Was wird aus der „Fontainebleau“?

Nach rund 50 Jahren, also beinahe einem Menschenalter, hat das Fährschiff „Fontaine­bleau“ ausgedient. Aber es zählt doch noch nicht ganz zum alten Eisen, sondern könnte noch ein zweites Leben als Kulturstätte, Restaurant oder ähnliches antreten. Die Stadtwerke haben dazu erste Überlegungen angestellt und plädieren für Gastronomie mit Veranstaltungsfläche. Es werden aber auch Stimmen laut, die das Schiff zu einem Kulturzentrum umgestalten und auf diese Weise erhalten und weiter nutzen wollen.

Es ist erstaunlich, wie lange manche Maschinen halten: Ab und zu keucht eine Lok an einem vorbei, die schon zu der Zeit fuhr, als die eigenen Großeltern noch jung waren, und auch so manches Schiff erreicht bei guter Pflege ein gesegnetes Alter, wie etwa die „Hohentwiel“ beweist, die noch vor dem Ersten Weltkrieg in Dienst gestellt wurde.

Anzeige

Ein halbes Jahrhundert unterwegs

Auch die „Fontainebleau“, seit dem Sommer 1970 als Fähre unterwegs, hat jetzt ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel und soll ausgemustert werden. Dass sie nicht mehr auf dem Bodensee umherschippert, heißt aber nicht, dass sie wie ihre Schwesterschiffe Fritz Arnold, Hegau und Thurgau verschrottet werden soll, sondern sie könnte durchaus die Chance auf eine sinnvolle Zukunft bekommen.

Wie diese Zukunft aussehen kann und was alles kostet, haben die Stadtwerke jetzt skizziert, die sich nicht nur mit der Frage beschäftigten, wie sich die Fähre nutzen lässt, sondern auch damit, wo – ob zu Wasser oder zu Lande – sie künftig liegen soll. Das ist keine ganz einfache Frage, denn im Hafen zu Füßen der Imperia ist kein Liegeplatz mehr frei, und dort würde sie anderen gastronomischen Angeboten Konkurrenz machen. Auch vor Klein Venedig ist kein idealer Platz im Wasser zu finden, da der See dort flach ist und der Liegeplatz des Schiffes je nach Wasserstand verändert werden müsste und es schutzlos Wind und Wellen ausgeliefert wäre. Auch Energieversorgung, Abwässer, Notausgänge usw. stellten dort – ganz abgesehen von den Belangen des Naturschutzes – große Probleme dar.

Neben das Sea Life?

Also könnte die „Fontainebleau“ an Land gebracht werden, aber das ist nicht ganz einfach. Als Liegeplatz für das 54 Meter lange und 13 Meter breite Schiff böte sich in Klein Venedig die Fläche neben dem Sea Life an. Allerdings fehlt es an geeigneten Einrichtungen, um das Schiff, das für 600 Passagiere sowie 40 PKW konzipiert wurde, aus dem Wasser zu holen, damit beträten die Stadtwerke also im wahrsten Sinne des Wortes Neuland. Wie tragfähig dieses Neuland überhaupt ist, müsste auch erst noch erkundet werden, denn bekanntlich ist das Gelände vor allem mit Müll aufgeschüttet worden. Da das Schiff etwa 350 Tonnen wiegt, muss vermutlich ein stabiles Fundament gebaut werden, falls man das Schiff nicht gleich eingräbt, so dass das Fährdeck ebenerdig zu liegen kommt.

Wie man die „Fontainebleau“ vom Wasser aufs Land kriegt, bereitet einiges Kopfzerbrechen: Ein Autokran für ein Objekt dieser Größe ist nicht bekannt und es ist auch fraglich, ob er auf dem Untergrund überhaupt eingesetzt werden könnte. Außerdem ist das Wasser dort so flach, dass man das Schiff nicht bis direkt ans Ufer manövrieren kann. Also denken die Stadtwerke an eine eigens zu errichtende Slipanlage – aber das alles ist noch Zukunftsmusik.

Ist Gastronomie die Lösung?

Jedenfalls ist angedacht, im Schiff ein Café mit etwa 50 Sitzplätzen einzurichten und das Fährdeck im Sommer für Veranstaltungen mit bis zu 400 Personen zu nutzen. Natürlich müsste dazu einiges umgebaut bzw. nachgerüstet werden, und was das kostet, ist noch nicht seriös abschätzbar, als grobe Hausnummer ist von einem Betrag von etwa einer Viertelmillion Euro für Gastronomie, sanitäre Einrichtungen usw. die Rede.

Ein Schiff an Land, das ist allerdings ein ziemlich trauriger Gedanke und zudem einer, der dem Projekt seinen eigentlichen Charme nimmt, denn es macht ja gerade den Reiz eines Schiffes aus, auf dem Wasser sitzen und über das Wasser schauen zu können, sei es nun bei einer kulturellen Veranstaltung, sei es beim Kaffeetrinken – oder gar bei beidem.

Außerdem können sich manche KonstanzerInnen und das Junge Forum JFK eine phantasievollere Nutzung als eine vor allem gastronomische vorstellen. In der Stadt, so hört man immer wieder, fehle es an Raum für kulturelle Veranstaltungen, vom Auftritt von Bands über Lesungen bis hin zu sonstigen professionellen oder laienhaften kulturellen Aktivitäten. Da wäre es ja eigentlich naheliegend, die „Fontainebleau“ zu einem (am besten schwimmenden) Kulturzentrum mit verschiedenen der Kultur gewidmeten Funktionsräumen umzubauen.

Was am Ende (und nach Corona) dabei herauskommt, ist angesichts der Kosten nicht absehbar, aber es ist auch noch nicht ganz ausgeschlossen, dass eines Tages für „Schauspiel auf dem Schiff“ oder „Flöten auf der Fähre“ geworben wird.

O. Pugliese (Foto: André Karwath aka Aka, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons)