, auch wenn sie immer noch wenig Erwähnung finden. Aber ihre geschichtliche Rolle wird meist geringer bewertet als die der Männer, denn der Widerstand wird oft unter dem militärisch-bewaffneten Aspekt betrachtet.“

Florence Hervé, die selbst noch das Glück hatte, zahlreichen Widerstandskämpferinnen aus verschiedenen europäischen Ländern zu begegnen, erzählt als „Zweitzeugin“ deren Lebensgeschichten, die auch stellvertretend stehen für die vielen Namenlosen. Ihr geht es um Erinnern für die Zukunft. Denn: „Widerstand gibt Mut für die Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz, mit Rechtsextremismus und Neofaschismus, mit Kriegspolitik und sozialem Unrecht. Für Frieden und Gleichheit, und für eine solidarische Gesellschaft.“

Widerstand – ein lebendiges Erbe, Vortrag & Diskussionsveranstaltung mit Dr. Florence Hervé
Termin: 2. Juli 2021. Uhrzeit: 19:00 Uhr. Ort: Singen, Wichernsaal, Freiheitstr. 36.
Eine Veranstaltung der Bildungsbude e. V. in Kooperation mit dem VVN-BdA Kreisverband Konstanz und der Initiative Stolpersteine Konstanz.
Ein Einlass zur Veranstaltung kann aufgrund der aktuellen Situation nur nach vorheriger Anmeldung unter info@bildungsbude.org erfolgen. Des Weiteren gilt die 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet).

Florence Hervé
Geboren 1944 in Boulogne-sur-Seine, aufgewachsen im Pariser Vorort Ville d’Avray. Studium der Germanistik in Bonn, Heidelberg und Paris, Staatsexamen und Promotion in Germanistik in Paris 1976; freiberuflich tätig als Journalistin für deutsche und französische Zeitungen, Mitgründerin und Redakteurin des Kalenders „WIR FRAUEN“ und der Zeitschrift „WIR FRAUEN“, Lehrbeauftragte an den Universitäten Marburg, Duisburg und Münster in den 80er und 90er Jahren im Bereich Soziologie, Geschichte und Romanistik. Florence Hervé ist Herausgeberin und Autorin von zahlreichen Publikationen mit dem Schwerpunkt Faschismus und Kolonialismus, Widerstand, Europa, Grenz- und Konfliktregionen. Das ihr wegen ihrer vielfältigen Verdienste 2014 zuerkannte Bundesverdienstkreuz am Bande lehnte sie ab. Mehr: https://florence-herve.com.

Text: Red. (Foto: Thomas Schmidt, Umschlagfoto: PapyRossa Verlag)