Tarifkonflikt beim DRK: Rauchzeichen aus Radolfzell

Rettungskräfte aus dem Landkreis Konstanz entfachten gestern Nachmittag vor der Zeller DRK-Rettungswache mutwillig ein Feuer. Gezündelt haben die beim Deutschen Roten Kreuz angestellten Beschäftigten nicht etwa aus pyromanischer Neigung. Mit dem Flammensignal wollten sie, unterstützt von ihrer Gewerkschaft, den Dienstherren Feuer unter dem Hintern machen, ihre verantwortungsvolle Arbeit endlich besser zu honorieren.

NotfallsanitäterInnen gehören zu den Leuten, die in der Pandemie an vorderster Front die Köpfe hinhalten müssen. Ebenso wie Alten- und KrankenpflegerInnen setzen sie sich mit der von ihnen ausgeübten Sorgearbeit zurzeit täglich großen Gesundheitsrisiken aus. Die Entlohnung, die öffentliche, private und freie Träger ihnen dafür zugestehen, steht in umgekehrtem Verhältnis dazu.

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Bei den Tarifverhandlungen für Beschäftigte beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) – bundesweit arbeiten bei dem freien Träger rund 150.000 Menschen, ein Drittel davon tarifgeschützt –  will die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) diesem Missverhältnis zu Leibe rücken: 5,5 Prozent, mindestens aber 150 Euro monatlich mehr will die Gewerkschaft für die kommenden 12 Monate durchsetzen. Dazu soll ein nach Beschäftigungszeit gestaffeltes Zusatzplus insbesondere für Notfallsanitäterinnen sowie Alten- und KrankenpflegerInnen kommen, zudem eine Gefahrenzulage für die Betreuung infektiöser PatientInnen.

Wie schon bei der Tarifauseinandersetzung im Öffentlichen Dienst versuchen die Arbeitgeber, auf Zeit zu spielen. Die erste Verhandlungsrunde zwischen ver.di und der Bundestarifgemeinschaft des DRK endete am 22. Oktober ergebnislos. Die Arbeitgeber argumentierten, ein solch umfangreiches Forderungspaket könne angesichts der corona-bedingt ungewissen Lage womöglich nicht in weiteren Präsenzsitzungen verhandelt werden.

Auch einen daraufhin von der Gewerkschaft unterbreiteten Kompromissvorschlag ließen sie abblitzen. Die ver.di-Verhandlungskommission hatte auf das Arbeitgeber-Lamento mit der Offerte reagiert, einen sogenannten Kurzläufertarifvertrag mit Laufzeit bis Ende April abzuschließen, um dennoch ein schnelles Ergebnis zu erzielen. Darin enthalten: Eine Corona-Prämie für alle Beschäftigten, bessere Eingruppierungen für NotfallsanitäterInnen, eine Infektionszulage sowie einen Pflegeaufschlag wie im öffentlichen Dienst. Alle weiteren Bestandteile, gestanden die ver.di-VerhandlerInnen zu, könne man auf Mai nächsten Jahres vertagen.

Das Zurückrudern blieb indes vergeblich, weshalb ver.di jetzt in die Offensive geht. „Die Arbeitgeber hatten die Chance, nicht den gleichen Fehler wie der VKA (Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber, d. Red.) im öffentlichen Dienst zu machen! Leider haben sie diese Chance vergeben“, bedauert Gewerkschaftssekretär Michael Herbstritt von ver.di Südbaden-Schwarzwald. Und Mira Hug, Mitglied der ver.di-Tarifkommission und selbst Notfallsänitäterin in Bad Säckingen, warnt: „Wenn die Arbeitgeber glauben, sie können während der Pandemie auf Zeit spielen, machen sie einen großen Fehler“. Beschäftigte und Gewerkschaft forderten „eine klare Aufwertung in dieser Tarifrunde“ und seien auch „bereit diese durchzusetzen“.

Michael Herbstritt appelliert an die DRK-Chefs, nach dem Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst nicht einen weiteren Arbeitskampf zu riskieren; das könne niemand wollen, „schon gar nicht im Krankentransport oder der Notfallrettung“. Suchten die Arbeitgeber aber den Konflikt, sei man vorbereitet. Dann wird es sicher nicht bei Nadelstich-Aktionen wie dem symbolischen Signalfeuer am Dienstagabend in Radolfzell bleiben.

MM/jüg (Fotos: ver.di Konstanz)