Gesichter Stadelhofens Teil III: „Die Zeiten haben sich geändert, wir nicht“

Seit 1981 verkauft Herbert Umlauft zusammen mit seinem Team Jeanshosen in einem kleinen Hinterhofladen an der Bodanstraße. Daddy Cool Jeans ist Anlaufstelle für die Kunden, die die großen Einkaufsstraßen auf der anderen Seite der Bodanstraße meiden. Herr Umlauft nennt sie selbstbewusst „Einkaufsmuffel“. Menschen, die in seinen Laden kommen, haben das Ziel, sich möglichst lange keine Gedanken mehr über ihre Hosen machen zu müssen.

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Angefangen hat der promovierte Ökonom mit einem Stoffhandel an gleicher Stelle. Er verkaufte Denim-Stoffe aus den USA und der Türkei an kleine Produzenten aus Baden-Württemberg und Bayern. „Die Großen“ haben bei ihm nie gekauft. Auf diese Größenordnungen wollte er sich aber sowieso nie einlassen. Anfang der 1980er Jahre platzte ein Geschäft: Statt die verarbeiteten Hosen an einen Großhändler loszuwerden, blieb die Zahlung aus und Umlauft auf einer großen Ladung Hosen sitzen.

Also fing er an neben dem Großhandel auch ein kleines Ladengeschäft aufzubauen. Stundenweise verkaufte er die liegen gebliebene Ware an Privatpersonen. Dabei hatte er schon damals die Gabe, Menschen anzusehen, was sie brauchten, worin sie sich wohl fühlten. So entstand Daddy Cool Jeans. Im Jahre 1981 wurde das Geschäft ausgebaut und renoviert und ist seitdem in dem Zustand, in dem es seine Kunden lieben.

Vierzig Jahre sind seit seiner Eröffnung verstrichen. Viele Einzelhändler und Gastronomen kamen, viele blieben auf der Strecke. Zu manchen hat Herr Umlauft eine innigere Beziehung gehabt als zu anderen. Eine Geschichte erzählt er nicht ohne Stolz: Zum zehnjährigen Jubiläum seiner Selbstständigkeit feierte er. Es war nicht irgendein Fest, es war ein Bombenerfolg. In den Räumen des damals noch leer stehenden Neuwerks wurde bis in die Morgenstunden getanzt. Mit dabei waren auch Hassan Sarikas und sein Sohn Ali Sarikas, die zu der Zeit Kuyu Kebap eröffneten. So wurden auf dem Fest auch die ersten Kebaps in Konstanz verkauft.

Seine Worte „Das Leben ist immer in Bewegung. Egal wo man hinschaut.“ wirken fast wie ein Vorwurf an den Wandel und die Entwicklung des innerstädtischen Lebens. Die Frage, ob er es bereue, den Laden so lange geführt zu haben, beantwortet er diplomatisch. Es gab die Chance zum Absprung, die habe er allerdings nicht ergriffen. Das wichtigste für ihn bleibt, dass er sich wohl fühle. „Zu uns kommen die, die etwas brauchen. Wir lösen ihre Probleme. Das ist für mich eine große Freude. Für die Kunden ist das das Glück des Einkaufens.“

Benjamin Arntzen (Text und Bilder)


Außerdem erschienen:

09.07.20 | Gesichter Stadelhofens Teil I: Ein „Wohnzimmer für alle“
10.07.20 | Gesichter Stadelhofens Teil II: „Dass es sowas noch gibt!“
14.07.20 | Gesichter Stadelhofens Teil IV: „Komm, geh’n wir in den Wald“
15.07.20 | Gesichter Stadelhofens Teil V: „Viele sind weg, weil sie’s nicht mehr aushielten“