Europaweiter Aktionstag: Evakuiert alle Lager! #LeaveNoOneBehind

Menschenunwürdig waren die Verhältnisse in den Lagern auf den griechischen Inseln schon vor der Pandemie. Zu tausenden müssen dort schutzsuchende Geflüchtete ausharren, weil ihnen die EU die Aufnahme verweigert. Zu den elenden Lebensbedingungen kommt jetzt noch die Gefahr durch das Virus, vor denen sich die auf engstem Raum zusammengepferchten Menschen nicht schützen können. Gegen diese durch die rigide EU-Abschottungspolitik vorsätzlich herbeigeführte Katastrophe organisiert die Seebrücke-Bewegung am 23. Mai europaweit Protest. In unserer Region ruft die Konstanzer Ortsgruppe zu einer Kundgebung auf der Marktstätte auf.

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Der Aufruf der Konstanzer Seebrücke zur Kundgebung im Wortlaut:

Gemeinsam mit anderen Organisationen (z.B. Ende Gelände, FFF, IL, Europe must act) ruft die Seebrücke am 23. Mai 2020 zum europaweiten Aktionstag „Evakuiert alle Lager! #LeaveNoOneBehind“ auf.

Auch in Konstanz wird es zum Aktionstag um 14 Uhr eine Kundgebung auf der Marktstätte geben. Als Redner konnte die Seebrücke Konstanz Normen Küttner (FGL), Simon Pschorr (LLK) und Tilmann Wolf (Save Me e. V.) gewinnen. Einen weiteren Redebeitrag wird es von der Seebrücke Konstanz geben.

Zum Hintergrund: Corona ist tödlich – besonders für diejenigen, die sich nicht davor schützen können. In den Lagern auf den griechischen Inseln sind geflüchtete Menschen diesem tödlichen Virus weiterhin auf engstem Raum ausgeliefert. Seit Wochen fordern bundesweit zehntausende Menschen die sofortige Evakuierung der griechischen Lager, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern.

Während über 150 Städte sich in Deutschland aufnahmebereit erklärt haben, holte die Bundesregierung kürzlich gerade einmal 47 Minderjährige aus dem Lager Moria auf Lesbos nach Deutschland. Ein Staat, der in kürzester Zeit 200.000 deutsche Tourist*innen zurückholen und 80.000 Erntehelfer*innen für die Rettung des deutschen Spargels einfliegen kann, zeigt deutlich seine Prioritäten: Das Leben der Geflüchteten ist ihm nichts wert.

47 Menschen aufzunehmen ist ein peinlicher Versuch, das nationale Gewissen reinzuwaschen. Für mehrere Zehntausend Menschen ändert es aber nichts: Sie sind dem Virus in Lagern und Sammelunterkünften schutzlos ausgeliefert – ob in Griechenland, auf dem Balkan oder in deutschen Massenunterkünften, in denen der empfohlene Mindestabstand und die Hygienevorschriften zu einer Farce werden.

Dieses vorsätzliche Versagen der Bundesregierung und der EU nehmen wir nicht hin. Wir lassen uns mit 47 aufgenommenen Menschen nicht ruhigstellen. Der Protest endet erst, wenn alle Menschen in Sicherheit sind.

MM/jüg

Bild: Eindrücke der Seebrücke-Delegationsreise rund um das Lager Moria auf Lesbos, Februar 2020 (Foto: Jörn Neumann via Flickr; CC BY-ND 2.0)


Termin: Samstag, 23. Mai 2020. Zeit: 14:00 – 15:00 Uhr. Ort: Marktstätte.