Vom Flug der „Libelle“

Einblick in vierzig Jahre Verlagsarbeit wird das „Konstanzer Literaturgespräch“ mit dem Verleger Ekkehard Faude am 24.10. in der Spiegelhalle gewähren. Das Signet auf den Büchern der „Libelle“ steht seit der Verlags­gründung 1979 für Rundumblick und unvor­hersehbaren Zickzack-Kurs. Jahre eines ent­deckungsfreudigen Flugs, der anfangs in Konstanz, seit 1991 vom Thurgau aus grenz­über­schreitend den Kulturraum der Boden­see-Region neu konturiert hat, ohne sich auf ihn zu beschränken. Ein Blick zurück.

Gemeinsam blieb den Büchern eine Mischung aus unverwechselbarer Sprache und Buchgestaltung, in der sich kritische Aufklärung mit intelligenter Erheiterung verband. Die Rede ist von dem Konstanzer Ekkehard Faude und seiner Frau, der Thurgauerin Elisabeth Tschiemer. Nach vier Jahrzehnten setzt die „Libelle“ nun zur endgültigen Landung an: noch ein oder zwei Bücher, dann können Freunde und Liebhaber des Verlags allein noch auf die Backlist zurückgreifen, die weiterhin gepflegt wird. Immerhin hat der Verlag über 200 Bücher herausgebracht.

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Derzeit widmet die literarische Gesellschaft „Forum Allmende“ im „Hesse Museum“ in Gaienhofen der „Libelle“ und ihren Verlegern eine Ausstellung unter dem sinnigen Titel „‘Diese Verlegerei gibt sich gern humorvoll – meint es aber zugleich ernst‘. Der Flug der Libelle. 40 Jahre Verlagsgeschichte“ (bis 16. Februar 2020). Das „Hesse Museum“ und „Forum Allmende“ pflegen seit vielen Jahren eine Ausstellungs-Partnerschaft. Im Rahmen des Begleitprogramms gibt es nun am 24. Oktober in der Spiegelhalle (Hafenstr. 10) ein „Konstanzer Literaturgespräch“. Teilnehmer sind der Verleger Ekkehard Faude und, aus dem Publikum heraus, der „Libelle“-Autor Manfred Bosch. Moderieren wird den Abend der Journalist Siegmund Kopitzki, Vorsitzender von Forum Allmende.

Mit Erstlingsbüchern entdeckte Libelle so unterschiedliche Autoren wie Bernadette Conrad („Nomaden im Herzen“), Tobias Engelsing („Menschen im Paradies“), Ernst Peter Fischer („Die Welt im Kopf“), Ilse Helbich („Schwalbenschrift“), Angelika Overath („Händler der verlorenen Farben“) und Ulrich Ritzel („Der Schatten des Schwans“). Auch weithin bekannte Autoren wie Arno Borst und Christoph Meckel kamen mit mehreren Werken ins Programm. Zur Kontinuitätsleistung der Verlagsgeschichte zählen u. a. die auflagenstarken Werke des Pädagogen Hans Brügelmann, der Theaterautorin Yasmina Reza und des Mongoleireisenden Fritz Mühlenweg.

Libelle-Bücher wurden auch mit Preisen ausgezeichnet: Bodensee-Literaturpreis für Manfred Boschs „Bohème am Bodensee“, Rauriser Literaturpreis für Katrin Seebachers Roman „Morgen oder Abend“, Deutscher Krimipreis für Ulrich Ritzels „Schwemmholz“, Erwin-Schwartz-Grundschulpreis für Heide Bambachs „Erfundene Geschichten erzählen es richtig“, Ehrengabe der Martin-Bodmer-Stiftung für Jochen Greven.

Die Jahresausstellung von „Forum Allmende“ in Zusammenarbeit mit dem „Hesse Museum“ in Gaienhofen ist der Schlusspunkt eines langen Abschieds, der 2010 mit dem Rückzug von der Buchmesse begann und sich mit dem Verzicht auf die Novitätenvorschau fortsetzte. Die vielfältige Ausstellung führt die einzelnen Themensparten des Verlagsprogramms – Literatur, Wissenschaftssatiren, Bodensee-Kulturgeschichte, Theater, Naturwissenschaft, Lese- und Schreibpädagogik – noch einmal zusammen. Thema ist nicht zuletzt der rasante digitale Wandel und die Folgen für die Branche. Unter gleichem Titel erschien auch die von Elisabeth Tschiemer herausgegebene Verlagsgeschichte zu 40 Jahre Libelle. (400 S., mit zahlreichen Abbildungen, 20.- €)

MM/red

Bild: Ekkehard Faude mit seiner Frau Elisabeth Tschiemer und einem Messebesucher (Foto: Veranstalter)


Konstanzer Literaturgespräche: „Vom Flug der Libelle“. Ekkehard Faude blickt im Gespräch mit dem Journalisten Siegmund Kopitzki auf 40 Jahre Verlagsarbeit zurück.

Termin: Donnerstag, 24. Oktober, 19.30 Uhr. Spiegelhalle Konstanz (Hafenstr. 10). Karten zu 8.- € nur an der Abendkasse.