Mieten in Konstanz: Warnung vor Fehlinterpretationen

Gehen die Mieten in Konstanz zurück? Aktuelle Zahlen des Hamburger Forschungsinstituts F+B legen diese Vermutung nahe. Doch Winfried Kropp, Pressesprecher des Mieterbunds Bodensee macht darauf aufmerksam, dass die F+B-Daten nur einen Teil des Wohnungsmarkts in Konstanz abbilden. Das Forschungsinstitut berücksichtige lediglich angebotene Wohnungen, nicht jedoch bestehende Mieten, die laut der Mieterorganisation weiterhin steigen.

Die in dem als Wohn-Index bezeichneten Report von F+B quartalsweise veröffentlichten Daten umfassen nur die sogenannte Angebotsmiete. Damit erfasse der Index nur die Mietpreise, zu denen freie Wohnungen in Immobilienportalen und Anzeigen angeboten werden. „Angebotsmieten sind fast immer höher als Bestandsmieten, die Mieter im bestehenden Mietvertrag bezahlen müssen“, erläutert Kropp. Die von F+B errechnete durchschnittliche Angebotsmiete von 11,10 Euro pro Quadratmeter ist gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent gesunken, liegt aber immer noch um 6,9 Prozent über dem allgemeinen Mietspiegeldurchschnitt in Konstanz.

Der Mieterbund Bodensee macht auf einen weit verbreiteten Irrtum aufmerksam: „Auch wenn Angebotsmieten minimal zurückgehen, steigen die Mieten dennoch.“ Denn in den meisten Fällen hätten MieterInnen ihre Wohnungen einst zu einem deutlich niedrigeren Preis gemietet. Eine sinkende Angebotsmiete ist also nur eine Momentaufnahme; sie bedeute nur, dass Wohnungssuchende aktuell nicht ganz so tief in die Tasche greifen müssen wie noch im letzten Jahr, erklärt Kropp.

Anzeige

In der Analyse hat das Institut selbst auf eine Besonderheit des Wohnungsmarkts in der Hochschulstadt Konstanz hingewiesen: Weil Universität und HTWG wegen des Corona-Virus nur virtuelle Lehrveranstaltungen angeboten haben, sei die Wohnungsnachfrage unter den Studierenden eingebrochen. Dies mache sich im Bereich des „hochpreisigen Mikrowohnens“, also bei kleinen, möblierten Studentenappartements, bemerkbar. Der Preisrückgang bei diesen sehr teuren Wohngelegenheiten erkläre den Rückgang der Angebotsmieten in Konstanz, so der F+B-Wohnindex.

„Leider gibt es keine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt in Konstanz. Unsere Stadt ist für Familien und Normalverdiener zu teuer“, sagt Kropp. Mehr sozialer Wohnungsbau und eine Begrenzung der Mietpreis-Steigerungen seien nach wie vor dringend notwendig.

MM/jüg (Bild: Privates Studiwohnheim auf dem Chérisy-Areal, Foto: J. Geiger)