Bahnverkehr: Wird die Region von Stuttgart abgehängt?

Von Berlin über Stuttgart bis Konstanz reden in der Politik viele mittlerweile von der Verkehrswende, doch wie ernst meinen sie es damit? In Konstanz trifft sich seit etlichen Monaten ein Bündnis, das Vorschläge erarbeitet, wie die Weichen in Richtung klimaverträgliche Mobilität gestellt werden könnten. Für heute Abend lädt es zu einer Veranstaltung ins „Costa del Sol“ in der Niederburg ein, bei der die Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU) und Mathias Gastel (Grüne) sowie ein Bahnvertreter über aktuelle Bahnsperrungen und die Ersatzmaßnahmen sowie die drohende Abhängung der Region vom Stuttgarter Hauptbahnhof informieren werden.

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Dazu hat uns das Verkehrswendebündnis den folgenden Einladungstext geschickt:

Warum „Schienenersatzverkehr“ eine enorme Bedeutung für Klimaschutz hat!

So absolut einleuchtend die Forderung Klimaneutralität bis 2030 ist, so schwierig sind die vielen Einzelschritte dahin. Ein entscheidender Schritt heißt: Wesentlich weniger Autos! Nicht nur der CO2-Emissionen beim Fahren wegen, sondern auch der enormen Rohstoffmengen, die bei der Herstellung von Autos verbraucht werden und des Flächenverbrauchs der PKWs wegen. Wie grün, wie lebenswert könnten unsere Straßen ohne Autos sein!

Darum werben wir, das Verkehrswendebündnis Konstanz für mindestens 20% weniger PKW bis 2025, für Alternativen zum Auto und das heißt bei größeren Entfernungen für die Bahn! Dieses unser Werben wird aber zunichte gemacht durch das, was jährlich Hunderttausende von Bahnreisenden erleiden müssen. Nämlich den sogenannten Schienen-Ersatz-Verkehr (SEV). Nur ein Beispiel der jüngsten Schienensperrungen zwischen Singen und Engen: Da mussten Fahrgäste des letzten Zuges von Stuttgart nach Konstanz in Tuttlingen in den Ersatzbus nach Singen steigen und dort um Mitternacht PLANMÄSSIG bis zu einer Stunde am verrammelten Bahnhof auf den letzten Zug nach Konstanz warten (anstatt den Bus nach Konstanz weiterfahren zu lassen).

Überall in Deutschland werden so hunderttausende von eigentlich ökologisch umsteigebereite Menschen ins Auto getrieben. Denn wer so etwas erlebt, verliert die Bereitschaft aufs eigene Auto zu verzichten und die Bahn zu benutzen. Und das allein bedeutet riesige Mengen von CO2. Vor allem aber: Wenn schon klimabewusste Menschen keine Alternative sehen, wie sollen dann die vielen überzeugt werden, die sich ein Leben ohne Auto und Flugzeug gar nicht vorstellen wollen?

Dass es auch ganz anders geht, zeigt die Praxis der Schweizer Bahnen und das fordern wir, das Verkehrswendebündnis, mit dem „Konstanzer Modell für Bahnreisende bei Baumaßnahmen“ nämlich mit Hauptpunkten:
1. Wenn irgend möglich Bahnumfahrungen der Baustellen.
2. Bei Ersatzbussen: Sowohl solche die Station für Station abfahren als auch direkte.
3. Immer verantwortliches und erkennbares Personal, klare Information und besetzte Telefone.
4. Langfristige Transparenz und Planung der Ersatzmaßnahmen mit Gemeinden und Fahrgastvertretungen.
5. anteilige Erstattung für die Nichtinanspruchnahme der Monats- bzw Jahreskarten der Bahn während der Sperrungen

Für 2020 sind Totalsperrungen auf der Strecke Radolfzell – Allensbach 21. bis 27. März, 4. bis 18. Mai und 2. bis 20. November geplant. Da wollen wir, dass das Konstanzer Modell schon Realität ist.

MM/jüg


Wann? Dienstag, 4. Februar, 19.00 Uhr. Wo? Restaurant „Costa del Sol“, Konstanz.