Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler klar wiedergewählt

8.974 Singener BürgerInnen taten es, 26.471 taten es nicht – nämlich an der Wahl des Oberbürgermeisters teilzunehmen. Mit einer Wahlbeteiligung von 25,35 Prozent gibt es damit in der Stadt am Hohentwiel einen neuen Minusrekord und einen klaren Wahlsieger: 7.826 Stimmen (88,49 Prozent) gingen an den Amtsinhaber Bernd Häusler, 966 (10,92 Prozent) an seinen Herausforderer Helmut Happe. 52 Wahlberechtigte votierten für Sonstige, 130 Stimmzettel waren ungültig. So das offizielle Wahlergebnis.

25,35 Prozent Wahlbeteiligung: Das sei eine Zahl, die sie nicht nachvollziehen könne, so Bürgermeisterin Ute Seifried bei Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Warum eigentlich nicht? Dass die Wahlbeteiligung sehr niedrig ausfallen dürfte, pfiffen seit Wochen die Spatzen von Dächern. Ist die Stadt doch kreisweit ohnehin für niedrige Wahlbeteiligungen bekannt (bei der Landtagswahl im Frühjahr waren es gerade mal 48,48 Prozent, die ihr Stimmrecht nutzten, bei der Kommunalwahl 2019 43,14 Prozent). Zudem gibt es gerade bei Kommunal- und Bürgermeisterwahlen einen allgemeinen Trend zu sinkender Wahlbeteiligung. Wenn es einen starken Amtsinhaber und keinen ernst genommenen Gegenkandidaten gibt, lockt dies erfahrungsgemäß immer weniger WählerInnen an die Urne.

Geringe Wertschätzung für die repräsentative Demokratie?

Wer in solchem Wählerverhalten schon die Abkehr von der repräsentativen Demokratie sehen möchte und die mangelnde Wertschätzung der lokalen Nicht-WählerInnen für deren Errungenschaften wie immerwährenden Wohlstand bejammert, sollte sich klar machen, dass auch eine mittelgroße Stadt weit stärker von externen Entscheidungen abhängig ist, als von denen, die von ihren eigenen Verwaltungsgremien getroffen werden können. Und die Bedeutung lokaler Wahlmöglichkeiten daran messen. Also über den Tellerrand schauen …

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Alles in allem war es ein Wahlergebnis wie erwartet: Bernd Häusler wird für die nächsten acht Jahre Chef im Singener Rathaus bleiben. Sein erst sehr spät aus der Deckung getretener Gegenspieler Helmut Happe wurde ohnehin nur als Außenseiter wahrgenommen und blieb im Wahlkampf für die meisten SingenerInnen auch kaum präsent (außer mit einem Facebook-Profil, einigen Plakaten „Wechsel wählen“ in der Stadt und zwei schwach besuchten Online-Veranstaltungen beider Kandidaten). Häuslers Ziel, möglichst viele BürgerInnen zur Wahl zu motivieren, ging nicht auf. Es war eben eine Wahl ohne Auswahl. Abgesehen von einer gewissen (in Singen nicht gerade so ganz kleinen) Zahl von notorischen Nicht-WählerInnen dürfte hier für viele der vorhersehbare Ausgang des Rennens ausschlaggebend gewesen sein, das Recht auf Nicht-Wählen in Anspruch zu nehmen. Die einen deshalb, weil sie den amtierenden Oberbürgermeister akzeptieren. Andere dagegen hätten sich vielleicht einen Wechsel gewünscht, den sie aber in der Person des einzigen Gegenkandidaten nicht erkennen konnten. Was bleibt dann? Den Amtsinhaber gegen die eigene Überzeugung abnicken? Irgendeinen anderen lustigen Namen auf den Wahlzettel schreiben? Vielleicht den des Nachbarn, den man eh nicht leiden kann? Oder den von dessen wadenbeißenden Lumpi, und damit ungültig wählen? … Oder in Zeiten der Pandemie zu Hause bleiben.

Nicht nur Singens Südstadt wählte nicht

Ein Blick auf die Stimmabgaben in den einzelnen Bezirken zeigt, dass die NichtwählerInnen im gesamten Stadtgebiet stark waren. Zwar waren Wahlbezirk 61 (Südstadt, Schillerschule) mit 9,1 Prozent und Wahlbezirk 52 (Waldeckschule, Oststadt) mit 9,2 Prozent Schlusslichter, aber auch in allen anderen Wahllokalen blieb die Beteiligung unter 20 Prozent, einzige Ausnahme war der Wahlbezirk 25 (Hohentwiel-Gewerbeschule, Nordstadt) mit 20,5 Prozent. Zudem wurde die 20-Prozent-Marke in allen Ortsteilen – Beuren, Bohlingen, Friedingen, Hausen, Schlatt unter Krähen – gerissen. Spitzenreiter ist Überlingen am Ried, mit 28,2 Prozent Wahlbeteiligung (Wohnort von Bernd Häusler, der hier 93,6 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen konnte). Obwohl in den Ortsteilen bekanntlich die verlässlichsten WählerInnen zu Hause sind, zeigte sich am Sonntag auch hier eine geringere Motivation.

Zum Gesamtergebnis kommen natürlich noch die Stimmen der BriefwählerInnen hinzu. 25,35 Prozent hin oder her. Singen wird deshalb nicht untergehen. Und das Rathaus auch nicht. Nur liebe SingenerInnen, bei der nächsten großen Wahl, also der im September, solltet ihr euch schon wieder aufraffen …

Daphne Rohr (Bild: Archiv)