Linke nominiert Sibylle Röth zur Bundestagskandidatin

Sibylle Röth wird für die Linkspartei im Kreis Konstanz in den Bundestagswahlkampf ziehen. Der Kreisverband hat die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz bei der Aufstellungsversammlung am 24. März in Konstanz zur Kandidatin für den Wahlkreis 287 gewählt. Die 39-Jährige, seit 2019 Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion im Kreistag, setzte sich mit einem Stimmenanteil von knapp 75 Prozent gegen den zweiten Bewerber Stefan Frommherz durch.

In ihrer Bewerbungsrede vor rund 20 Mitgliedern, die der Pandemie zum Trotz an der corona-konform organisierten Präsenzveranstaltung im Unteren Saal des Konzils teilnahmen, verwies Röth auf die „Ausnahmezeiten, in denen wir leben“. Sie treibe die Sorge um, dass den Menschen nach dem durch die Pandemie erzwungenen Stillstand „eine neue Welle der Umverteilung von unten nach oben“ drohe. Die Krise habe bestehende soziale Verwerfungen verschärft und neue produziert. Zwar sei das Virus „eine Tatsache, auf die wir nur reagieren können“, betonte die Linke-Politikerin, die gesellschaftlichen Zustände, die es vorfinde, seien indes nicht vom Himmel gefallen.

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Röth wörtlich: „Dass unsere Schulen jetzt Jahre versäumter Digitalisierung aufholen müssen, liegt nicht nur an der Pandemie, sondern auch an jahrelangen Versäumnissen. Dass Krankenhäuser an den Grenzen der Überlastung stehen und Pflegekräfte fehlen, liegt daran, dass wir unser Gesundheitssystem einer privatwirtschaftlichen Logik unterworfen haben, und den miserablen Löhnen, die wir für Pflege zahlen. Dass Menschen, die auf Kurzarbeit gesetzt sind, in Schwierigkeiten kommen ihre Miete zu zahlen, liegt daran, dass sie damit nicht nur die Kosten für ihre Wohnung bezahlen, sondern zugleich auch noch die Rendite von Aktionären.“ Das zu ändern trete die Linke an, dafür wolle sie sich als Kandidatin stark machen: „Wir müssen zeigen, dass nichts alternativlos ist, wir müssen verhindern, dass unterschiedliche unterprivilegierte Gruppen gegeneinander ausgespielt werden, wir müssen uns dafür einsetzen, dass das Öffentliche gestärkt wird, weil alle davon profitieren.“

Sibylle Röth ist dabei wichtig, konkrete Maßnahmen mit einer langfristigen Zielvision für eine sozialere und gerechtere Gesellschaft zu verbinden. In Anspielung auf das Zitat von Altkanzler Schmidt, wonach zum Arzt gehen solle, wer Visionen habe, erklärte sie: „Wenn wir nicht langsam mal wieder Visionen entwickeln und umsetzen, werden viele Menschen im ländlichen Raum in Zukunft sehr weit gehen müssen, um überhaupt noch einen Arzt zu finden.“

MM/red (Bild: D. Schröder)