Neoklassik und Jazz = Ziemlich romantisch

Jenseits von Pop, Rock und Jazz gibt es immer wieder ganz eigene Bands, die das Beste der verschiedenen Welten miteinander verbinden. Dazu zählt der schweizerische Drummer Dimitri Monstein mit seinem Ensemble, das jetzt mit seiner ungewöhnlichen Musik irgendwo zwischen Klassik, Pop und Jazz nach Konstanz ins K9 kommt. Charakteristisch für die eingängigen (und erfolgreichen) Instrumentalkompositionen ist unter anderem der Einsatz von Streichinstrumenten. Ein Abend auch für ErzromantikerInnen.

Für seine 29 Lenze hat es der Schlagzeuger Dimitri Monstein bereits ganz schön weit gebracht: Wenn er nicht mit seinem eigenen Ensemble unterwegs ist, trommelt(e) er auch schon für Andrea Bocelli, Helene Fischer, die Swiss Army Big Band, Salto Natale und im Swiss Jazz Orchestra sowie im Zurich Jazz Orchestra. Stilistische Enge kann man ihm also ganz gewiss nicht nachsagen, und er versteht sich selbst denn auch vor allem als einen Wanderer zwischen vielen musikalischen Welten, wobei er sich vor allem von zwei durchaus traditionellen Vorbildern inspirieren lässt: Klassik und Jazz – zwei Musikgenres, die, wenn sie aufeinandertreffen, eine emotionale und ebenso raffinierte wie eindrückliche musikalische Allianz schließen können (die manchmal auch an erztraditionellen Folk erinnert).

Erfolgreiches Album-Debüt

Das 2016 gegründete Dimitri Monstein Ensemble ist jetzt mit seinem Debüt-Album „Landscape“ auf Tour, das von NDR Info als „Album der Woche“ präsentiert wurde (O-Ton: „da wächst ein Allround-Talent“). In Konstanz wird das Ensemble in einer eher ausgefallenen Quartett-Besetzung mit Piano, Bass, Cello und Schlagzeug auftreten, deren Zusammensetzung die Verbindung der verschiedenen musikalischen Richtungen widerspiegelt.

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Natürlich ermöglicht diese instrumentale Zusammenstellung den Vier immer wieder auch Ausflüge in den klassischen improvisierten Piano-Jazz, gelegentlich auch jenen der Marke Easy Listening, der mittlerweile im Prozess der Reifung zum Klassiker immer hoffähiger geworden ist. Diese professionelle Truppe bringt ein durchaus intelligent geschnürtes und individuell gestaltetes musikalisches Wohlfühlpaket mit, ohne jemals in den ganz großen Schmalztopf des Balladenunwesens greifen zu müssen.

Imaginärer Punkt

Deutlich hörbar ist die Minimal Music eine weitere Inspirationsquelle vieler der instrumentalen Eigenkompositionen – das Fortschreiben eines Stücks durch stete kleine Veränderungen eines sich wiederholenden kurzen melodischen oder rhythmischen Musters. Dem Schlagzeug kommt dabei eine doppelte Rolle zu. Es ist nicht nur Soloinstrument, sondern dient zugleich als rhythmisches Bindeglied zwischen den Mitgliedern des Ensembles.

Das alles schafft immer wieder ein schwebendes Klangbild, das manche HörerInnen verträumt einen imaginären Punkt weit außerhalb von Raum und Zeit schauen lässt, obwohl dieser Punkt sich in Wirklichkeit ganz nah – in ihrem Inneren nämlich – befindet. Zu erkennen sind solche Menschen, die dem Zauber solcher Art von Musik anheimgefallen sind, an ihrem verklärten Blick und ihren unbewussten, kreisenden Kopfbewegungen, ziemlich weit weg und doch ganz entspannt ebenso im Hier wie auch im Jetzt.

MM/red (Bild: Dimitri Monstein)


Wer: Dimitri Monstein, drums/composition; Mischa Podstransky, piano/synth; Andreas Kühnrich, cello; Benedikt Schönenberger, bass. Wann: Donnerstag 22.10.2020 um 20.00 Uhr. Wo: K 9 e.V. Kommunales Kunst- und Kulturzentrum, Hieronymusgasse 3, 78462 Konstanz. Wofür: 15 Euro, ermäßigt 13 Euro, K9-Mitglieder 11 Euro; 13/11/9 Euro im Vorverkauf; Tickets an den Vorverkaufsstellen, an der Abendkasse und bei Reservix. Was noch: www.k9-kulturzentrum.de