Was der Kulturfonds dieses Jahr fördert

Mit Geldern aus dem Konstanzer Kulturfonds werden jährlich Projekte von freien Kultur­schaffenden aus Konstanz und Kreuzlingen gefördert. Die Summe des Kulturfördertopfes beträgt jährlich 50.000 Euro (durch stehengebliebene Mittel aus den Vorjahren waren 2020 effektiv 72.810 Euro zu vergeben). Welche Projekte dieses Jahr finanziell bezuschusst werden, zeigt die nachfolgende Übersicht.

Vorneweg einige Infos dazu, gedacht auch für KulturarbeiterInnen, die für ihre zukünftigen Vorhaben finanzielle Unterstützung benötigen und nicht wissen, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen.

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Ein Gremium, bestehend aus Vertretern und Vertreterinnen des Gemeinderates, Repräsentanten und Repräsentantinnen der freien Kulturszene, des Stadttheaters und der Kulturverwaltung, entscheidet über die Vergabe der Projektmittel. Einsendeschluss für die Förderanträge ist jeweils der 1. Dezember des Vorjahres.

Gefördert werden können Projekte, die sich durch ihre künstlerische Qualität auszeichnen. Dabei können die einzelnen Beteiligten durchaus Laien, semiprofessionelle oder professionelle Künstler und Künstlerinnen sein. Wichtig ist, dass die Projekte einen ortsbezogenen und kulturszenebelebenden Charakter in Konstanz oder Kreuzlingen aufweisen.

Der Kulturfonds gewährt in der Regel keine Vollförderung. Die Gesamtfinanzierung muss gesichert sein, sodass die Förderung durch den Kulturfonds als Fehlbetragsfinanzierung geschehen kann. Der Antragssteller bzw. die Antragstellerin hat eine angemessene Eigenbeteiligung zu erbringen. Beiträge Dritter können als solche gelten.
Die Richtlinien für Projekte können von der Internetseite des Kulturamt der Stadt Konstanz bezogen werden. Auf derselben Seite befindet sich ein Link zum Antragsformular, das online ausgefüllt und eingereicht werden muss.

Folgende Projekte werden im Jahr 2020 durch den Kulturfonds gefördert:

Modern Dance School / Jasmin Schneider – Carmen-Suite

Rodin Shchedrin komponierte 1968 eine neue, abendfüllende Ballettmusik nach Georges Bizets gleichnamigem Opern-Welterfolg. Ausgehend von der Frage „Wer ist diese Carmen?“ hat die Choreographin Jasmin Schneider ein Tanztheater mit der Gefühlswelt von Carmen im Mittelpunkt choreographiert. In ihrer Interpretation tanzen zwei Carmen die verschiedenen Gefühlswelten. Kontrabassist Gabriele Basilico hat zusätzlich Musik für fünf weitere Carmen-Szenen komponiert. Der Künstler Antonio Zecca gestaltet das Bühnenbild.
Wann und wo: 20.05. – 24.05.2020 in der Spiegelhalle, Konstanz

Benjamin Arntzen – Stadelhofen – eine Nachbarschaft im Wandel

Benjamin Arntzen portraitiert UnternehmerInnen und Privatleute aus dem Stadtteil Stadelhofen. Wichtig ist ihm hierbei die Beziehung von heute und gestern und das, was dazwischen liegt. Die Fotografien zeigen das vermeintlich objektive Heute, während in Interviews das subjektive Gestern neu entsteht. Die Präsentation des Projekts soll im Rahmen einer Ausstellung stattfinden. Zudem findet am 26.04.2020 ein Stadtteilfest statt, welches sich der Frage nach dem Möglichen widmen und den AnwohnerInnen einen Raum zur Entfaltung bieten soll.
Wann und wo: 26.04.2020 im Stadtteil Stadelhofen

Marcus Hagemann – SHARED LUDWIG

Zum Beethoven-Jahr 2020 widmen sich Björn Lehmann (Klavier) und Marcus Hagemann (Violoncello) dem kompletten Sonaten-Zyklus an einem Abend und bringen die fünf Sonaten unter dem Motto SHARDE LUDWIG in einen spannenden Kontext mit behutsam ausgewählten Werken moderner und zeitgenössischer Komponisten. Teil des Projekts ist außerdem das Workshop-Programm „JungeReporter“ für SchülerInnen und Studierende, das Kulturprojekte und Musikfestivals begleitet, über die die Jugendlichen journalistisch zu berichten lernen, zu denen sie sich heimatlich verbunden fühlen und über die sie sich eine Meinung bilden und für diese argumentieren sollen.
Wann und wo: Die Konzerte sind für November 2020 vorgesehen

Behnstedt + Renn GbR – LichtSinfonie

Die LichtSinfonie ist ein Live-Crossover-Projekt aus Lichtkunst und klassischem Konzert, das am Abend des 14. März 2020 am St.-Gebhard-Platz aufgeführt wird: 351 animierte LED-Fluter in den Fenstern der gesamten Frontfassade des ehemaligen Fernmeldegebäudes interpretieren und inszenieren Beethovens 5. Symphonie, live gespielt vom Orchester der Südwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung des Dirigenten Kevin Griffiths. Begleitet wird die LichtSinfonie von einem Rahmenprogramm zur Einstimmung auf den Abend.
Wann und wo: 14.03.2020 am St.-Gebhard-Platz

