„Konstanz muss Verantwortung übernehmen“

Sie lassen nicht locker: Aufs neue mobili­sieren AktivistInnen für den 12. April zur Freitags-Demo für die Klimawende. Vom Herosé-Park aus soll es durch die Innenstadt in den Stadtgarten gehen. Die Konstanzer Fridays-For-Future-Gruppe will dabei das Hauptaugenmerk auf einen diesen Montag veröffentlichten bundesweiten Forderungskatalog legen, der zentrale Anliegen der Klimabewegung zusammen­fasst. Außerdem soll nochmal Dampf gemacht werden für die Ausrufung des Klimanotstands in der größten Stadt am See. Mit einem entsprechenden Antrag mehrerer Fraktionen wird sich der Gemeinderat am 2. Mai befassen.

Im Einladungstext zum erneuten Klimastreik am 12.4. untermauert die überwiegend von SchülerInnen getragene FFF-Gruppe die Dringlichkeit ihrer Anliegen mit dem Hinweis auf die Häufung von Erdbeben, Stürmen, Überschwemmungen und Dürren. Laut Angaben des Roten Kreuzes hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen verdoppelt, so die FFFler. „Zwar sind vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer betroffen, aber auch in den Industrieländern bemerkt man inzwischen die Auswirkungen des Klimawandels.“ So seien nicht nur in Deutschland im vergangenen Sommer Rekordhitze-Werte verzeichnet worden. In Kalifornien hätten fast dauerhaft Wälder gebrannt, im Januar seien die USA dann von einer Kältewelle überrascht worden.

Entwicklungen, die global derzeit vor allem die Menschen in südlichen Ländern spüren: „Die UN-Welternährungsorganisation in Rom und der Internationale Getreiderat in London warnen, dass die weltweiten Getreideernten zum wiederholten Mal nicht reichen, um den Bedarf zu decken. Eine Ursache dieses Rückgangs ist demnach die Trockenheit in Europa im vergangenen Jahr.“ Während die Mehrheit in den Industrieländern nach solchen Episoden zum Alltag zurückkehren könne, seien die Folgen in den Entwicklungsländern fataler. „Menschen verlieren ihre gesamte Lebensgrundlage und wissen nicht mehr wohin, durch Preisanstieg können sich viele ärmere Menschen keine Nahrung mehr leisten und verhungern.“

FFF verweist exemplarisch auf den Zyklon „Idai“, der in der Nacht zum 15. März schwere Schäden hauptsächlich in Mosambik aber auch Malawi und Simbabwe anrichtete und Überflutungen auslöste. „Jetzt hoffen Millionen Menschen auf unsere Unterstützung. Zyklone sind in dieser Region um diese Jahreszeit zwar keine Seltenheit, die Stärke ist jedoch überraschend und hat seine Ursache im Klimawandel“, ist FFF überzeugt.

Für die KlimaaktivistInnen ist klar: „Wir tragen einen großen Teil zu diesem Klimawandel bei. Es ist unsere Pflicht jetzt den Opfern des Klimawandels zu helfen! Außerdem muss die Eindämmung der Klimakrise politisch als höchste Priorität behandelt werden. Dieser Zyklon zeigt in seiner Grausamkeit, dass es hierbei schlicht ums Überleben geht!“ Bei der Abschlusskundgebung am Freitag will man deshalb zu Spenden für die Opfer des Zyklons aufrufen.

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Bei karikativer Hilfe soll es aber natürlich nicht bleiben. Demonstriert und gestreikt wird dafür, dass „Deutschland und somit auch Konstanz Verantwortung übernehmen“. Im Klartext: „Die Industrieländer müssen deshalb ihren Treibhausgas Ausstoß deutlich schneller als bis 2040 auf null reduzieren. Schließlich stammt ein Großteil des Kohledioxids, das heute in der Atmosphäre wirkt, aus Ländern wie Deutschland, England und den USA. Deswegen und im Sinne der Generationengerechtigkeit fordern wir den Gemeinderat Konstanz auf, den Klimanotstand auszurufen und die Bundesregierung, die Forderungen von FridaysForFuture umzusetzen!“

Verdammt gute Gründe, am kommenden Freitag dabei zu sein, wenn auf Konstanzer Straßen wieder für die Klimawende demonstriert wird. Und verdammt gute Gründe für den Gemeinderat, den seit Jahren proklamierten Absichtserklärungen nun endlich Taten folgen zu lassen. Die Annahme des unter anderem von FGL, LLK und JFK eingebrachten Antrags, den Klimanotstand zu erklären, wäre ein erster Schritt.

Auch in Singen rührt sich übrigens neuerlich Protest. FFF Singen ruft am Freitag ebenfalls auf, für die Klimawende auf die Straße zu gehen. Die Demo soll laut Mitteilung der OrganisatorInnen um 10.00 Uhr in der August-Ruf-Straße am Karstadt beginnen und nach einem Zug durch die Innenstadt am Heinrich-Weber-Platz enden.

MM/jüg (Bild: Fridays For Future)


Freitag, 12.04, 11:30 Uhr am Herosé-Park