OB-Kandidaten äußern sich zu geplanter Corona-Demo

Der lokale Ableger der corona-kritischen „Querdenken“-Gruppen hat für den 3. Oktober eine Demonstration in Konstanz angekündigt. Zuletzt machte die Bewegung mit einer Demonstration in Berlin von sich reden, die mehrere zehntausend Leute auf die Straße brachte. Offenbar in Absprache mit dem bundesweit als Kopf geltenden Stuttgarter Unternehmer Michael Ballweg soll es auf Wunsch des Konstanzer Motorradhändlers Gerhard Mayr nun ein Stelldichein von Pandemie-Skeptikern am Bodensee geben. Damit stünde Konstanz eine Demo ins Haus, die ein bizarres Spektrum versammeln würde, das von „besorgten Bürgern“ über Impfgegner und Virus-Leugner bis zu Verschwörungsgläubigen reicht. Der von solchen „Querdenkern“ verschwommen artikulierte Ruf nach Freiheit hat oft sozialdarwinistischen Charakter, weshalb nicht zuletzt Reichsbürger und Nazis solche Veranstaltungen als willkommene Bühne nutzen. Wir haben die OB-Kandidaten gefragt, was sie von diesem Vorhaben halten. Geantwortet haben uns Andreas Hennemann, Jury Martin und Luigi Pantisano. Hier ihre Stellungnahmen, angeordnet nach dem Eingangsdatum. (red)


Luigi Pantisano

Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut unserer Demokratie und dieses gilt in Berlin, in Stuttgart wie auch in Konstanz. Wir müssen unsere Demokratie als Bürger*innen aber gleichfalls verteidigen vor denjenigen, die dieses Recht missbrauchen, um unsere Demokratie abzuschaffen.

Deswegen gilt für mich überall und immer: Mit Neonazis, Rechtsextremisten, Antisemiten und Reichsbürgern wird nicht demonstriert.

Wir mussten in den vergangenen Wochen feststellen, dass sich sowohl die Organisatoren als die Teilnehmer*innen der sogenannten Querdenker Demo nicht an dieses Prinzip halten. Ohne Abstand, ohne Mundschutz standen sie z.B. in Berlin am vergangenen Wochenende Seite an Seite mit Neonazis.

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Am 3. Oktober soll es nun eine Demo in Form einer Menschenkette in Konstanz geben. Die Bedingungen für eine Genehmigung müssten folgende sein: Begrenzung der Teilnehmerzahl, da Konstanz nur begrenzt freie Flächen hat. Verpflichtender Mund-Nasen-Schutz.

Gleichzeitig begrüße ich weitere Demonstrationen, die deutlich machen, dass in Konstanz kein Platz für Menschenfeinde und Rassisten ist. Selbstverständlich müssten diese denselben Auflagen unterliegen.


Jury Martin

Von der angekündigten Demo der Corona-Gegner halte ich überhaupt nichts und würde am liebsten reinschlagen!

Konstanz hatte vor kurzem im Stadtgarten eine kleine Corona Gegner Demo zum Glück bei Regen.

Ich denke in Konstanz hat ein Verbot, vor Gericht, genau so wenig Bestand wie in Berlin. Die Demonstration ist auf jeden Fall zu verbieten.

Ich halte viel von der Demonstrationsfreiheit und das bei uns die Gewaltentrennung funktioniert, leider auch für die ewig gestrigen Idioten, die hier ein Podium suchen. Ich teile auch überhaupt nicht die Auffassung der anderen TeilnehmerInnen, die mit den Nazis mitlaufen, sich von der Naziideologie distanzieren um Ihre verwirrte Meinung kund zu tun.

Eines ist mir jetzt schon klar, die Demo wird dementsprechend nach erfolglosen Aufforderungen Abstand zu halten, Masken zu tragen oder verbotener Symbole aufgelöst. Das gibt ein Haufen sinnlose Arbeit für die Polizei, die massiv vertreten sein muss.

Ich sehe dem unerwünschten Ereignis gelassen entgegen und bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein herunter.


Andreas Hennemann

Die Pressemeldungen sind voll von Ankündigungen der Macher von „Querdenker 711“ gewesen. Angeblich soll am 03.10.2020 hier in Konstanz eine Großdemonstration stattfinden.

In einer Demokratie ist es wichtig, dass alle ihre Meinung äußern dürfen. Der Austausch von Meinungen muss offen und frei möglich sein, denn andere Meinung muss man auch aushalten können. Die Versammlungsfreiheit ist ein hohes Gut. Deshalb bin ich kein Freund von Demonstrationsverboten.

Gerade deshalb kann ich laut und deutlich sagen: Ich teile die Meinungen der Demonstranten der „Querdenker“-Demonstrationen, die sich über die Corona-Maßnahmen beschweren und deren Notwendigkeit nicht akzeptieren können, nicht. Ich finde es schwer zu ertragen, dass Menschen leider oft unreflektiert gemeinsam mit Gegnern unserer Demokratie demonstrieren.

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Für alle am 03.10.2020 hier in Konstanz stattfindenden Demonstrationen gilt, dass sich jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer an, die durch die Behörden und die entsprechenden Coronaverordnungen auferlegten Regeln zu halten hat. Insbesondere sind die Abstands- und Hygienegebote sowie vor allem das Gebot zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes zu beachten und zu befolgen. Nur durch die Einhaltung dieser Maßnahmen ist ein effektiver Infektionsschutz zu gewährleisten.

Ich appelliere an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer: haltet die erforderlichen Abstände ein und tragt eine Maske. Damit schützt Ihr nicht Euch selbst, sondern Eure Mitmenschen und übernehmt damit Verantwortung für andere.

(Fotos: Kandidaten)