Niklas Knezevic – Jonah (Arbeitstitel)

Geplant ist eine Webserie mit sechs Folgen (à 15 bis 20 Minuten) über eine Gruppe von Studierenden und deren Alltag an der Universität. Im Fokus steht hierbei die künstlerische Darstellung bzw. die kreative Übersetzung des Ablaufs einer Depression. Durch die Serie sollen die Zuschauer aufgefordert werden, beim Thema mentale Gesundheit nicht wegzusehen, sondern sich selbstkritisch mit dem Thema auseinander zu setzen.
Wann und wo: Geplant ist die Veröffentlichung zum Ende des Jahres 2020/Anfang des Jahres 2021 mit wöchentlich einer Folge auf YouTube

Veronika Fischer – It’s only Haushalt

Der Haushalt ist eine Thematik, die eine jede und einen jeden von uns berührt und beschäftigt, zahlreiche Stunden die Woche. Wäscheberge, Spülberge, der Duft von Biomüll – all das kann im Alltag zur Zerreißprobe werden. Oder zur Inspiration? Mit dieser Frage beschäftigen sich die vier Kunstschaffenden Anna Appadoo, Veronika Fischer, Teresa Holtmann und Mojca Osojnik. Das Private wird öffentlich präsentiert: auf Plakaten in der Innenstadt, in Installationen im öffentlichen Raum sowie auf einer Homepage.
Wann und wo: Der Ausstellungszeitraum ist für Oktober 2020 geplant

Florian Schwarz – Die Gesichter Europas (Arbeitstitel)

„Die Gesichter Europas“ erzählt mittels Fotografie, Video und Text in mehreren Episoden von Menschen und ihren individuellen Lebenswelten in verschiedenen Teilen Europas. Eine künstlerische Entdeckungsreise, ein visuelles Mosaik verschiedenster Lebenswelten, verteilt über den Kontinent. So zielt das Projekt darauf ab, durch diese „kleinen“ Geschichten von Menschen unterschiedlichster nationaler und kultureller Herkunft, den Kontinent und seine Diversität erfahrbar zu machen. Das Projekt soll in Form einer Publikation und einer Ausstellung grenzübergreifend in Konstanz und in Kreuzlingen präsentiert werden.
Wann und wo: Die Ausstellung ist für Frühjahr 2021 im Richental-Saal, Konstanz und im Kult-X, Kreuzlingen geplant

Daniel Grünauer – Ein Leben in Takt – Monolog für einen Spieler und zwei Schlagzeuge von Cédric Chapuis

Der Monolog „EIN LEBEN IN TAKT“ des französischen Autors Cedric Chapuis soll in Konstanz und Kreuzlingen zur deutschsprachigen Erstaufführung gebracht werden. Die Inszenierung wurde in Frankreich 2016 mit dem Theaterpreis „Prix Moliére“ ausgezeichnet. Adrien Lepage, ein autistischer Junge, erzählt mit zwei Drum-Sets auf der Bühne die Geschichte seiner außergewöhnlichen Passion – lustig, verstörend und tief bewegend.
Dramaturg/Produzent: Daniel Grünauer
Regisseur: Ingo Putz
Schauspieler: Samuel Braun
Wann und wo: Die Vorstellungen sind für Mai/Juni 2020 im K9, Konstanz und im Kult-X, Kreuzlingen vorgesehen

Irena Eden – Circuit

Die Arbeit beschäftigt sich mit den Lichtverhältnissen im Mittelmeerraum. SchriftstellerInnen aus den Mittelmeeranrainerstaaten sind mit einem Text beauftragt, der sich dem Thema vor Ort annimmt. Es können sowohl poetische oder politische Beschreibungen, als auch abstrakte Reflexionen entstehen. Inhaltlich tastet sich die Arbeit an einen zu hinterfragenden europäischen Ist-Zustand heran, indem sie auf den mythologisch überlieferten Ursprung Europas, die Ufer des Mittelmeers schaut. Es entsteht ein Künstlerbuch, das im Rahmen der Ausstellung im Kunstverein Konstanz präsentiert wird.
Wann und wo: Die Eröffnung der Ausstellung ist Ende April 2020

Mohamed Badawi – Al Andalus

Mit diesem Projekt soll die Geschichte des islamischen Mittelalters auf dem Gebiet der iberischen Halbinsel erzählt werden. Um diese Vergangenheit zu würdigen, soll im Projekt „Al Andalus“ von den hellen Köpfen und künstlerischen Musen dieser Hochkultur erzählt werden. Bedeutende und eindrucksvolle Persönlichkeiten, insbesondere weibliche Charaktere, werden vorgestellt und verkörpert. An den Vorstellungsabenden verschmelzen orientalische Musik und spanische Flamenco-Klänge und Dichtung und Musik werden durch eine szenische und tänzerische Erzählweise bereichert.
Wann und wo: Wird noch festgelegt.

MM/hr

Bild: Plakat der LichtSinfonie, die am 14.3. am St.-Gebhard-Platz aufgeführt wird