Suizid – (K)ein Tabu. Eine Veranstaltungsreihe von Hospizverein, VHS und Landkreis

Mehr als 800.000 Menschen nehmen sich weltweit jedes Jahr das Leben. In Deutschland sind es rund zehntausend, damit sterben hier dreimal mehr Menschen durch eigene Hand als bei Verkehrsunfällen. Die Veranstaltungs­reihe „Suizid – (k)ein Tabu“ beleuchtet einige Facetten dieses oft mit Schweigen verbun­de­nen Themas und macht auf Unterstützungs­angebote im Landkreis Konstanz aufmerksam.

Nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation WHO nehmen sich jedes Jahr über 800.000 Menschen das Leben. Drei von vier registrierten Selbsttötungen ereignen sich in ärmeren Staaten. Doch auch in Deutschland sterben jährlich 10.000 Menschen durch Suizid (gegenüber 3275 Verkehrstoten im Jahr 2018). Die WHO geht davon aus, dass jede/r Suizidtote im Durchschnitt fünf bis sieben Angehörige hinterlässt, damit wären in Deutschland jedes Jahr insgesamt etwa 50.000 bis 70.000 Menschen betroffen. Die Trauer nach der Selbsttötung eines nahestehenden Menschen ist dabei oft über viele Jahre hinweg ein lebensbestimmendes Thema. Dazu kommen viele, die aufgrund ihrer Arbeit mit Suizid konfrontiert werden, wie MitarbeiterInnen in Rettungsdiensten, PolizistInnen, Psychiatriepfleger und Seelsorgerinnen, LokführerInnen, TrauerbegleiterInnen.

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Suizid hat viele Facetten: Er kann die Folge einer psychiatrischen Erkrankung sein, Menschen mit Suizidgedanken können sich aber auch hinter einem Attentat oder Extremsport „verstecken“. Nicht zuletzt ist Suizid ein aktuelles Thema in Medizin und Gesellschaft, wenn es etwa im Zusammenhang mit einer schweren, unheilbaren Erkrankung um assistierten Suizid oder um freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit geht. Der Umgang mit dem Thema, mit den Betroffenen und Hinterbliebenen ist in Gesellschaften, Kulturen und Religionen sehr unterschiedlich, die Haltung oft ambivalent und die Unsicherheit groß.

Auftakt zu der mehrwöchigen Veranstaltungsreihe ist am 16. Januar der Vortrag „Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne“ von Thomas Macho. Der Kulturwissenschaftler und Philosoph leitet seit 2016 das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien und sitzt dem wissenschaftlichen Beirat des Minerva-Center for Interdisciplinary Study of the End of Life an der Universität Tel Aviv vor. In seinem Vortrag erzählt er die Geschichte des Suizids in der Moderne und zeichnet dessen Umwertung in den verschiedensten kulturellen Feldern nach: in der Politik (Suizid als Protest und Attentat), im Recht (Entkriminalisierung des Suizids), in der Medizin (Sterbehilfe) sowie in der Philosophie, der Kunst und den Medien. Er geht zurück zu den kulturellen Wurzeln des Suizids, durchforstet Tagebücher, Filme, betrachtet Kunstwerke, studiert reale Fallgeschichten und zeigt insbesondere, welche Resonanzeffekte sich zwischen den unterschiedlichen Freitodmotiven ergeben. Seine Diagnose: Wir leben in zunehmend suizidfaszinierten Zeiten.

MM/brm (Bild: Hospiz Konstanz e.V.)

Vortrag „Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne“ von Thomas Macho, Donnerstag, 16. Januar 2020, 19.30 Uhr, Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal, Konstanz. Eintritt 7 Euro. Schüler/innen und Studierende mit Ausweis und Inhaber/innen der VHS-Vortragskarte frei.

Die Wanderausstellung „Suizid – keine Trauer wie jede andere. Gegen die Mauer des Schweigens“ im Landratsamt Konstanz, Benediktinerplatz 1, wird am Mittwoch, den 15. Januar 2020, um 18.00 Uhr eröffnet.

Weitere Veranstaltungen der Reihe unter: www.hospiz-konstanz.de