Der Klima-Papst und das neue Konzil

Es war viel Gefühl im Spiel, als der Konstanzer Gemeinderat jüngst den Klimanotstand ausrief. Daher ist es höchste Zeit, die drohende Klimakatastrophe einmal im Lichte der reinen Vernunft zu überprüfen, dachte sich ein nachdenklicher Mitmensch. Er wendet sich jetzt mit einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden des Konstanzer Gemeinderates sowie den OB, um auf den Zusammenhang zwischen Kohlendioxid und Pflanzenwachstum hinzuweisen und Vorschläge zur Klimapädagogik zu unterbreiten.

Wer denkt, Rat und Verwaltung der Stadt Konstanz müssten sich Tag für Tag verdrossen durch dröge Sitzungsvorlagen kämpfen, irrt. Zusätzlich zu den Sitzungsunterlagen lesen sie nämlich gelegentlich auch noch wirklich aufrüttelnde Schreiben von BürgerInnen, die oft unter Pseudonym verschickt wurden, weil Namen ja bekanntlich Schall und Rauch sind. Neben Morddrohungen sowie Beschimpfungen, die auf keine Kuhhaut gehen, finden sich darin immer wieder auch sachdienliche Hinweise, wie sich die Stadt gegen Außerirdische, Elektrosmog oder die von ausländischen Mächten (Sie wissen schon, wen ich meine, ich darf aber nicht darüber sprechen) ferngesteuerte Bundeskanzlerin wehren kann.

Das folgende Schreiben gehört ganz und gar nicht in diese Kategorie putzigen Zeitvertreibs, sondern bietet ernsthafte, bedenkenswerte Anregungen eines besorgten Mitmenschen zur politischen, pädagogischen und biochemischen Dimension der aktuellen Klimadebatte, daher veröffentlichen wir es hier:


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„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte Ihnen nochmals ausdrücklich – in Anbetracht des in Konstanz ausgebrochenen Notstandes – meine tiefe Verbundenheit und die Hoffnung ausdrücken, dass baldmöglichst kühlendes Wasser des Rheins in reichlicher Menge aus den Alpen herabfließen möge, um die kochende Seele Ihres Rates und die heißen Gewässer des Bodensees auf ein erträgliches Maß zu kühlen. Der Gedanke, dass bei Konstanz am Bodensee ein großen Fischsterben begonnen haben könnte, bei dem der See mit gesottenen Fischen übersät ist, lässt bei Lieschen Müller und den „fridays for future“-Kindern sicher das Blut in Adern gefrieren. Da muss unbedingt etwas unternommen werden.

Die ganze Klima-Impulsgebung und Vorbildwirkung muss ja irgendwem Nutzen bringen! Allein die Bürger von Konstanz mit Angst und Hoffnung in seelische Hochspannung zu versetzen, bringt nicht viel. Will man wirklich Einfluss gewinnen, dann sollten ganz Deutschland, Europa, die Bewohner aller Kontinente im Focus stehen. Machen Sie richtig Werbung. Zeigen Sie das aufkommende Elend und den Niedergang in Konstanz mit beredten Bildern und Texten. Den dampfenden Bodensee, die toten Fische.

Jetzt ist die Zeit, die Definitions-Macht über Klima und Katastrophen zu gewinnen. Wer die Deutungshoheit übernimmt, kann Gewinne ohne Ende schöpfen. Das ganze Theater für das Publikum muss sich doch lohnen, und zwar für Sie! Sie kennen gewiss die historische Bedeutung von Konstanz bei der Bildung und Stärkung der katholischen Kirche. Im Konzil von 1417 – also vor 602 Jahren – wurde hier die böhmische Regionalkirche in den Schoß der „Mutterkirche“ geführt und der widerspenstige Jan Hus dem Scheiterhaufen überantwortet. Was damals als End-Punkt im Werden einer Kirche gelang, warum soll nicht heute der Anfangs-Punkt für eine neue Klima-Kirche auch in Konstanz gesetzt werden? Stellen Sie sich das mal vor: Globaler Einfluss, Definitions-Macht, die ganze Welt muss nach Ihrer „Klima-Pfeife“ tanzen, die Gläubigen kommen aus allen Ländern der Erde nach Konstanz, um Ihren Segen und ein bisschen Know-how entgegenzunehmen, gegen Bares natürlich. Und das Größte dabei: Man muss überhaupt nichts wissen, sondern nur glauben, was Ihre Definitions-Macht gebietet. Einfach großartig!

Als Klima-Papst bestimmen Sie zwar nicht über das Klima, denn das folgt nicht Ihren Befehlen, doch den Menschen können Sie sehr wohl vorschreiben, was sie über das Klima zu denken und an Notstands-Maßnahmen zu erdulden haben. Welch eine Macht, welch ein Freude! Sie werden Reichtümer ansammeln können wie einst das Orakel von Delphi und dabei das delphische Vorbild weit in den Schatten stellen. Die „Krösusse“ der Neuzeit werden bei Ihnen anstehen, um wohlgefällige klimapolitische oder -gewerbliche Orakelsprüche entgegen zu nehmen und zu belohnen. Was wollen Sie mehr?

Bei so viel Vermessenheit – wer kontrolliert eigentlich noch den Gemeinderat? Werden Sie menschliche Mahnungen ernst nehmen, oder muss jetzt der Allerhöchste den Konstanzern den richtigen Weg weisen?

Wird eine Klima-Notstands-gläubige Jugend und eine von dieser dominierte Bürgerschaft wirklich ein Gewinn für Konstanz sein? Vielleicht versuchen Sie es doch lieber mit praktisch fundierten Erkenntnissen für die „fridays for future“-Kinder? Sie könnten beispielsweise den Schülern für biologische Experimente Gewächshäuser „spendieren“, worin die Wahrheitssucher die Bedeutung des Kohlendioxids für Gesundheit und Wachstum von Pflanzen selbst beobachten und messen können. Mit detektiertem und automatisch gesteuertem CO2-Anteil der Atmosphäre. Als Clou dürfen die Schüler sogar das Gedeihen der Pflanzen in einer Atmosphäre ohne jeden Kohlendioxid-Gehalt „bewundern“, nämlich deren Sterben.

Greta Thunberg mag über die Fähigkeit verfügen, jedes CO2-Molekül zu sehen, doch das gebieterische Verlangen der Flora noch Kohlendioxid für starke und gesunde Pflanzenkörper liegt außerhalb ihres Wahrnehmungsvermögens. Gleiches gilt offensichtlich auch für den „umweltbewussten“ Gemeinderat von Konstanz und die „fridays for future“-Aktivisten. Retten Sie also das irdische Klima, koste es was es wolle! Auch um den Preis des pflanzlichen und tierischen Lebens auf der Erde, das Ihrer Nachkommen mit eingeschlossen.

Mit freundlichen Grüßen aus einer kühleren Gegend
Peter Bayer

PS: Ich bin gerne bereit, Ihnen ein Konzept zur Einberufung des Gründungs-Konzils für die Klima-Kirche und die nachfolgenden Etablierungs-Phasen der Kirche im deutschen und internationalen Maßstab zu unterbreiten. Kommen Sie bitte einfach auf mich zu!“


O. Pugliese (Bearbeitung & Bild. – In der Bildmitte ist eine Kastanie zu sehen, die ganz nahe an den Bordstein herangerückt ist, um näher bei den Kohlendioxid spendenden Autos zu sein.