Drei auf einen Streich

Wie bei seemoz bereits nachzulesen war, entschied der Konstanzer Gemeinderat vergangenen Donnerstag mit großer Mehrheit, den bisherigen Ehrenbürgern Hindenburg, Knapp und Gröber die Ehrenbürgerwürde zu entziehen. Eine richtige und wegweisende Entscheidung, der weitere folgen müssen – findet unser Kommentator.

Es ging schon auf Mitternacht zu, als der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde. Da saßen die Rätinnen und Räte schon rund sechs Stunden zusammen, und manchen war die Erschöpfung deutlich ins Gesicht gemeißelt.

Die Debatte über die Aberkennung der Ehrenbürgerwürden verlief weitgehend emotionslos, denn die Fakten lagen längst auf dem Tisch, und sie waren deutlich. Paul von Hindenburg, Franz Knapp und Conrad Gröber waren allesamt von Beginn an Türöffner und Unterstützer eines von Massenmördern errichteten Systems, an dessen Ende Millionen Tote zu verzeichnen waren.

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Bei Paul von Hindenburg votierten alle für eine Aberkennung, bei Gröber enthielten sich Vertreter von CDU und FDP der Stimme, ebenso bei Knapp. Einzig und allein Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) war der Meinung, Franz Knapp solle weiterhin Ehrenbürger bleiben. Sein Fraktionskollege Daniel Groß, neu im Rat, äußerte dafür Verständnis, denn seiner Meinung nach sei die Faktenlage bei Knapp zu dünn für eine eindeutige Aberkennung. Wie Groß zu dieser abenteuerlichen Einschätzung kommt, die jeder Grundlage entbehrt, bleibt das Geheimnis des Mannes, der seine Brötchen überwiegend als Stadtführer verdient und somit in der Lage sein sollte, die von der städtischen Kommission akribisch zusammengetragenen historischen Tatsachen auch dementsprechend einzuordnen.

Diesem ersten Schritt muss nun der zweite folgen: Die Umbenennung der nach den drei Herren benannten Straßen. Dazu sollten drei weitere kommen, die die Namen von Otto Raggenbass, Felix Wankel und Werner Sombart tragen, stehen doch auch diese Persönlichkeiten wegen ihrer Verbindungen zum Nationalsozialismus zur Debatte. Doch ließ die Verwaltung schon anklingen, dass sich dieser Vorgang unter Umständen noch bis zu zwei Jahren hinziehen könnte. Grund: Legt die Straßenbenennungskommission ihre Vorschläge vor, folgt eine Bürgeranhörung. Die endgültige Entscheidung über eine Umbenennung wiederum trifft der Gemeinderat.

Jetzt schon erklärten Ratsmitglieder wie Anselm Venedey (Freie Wähler) und Jan Welsch (SPD), dass sie einer Umbenennung der in Frage kommenden Straßen zustimmen werden, egal, was die Bürgeranhörung auch bringe. Denn es könne ja nicht sein, dass man mit der Aberkennung der Ehrenbürgerwürde ein deutliches Zeichen gesetzt habe, aber die Namen der betreffenden Personen weiterhin die Straßenschilder schmückten. Diesem klaren Standpunkt wird sich vermutlich eine Mehrheit des Rates anschließen. Alles andere würde die aktuelle Ratsentscheidung konterkarieren.

Für die Umbenennung der Straßen werden voraussichtlich mehrere Möglichkeiten angeboten. Die erste wäre, die Straßennamen beizubehalten, was die mit dem Aberkennungsprozess verfolgte Absicht ad absurdum führen würde. Oder, zweite Option, die unveränderten Namen um ein Zusatzschild zu ergänzen, das auf die Verquickungen der Namensgeber mit dem NS-System hinweist. Dritte Möglichkeit schließlich: Die Neubenennung nach Personen, die wirklich eine Ehrung verdient hätten. Diese Debatte könnte spannend werden und ließe sich eventuell ergänzen um den Vorschlag, die Straßen umzubenennen und mit einem Zusatzschild zu versehen, das auf die Verbindungen der früheren Namensgeber mit dem Nationalsozialismus deutlich hinweist.

Die aktuell getroffene Entscheidung ist zu begrüßen. Ein dicker Wermutstropfen allerdings bleibt, denn der Zeitplan bis hin zum zweiten Schritt lässt bedauerlicherweise zu, dass die Namen der nun endlich als NS-Unterstützer eingestuften Honoratioren weiterhin auf Straßenschildern zu lesen sind. Wie wäre es, diese Straßen aus Gründen gesellschaftlicher Hygiene bereits jetzt mit einem Zusatzschild zu versehen, das sie als Nazi-Unterstützer kennzeichnet, oder sie einfach zu überkleben? Man lasse Fantasie walten.

H. Reile

Bild: Eine Künstlerinitiative benennt 2018 symbolisch schon mal die Knapp-Passage um; Foto: Hans-Peter Koch.