Unheilix Blechle

Dass auch in Konstanz eine Verkehrswende für die kommenden Jahre ganz weit oben auf der kommunalpolitischen Agenda steht, wird wohl kaum jemand ernsthaft bestreiten. Denn laut einer neuen Statistik hat in Konstanz der KFZ-Bestand zwischen 2008 und 2018 insgesamt um 16,8 Prozent zugenommen. Es besteht also umgehend Handlungsbedarf. Alleine der Flächenverbrauch ist enorm.

Dem aktuellen Statistik-Info der Stadtverwaltung ist zu entnehmen: „Im Jahr 2018 erreicht der Bestand an KFZ mit 43.528 Fahrzeugen (inkl. Anhänger, Krafträder, Nutzfahrzeuge und gewerbliche PKW) in Konstanz einen neuen Höchststand“. Ermittelt wurde der Bestand vom Kraftfahrt-Bundesamt. 69 Prozent der Kraftfahrzeuge in Konstanz, also rund 30.000, sind private PKW. Hier wird eine Zunahme von 14,7 Prozent verzeichnet.

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Zu der hohen Schadstoffbelastung kommt ein beträchtlicher Flächenverbrauch. Wie viel Raum für das motorisierte Blech gebraucht wird, kann sich jeder selber ausrechnen. In der Regel beansprucht ein PKW durchschnittlich 7 Quadratmeter Fläche. Man kann also davon ausgehen, dass alleine die privaten PKW in Konstanz mit einer Gesamtfläche von über 200.000 Quadratmetern zu Buche schlagen, das entspricht dem Ausmaß von rund 30 Fußballfeldern. Ein anderer Vergleich: Das alte Siemensgelände, vorgesehen als neues Stadtviertel, für das unter anderem der Bau von rund 600 Wohnungen geplant ist, hat eine Gesamtfläche von circa 70.000 Quadratmetern, also gerade mal ein Drittel der Fläche, die private PKW insgesamt als Abstellfläche beanspruchen.

In den acht Jahren seiner bisherigen Amtszeit hat Oberbürgermeister Uli Burchardt in Sachen Verkehr nichts Entscheidendes vorangebracht. Im Gegenteil: In regelmäßigen Abständen erklärt er wider besseres Wissen, dass die stauträchtigen Spitzentage wesentlich abgenommen hätten – was nachweislich nicht der Fall ist, denn die Stadt erstickt weiterhin nicht nur an wenigen Wochenenden im Jahr im Verkehr. An seiner Idee, eine Seilbahn quer durch die Stadt könne dem Verkehrsinfarkt entgegen wirken, will Burchardt anscheinend weiterhin festhalten. Mit einem neuen Vorstoß dieser in jeder Hinsicht abenteuerlichen Pläne müsse in Bälde gerechnet werden, munkelt man in seinem Umfeld. Gespannt sein darf man, wie sich Luigi Pantisano, der bei der kommenden OB-Wahl gegen Burchardt antreten wird, in dieser für Konstanz wichtigen Frage positioniert. Sein Konzept für eine „autofreie Innenstadt“ will er in Bälde vorlegen.

Die neuen Umweltbewegungen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion kommen beim Thema Verkehrswende kaum in die Gänge. Vorletztes Wochenende blockierten AktivistInnen beider Gruppen kurzfristig den Sternenplatz und die Obere Laube, um auf das Verkehrsproblem aufmerksam zu machen – das dort am Samstag aber selten eines ist. Warum, so fragten sich viele KonstanzerInnen, wurden diese Blockaden nicht rund um den Döbele-Kreisel in Richtung Bodanstraße durchgeführt, also dort, wo sich oft kilometerlange Staus bilden und wöchentlich chaotische Zustände herrschen? Was sollten diese Aktionen abseits des tatsächlichen Geschehens bewirken? Und vor allem: Was schlagen die UmweltschützerInnen konkret vor, wie eine sozial und ökologisch ausgewogene Verkehrswende aussehen könnte? Da sind Antworten überfällig, wenn man weiterhin ernst genommen werden will.

H. Reile (Text und Foto)