„… aber nicht auf unserem Spielplatz“

seemoz-Egg 005Knapp 50 BürgerInnen waren der Einladung der Freien Grünen Liste (FGL) auf die Egger Wiese gefolgt: Nicht nur Anrainer, auch Mitglieder anderer Fraktionen des Konstanzer Gemeinde­rates diskutierten über die Pläne der Stadtverwaltung zum Bau einer Anschluss-Unterbringung für Flüchtlinge auf just dieser Wiese – nur die Verwaltung war nicht vertreten. Dabei entzündete sich der Bürgerzorn vor allem an der Informationspolitik der Rathaus-Verantwortlichen: „Wir fühlen uns betrogen“.

Rechtzeitig zu Diskussionsbeginn um 18 Uhr am Montagabend gesellten sich einige Kinder auf „ihren Spielplatz“ – so als sollten sie die Einschätzung ihrer erbosten Eltern untermauern, die Egger Wiese sei „der einzige Spielplatz weit und breit“ und „natürlicher Begegnungsort“ für alle BürgerInnen des kleinsten Konstanzer Stadtteils.

So, als wäre die Bürgergemeinschaft Egg (die sich nicht mehr nur in Planung befindet, sondern bereits etablierter Verein ist – diese Richtigstellung ist Vorstandsmitglied Gaby Ellegast besonders wichtig) Organisator dieses Treffens, erhob Siegmund Kopitzki sogleich im Namen der Bürgergemeinschaft das Wort und versuchte, die Diskussion zu steuern: Es ginge nicht um Flüchtlinge, gegen die habe man nichts, sondern um die Wiese, die man den BürgerInnen wegnehmen wolle. Die FGL-Stadträtinnen Kreitmeier und Kusche konnten dann nur mit Mühe die Diskussion noch in halbwegs friedfertige Bahnen lenken.

„Die Stadt ist nicht ehrlich zu uns“

„Egg wird mehr als andere Stadtteile belastet, wenn es um die Flüchtlings-Unterbringung geht“; „wir sind extra dieser Wiese wegen nach Egg gezogen“, „die Stadt ist nicht ehrlich zu uns“, „wir fühlen uns von der Verwaltung betrogen“„was wäre denn, wenn der Stadtgarten zubetoniert würde“, „wo sind die alternativen Standorte“: Der lautstarke Bürgerprotest bündelte viele Vorbehalte und nur manche guten Vorschläge.

Denn tatsächlich waren erst zwei Stunden vor Beginn des Treffens dürre Antworten der Bürgermeister Burchardt und Osner schriftlich eingegangen – Gemeinderäte hatten unter Führung der FGL bereits vor Wochen nach alternativen Standorten, nach dezentraler Unterbringung und einem schlüssigen Konzept gefragt. Nur soviel scheint sicher: Bürgermeister Andreas Osner versprach, sich bis Ende dieser Woche abschließend zur Frage anderer Standorte nicht nur in Egg zu äußern. Nach dem Plausch erwies sich bei einem Rundgang durch den Teilort tatsächlich, dass es Areale in Egg gibt, die mindestens ebenso geeignet für einen Neubau wären.

„Was passiert mit den Grundstücken von Kirche und Land?“

Nur – die gehören nicht der Stadt, sondern der Kirche (!) oder dem Land Baden-Württemberg oder sogar Privatleuten (!), die zu gegenwärtigen Konditionen zum Verkauf ihrer Grundstücke nicht bereit sind. Wie überhaupt deutlich wurde, dass die Egger Wiese einst viel größer war und nur durch Grundstücksverkäufe der Stadt derart zusammen geschmolzen ist – nicht das einzige Mal, dass die Verkaufspolitik der Verwaltung während dieser Diskussion in die Kritik geriet.

Die versammelten GemeinderätInnen aus FGL, LLK, SPD, FDP, FWK und JFK hatten es schwer, sich gegen pauschale Verurteilungen zu behaupten. Auch sie seien mit der Informationspolitik der Stadtverwaltung nicht zufrieden, beteuerte SPD-Stadtrat Ruff, auch sie seien für die Prüfung alternativer Standorte, versicherte Anne Mühlhäußer von der FGL und auch sie könnten sich eine Dezentralisierung der Flüchtlings-Unterbringung vorstellen, so Holger Reile (LLK). Allein Normen Küttner (FGL) brachte es auf den Punkt: „Es darf nicht über das ‚ob‘ der Unterkünfte gesprochen werden, sondern nur über das ‚wie‘.“

„Öffnen Sie Ihre Herzen“

Da waren sich Politiker und Egger Bürger anscheinend ausnahmsweise einig. Man habe schließlich nichts gegen Flüchtlinge, könnte sich gar vorstellen, die Armen privat unterzubringen, „aber nicht auf unserem Spielplatz“, wie eine erzürnte Mutter ausrief. Wobei sie zu erwähnen vergaß, dass die Egger Wiese kein Privateigentum der Egger BürgerInnen ist.

Ob allerdings der Lernerfolg nicht nur der GemeinderätInnen, wie Gisela Kusche von der FGL fand, nach dieser Diskussion so gewaltig ist und den Anfang eines neuen Dialogs markiert, muss nach den hitzigen Wortwechseln eher bezweifelt werden. Womöglich fand nur ein Egger Bürger den richtigen Ton, als er an seine Mitbürger appellierte: „Öffnen Sie Ihre Herzen“.

hpk