Kleinkunst ohne Kompromisse

Die Eule trägt man/frau nach Athen, die Elster neigt zum Diebstahl – und manche Menschen schaffen es an guten Tagen gar, den Vogel ab­zu­schießen. Die „Tuttlinger Krähe“ hingegen kotet und krächzt nicht, sondern ist ein ange­se­hener Kleinkunstpreis. Am 29. 9. startet die 20. Auf­lage, die eigentlich für den März geplant war, und es ist wieder mit zahl­losen erfreulichen Über­ra­schungen zu rechnen. Dieses Mal gibt es gleich zwei Spielstätten und daher am 4. Okto­ber auch zwei Preisverleihungen.

Tuttlingen, sonst eher für Skalpelle und eine stimmungsvolle Innenstadt ohne jeden überflüssigen Zierat bekannt, wird einmal im Jahr zum Mekka der Kleinkunstszene, wenn seine „Krähe“ ruft und es renommierte Preise zu erringen gilt. Erstmals (und hoffentlich auch einmalig) werden die Wettbewerbsabende und der Preisträgerabend parallel auf zwei Bühnen ausgetragen: Aufgrund der aktuell reduzierten Saalkapazitäten findet die „Krähe“ nicht nur am angestammten Platz in der Möhringer Angerhalle, sondern parallel dazu auch in der Stadthalle Tuttlingen statt.

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12 BewerberInnen

Unter den Tuttlinger Preisträgern der vergangenen Jahrzehnte finden sich etliche KünstlerInnen, deren Karriere die Auszeichnung mit dem Bronzevogel dereinst Flügel verliehen hat. Auch 2020 wetteifern wieder zwölf KünstlerInnen um die „Krähe“ – und damit um einen der begehrtesten und bestdotierten Kleinkunstpreise im deutschsprachigen Raum. Die ebenso originellen wie formschönen Trophäen werden übrigens seit der Erstauflage 2001 vom Bildhauer Roland Martin gefertigt.

Doch eines ist 2020 anders: Nachdem der Wettbewerb im März aufgrund medizinischer Bedenken zunächst abgesagt wurde, eröffnet er jetzt mit den drei Wettbewerbsabenden 29. September bis 1. Oktober und dem Finale der Preisträger am 4. Oktober eine neue Saison. Das Teilnehmerfeld – die zwölf Besten aus fast 100 Bewerbern – sowie Annette Postel, Miss Allie und Frank Fischer als Moderatoren versprechen dann vier unterhaltsame Abende. Am Dienstag, 29. September, treten André Hartmann, der schon als Politikerdouble auf dem Nockherberg brillierte, Comedic Story Teller Nikita Miller, Schwabe mit kasachischen Wurzeln, Stand-Up Comedian Martin Niemeyer aus Hamburg und die musikalische Damen-Formation „Schöne Mannheims“ an. Am Mittwoch, 30. September, stehen auf der Bühne: Comedian Berhane Berhane aus Fürth, der als Gast von Bülent Ceylan schon die SAP Arena rockte, Matthias Romir aus Berlin, der in seinem Varietébeitrag Jonglierkunst ganz neu definiert, Musik-Kabarettist Lennart Schilgen aus Berlin, der bereits den Jurypreis des Prix Pantheon gewinnen konnte und mit Liedern und Chansons Florian Wagner.

Den Donnerstag, 1. Oktober, bestreiten Comedian, Kabarettist und Stimmimitator Jakob Friedrich, schwäbischer Facharbeiter mit Bremer Wurzeln, Liza Kos, Comedienne aus Aachen und in Russland geboren, der verwirrt-charmante fränkische Liedermacher El Mago Masin sowie Komiker, Musiker und Moderator Heinz Gröning, auch bekannt als „Der unglaubliche Heinz“. Die Moderation übernehmen ebenfalls erfolgreiche, viel beachtete Kleinkünstler: Die Wettbewerbsabende moderieren in der Angerhalle Annette Postel, Entertainerin, Musikkabarettistin, Chanteuse und deutschsprachige Operncomedienne, und in der Stadthalle Kabarettist Frank Fischer, unter dessen über 20 Kleinkunst- und Kabarettpreisen sich auch der Prix Pantheon und eine Tuttlinger Krähe finden. Fischer (Angerhalle) und Vorjahressiegerin Miss Allie (Stadthalle), die kleine Singer/Songwriterin mit Herz aus Lüneburg, moderieren dann das Finale am Sonntag, 4. Oktober. Für die musikalische Gestaltung der Abende sorgt in beiden Locations in verschiedenen Besetzungen die Formation 4fun um Marco Schorer aus Tuttlingen.

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Aufgepasst

Für beide Veranstaltungsorte wurden Hygienekonzepte erarbeitet, die die notwendigen Abstände sicherstellen und bestmöglichen Schutz für die Gesundheit der BesucherInnen gewährleisten. Das Programm der einzelnen Abende wird ohne Pause gespielt und zeitlich etwas gestrafft, und es gibt ein eingeschränktes Angebot an Getränken und Snacks, die mit an den Platz genommen werden dürfen.

Die Siegerehrung mit der Übergabe der Trophäen wird aus der Angerhalle live in die Stadthalle übertragen. So lange der Vorrat reicht, können Karteninhaber selbst wählen, ob sie die Veranstaltung in der Stadthalle oder in der Angerhalle (beide Häuser werden eine Varietébestuhlung mit Bistrotischen erhalten) besuchen möchten. Daher empfiehlt es sich, den Umtausch bereits früher erworbener Eintrittskarten möglichst bald vorzunehmen.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen sind bis Ende Oktober in Baden-Württemberg keine Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen erlaubt. Ins Jahr 2021 muss deshalb aus Kapazitätsgründen die seit Monaten ausverkaufte Gala „20 Jahre Tuttlinger Krähe“ verlegt werden, die für den 2. Oktober in der Stadthalle Tuttlingen geplant war. Die Veranstaltung, bei der voraussichtlich alle „Krähe“-Gewinner der zweiten Dekade, u.a. Sascha Grammel und Heinrich Del Core, dabei sein wollen, findet nun am Mittwoch, 23. Juni, ab 19:00 Uhr statt. Karten behalten ihre Gültigkeit.

Informationen

Einzelne Karten für die „Tuttlinger Krähe 2020“ in der Angerhalle Möhringen (Beginn 20:00 Uhr) und der Stadthalle Tuttlingen (Beginn 20:15 Uhr) sind noch zu haben. Sie kosten für die Wettbewerbsabende jeweils 23,- € und fürs Finale am Sonntag 32,90 €. Im vergünstigten Vorverkauf gibt es sie online hier oder leibhaftig in Tuttlingen bei der Ticketbox in der Königstraße 13 (beim „Runden Eck“) sowie bei den Vorverkaufsstellen des Kulturtickets Schwarzwald-Baar-Heuberg. Ein telefonischer Kartenservice ist unter Tel. 07461/910996 erreichbar. Zum Umtausch von Karten, der nur bis 25. September möglich ist, hat die Ticketbox der Tuttlinger Hallen von 10:00 bis 13:00 Uhr Sonderöffnungszeiten eingerichtet.

MM/red (Foto: Veranstalter; das Bild wurde verändert)