Nun ist’s genug, Herr Rauhut!

Wohnraum in Konstanz ist knapp und wird immer teurer. Unbezahlbar ist er mittlerweile oft auch für Menschen mit mittleren Einkommen. Dennoch stehen, meist aus Spekulationsgründen, Wohnungen und Häuser leer. Damit liegt ein Verstoß gegen das erlassene Zweckentfremdungsverbot vor. Mit auf der Liste steht weit oben Uwe Rauhut, dem das Wohnhaus in der Brauneggerstraße 25 gehört. Sechs Wohneinheiten sind dort immer noch unbewohnt. Zeit also für eine persönliche Ansprache.


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Herr Rauhut,

eventuell werden Sie verstehen, dass ich auf die übliche Anrede „Sehr geehrter …“ verzichte, denn Ihr Tun ist alles andere als ehrenwert. Ich will Ihnen auch sagen, was mich zu dieser Einschätzung veranlasst.

Seit langen Jahren lassen Sie Ihre schöne Immobilie im Paradies leer stehen. Insgesamt handelt es sich um sechs große Wohnungen, alle auf der ruhigen Hausrückseite ausgestattet mit weitläufigen Terrassen. Zu Ihnen wird sicherlich durchgedrungen sein, dass viele Menschen in unserer Stadt händeringend nach Wohnraum suchen, der auch noch halbwegs bezahlbar ist. In Ihrem Haus hätten also sechs Familien Platz, doch das scheint Sie nicht im Geringsten zu interessieren. Das, Herr Rauhut, nenne ich unverantwortlich und zutiefst asozial.

Darf ich Sie fragen, ob Sie schon mal was davon gehört haben, dass Eigentum verpflichtet? Können Sie sich in etwa vorstellen, wie es Menschen geht, die trotz intensiver Bemühungen in Konstanz keine Wohnung mehr finden oder in beengten Verhältnissen leben müssen? Ich vermute, derlei Erkenntnisse sind bei Ihnen leider nicht abrufbar. Anders ist Ihr Verhalten nicht zu erklären. Mit Ihrem Vorgehen tragen Sie auch dazu bei, dass die Stimmung gegen Vermieter – darunter viele, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind – ins Negative kippt. Aber auch das wird Ihnen sicherlich unterhalb des fünften Lendenwirbels vorbeigehen.

Zur Erinnerung: Vor rund vier Jahren wurde in Konstanz das Zweckentfremdungsverbot auf den Weg gebracht. Eine richtige Maßnahme, die mittlerweile dazu beigetragen hat, dass über 80 Wohnungen wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden konnten. Selbiges wurde und wird richtigerweise auch von Ihnen gefordert. Doch Ihre diesbezüglichen Bemühungen sind, ich formuliere es mal moderat, äußerst übersichtlich angeordnet. Mal kam ein Handwerker, dann tat sich lange wieder nichts. Dann ein anderer, kurz darauf erneut Stillstand.

Man hat Ihnen großzügige Fristen gesetzt für die Instandsetzung Ihres Wohnhauses und diese – weil u.a. angeblich keine Handwerker zu bekommen waren – auch verlängert. Die aktuelle Verlängerung läuft nun Ende Juni aus. Was dann? Werden Sie neuerlich versuchen, eine weitere Frist zu erhalten, weil angeblich alle für Sie in Frage kommenden Handwerker und Firmen auf Jahre hinaus ausgebucht sein sollen? Ich kann Ihnen hiermit versichern, dass wir eine weitere Verschleppung nicht tolerieren werden.

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Eines noch: Sie können froh sein, dass Ihre Vorgehensweise bislang keine Reaktionen hervorgerufen hat, wie in anderen Städten, in denen man sich mit (Instand)Besetzungen gegen Spekulantentum und Wohnraumvernichtung zur Wehr setzt. Aber was nicht ist, kann durchaus noch werden.

Holger Reile, Stadtrat LLK


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