Punkt 12 Uhr im Saloon

Die Reihe High Noon Musik 2000+ ist seit mehr als einem Jahrzehnt eine der innovativsten Konzertreihen des Bodenseeraumes, bringt sie doch fast ausschließlich zeitgenössische Musik in den Konzertraum. Am Sonntag geht es mit einem Duo-Mittag weiter, bei dem Instrumente aufeinandertreffen, die in dieser Ausschließlichkeit kaum jemals miteinander zu hören sind: Gitarre plus Percussion. Auf dem Programm steht Neue Musik, ganz neue sogar, bei der die Noten gerade mal trocken sind.

Im Duo Buck/Wolfarth treffen seit vielen Jahren zwei Musiker aus scheinbar unvereinbaren Genres aufeinander. Während sich der Gitarrist Christian Buck in erster Linie als klassischer Kammermusiker versteht, ist der Schlagzeuger Christian Wolfarth hauptsächlich mit jazzverwandter und improvisierter Musik zu hören. So unterschiedlich die künstlerischen Wege der beiden Musiker auch sind, gemeinsam ist ihnen die Affinität für zeitgenössische, höchst aktuelle Musik.

Ein gemeinsames Ziel

Die Biographien der beiden Musiker weisen schon früh auf ihre weitgespannten musikalischen Interessen hin: Christian Buck wurde in Neustadt am Rübenberge geboren, zu jener Zeit oder kurz danach, als dessen Einwohner noch am Autokennzeichen NRÜ zu erkennen waren sowie daran, dass sie beim Autofahren den Hut nie abnahmen (wie man ihnen zumindest im feindlich gesonnenen Hannover nachzusagen pflegte). Er begann mit elf Jahren mit dem Gitarrenspiel und studierte sein Instrument zuerst in Hannover und dann in Luzern. Seit mehr als 20 Jahren ist er in Europa und Südamerika als Solist und mit verschiedenen Ensembles unterwegs. Seit 2001 führt er eine Gitarrenklasse an der Musikschule Konservatorium Zürich (MKZ).

Christian Wolfarth wurde hingegen 1960 in Zürich geboren und setzte sich, nach kurzen Versuchen an der Gitarre und am E-Bass, im Februar 1977 zum ersten Mal an ein Schlagzeug. Mit einer gleichzeitig gegründeten Blues-Rock Band spielte der Autodidakt wenige Wochen später sein erstes Konzert, um dann von 1982-86 an der Swiss Jazz School zu studieren; seine Lehrer waren Bob Cunningham und Billy Brooks. Neben dem Jazz beschäftigte er sich auch mit verschiedenen Formen der improvisierten und verstärkt auch der Neuen Musik. Letztlich führte ihr Interesse an Neuer Musik die beiden in einem Duo zusammen, für das zeitgenössische KomponistInnen immer wieder neue Werke schreiben.

In der Ruhe liegt viel Kraft

Anzeige

Auch im Wolkensteinsaal gibt es am Sonntag in Konstanz bisher unerhörte neue Klänge zu erleben. Die Reduktion des Schlagzeugs auf einige wenige Trommeln und Becken trifft auf die akustische Gitarre und ermöglicht dem Duo eine klangliche und dynamische Balance, welche die beiden Instrumente im besten Sinne gleichberechtigt erscheinen lässt. Eröffnet wird das HighNoon-Konzert durch den speziell für das Duo geschriebenen Aperitif von Ralf Kleinehanding. In „Flüchtige Weile“ (2011) entwirft die Berner Komponistin Katharina Weber dann Miniaturen, in denen sich musikalische Einfälle mit kompositorischer Strenge verbinden. Mit den Mitteln der Reduktion entstehen so sechs charmante Dialoge zwischen Schlagzeug und Gitarre.

Der kürzlich mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnete Jürg Frey steht für eine Musik zwischen Klang und Stille. Mit seinen „Zeichen auf der stillen Fläche des Papiers“ (2015) gelingt ihm auch für die Duobesetzung eine Komposition von kontemplativer Ruhe und großer Tiefe. Der deutsche Komponist Alexander Goretzki hingegen geht andere Wege. „Squall Line Territories“ (2011) ist ein dynamisches 5-teiliges Stück: kraftvoll und verschwenderisch taucht es in die Klänge des Duos.

High Noon Musik 2000+ ist seit 2010 eine feste Konzertreihe in Konstanz. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, regelmäßig zeitgenössische Kammermusik in ansprechendem Rahmen zu präsentieren. Darüber hinaus stellt das Format ein Experimentierfeld für professionelle Musiker des Bodenseeraumes dar. Initiator ist der Schlagzeuger und Komponist Ralf Kleinehanding.

Wer: Duo Buck/Wolfarth – Christian Buck (Gitarre), Christian Wolfarth (Perkussion), Veranstalter ist HighNoon – Freunde Neuer Musik e.V. Wann: 18. Juli 2021, 12.00 Uhr und 14.00 Uhr. Wo: Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster, Wessenbergstraße 43, 78462 Konstanz. Wofür: Eintritt 10 € / 6 € ermäßigt. Was noch: Das erste Konzert findet um 12.00 Uhr und das zweite um 14.00 Uhr statt. Es gibt keine 3G-Regelung, aber es besteht eine Masken- und Registrierungspflicht. Da die Anzahl der Besucher pro Konzert auf 50 Personen beschränkt ist, ist eine Anmeldung via E-Mail unter info@highnoonmusik.de erforderlich.

Weitere Informationen: www.highnoonmusik.de

Text: MM/red (Bild: © Christian Wolfarth)