„Nacht und Nebel“

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Datum/Zeit
Date(s) – 30.01.2020
19:30 – 22:00

Veranstaltungsort
Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Kategorien


„Nacht und Nebel“ – Die Mörder sind unter uns oder: Der Film, mit dem alles anfing (1945-1956). Vortrag und Film mit Hannes Heer.

Das mehrfach preisgekrönte halbstündige Dokumentarstück „Nacht und Nebel“ war der erste Film über das KZ Auschwitz. Alain Resnais hatte die Reste 1955 vor Ort in Farbe gedreht und die Schwarz-Weiß-Dokumente aus Archiven eingefügt. Aus diesem Material rekonstruierte er den Planeten Auschwitz mit seinen individuellen Toden und dem Massenmord im Gas, die Filiale von Krupp, Siemens, IG Farben zur industriellen Verwertung der Häftlinge und die Leichengebirge mit den letzten Sterbenden bei der Befreiung. Am Ende der Reise und zurück in der Gegenwart blieb eine Frage: „Ich bin nicht schuld, sagt der Kapo. Ich bin nicht schuld, sagt der Offizier. Ich bin nicht schuld. Wer also ist schuld?“

Der Film gab keine Antwort, weil 1945 alle die Antwort wussten und schwiegen. Aber 10 Jahre später erinnerte Resnais daran, dass die BRD aus dem Schweigen eine lautstarke Rehabilitierung und Amnestierung der Nazi-Eliten gemacht hatte. Weil Nacht und Nebel dieses Konstrukt radikal in Frage stellte, ließ die Bundesregierung den für die Festspiele in Cannes nominierten Film der „deutsch-französischen Aussöhnung“ zuliebe im April 1956 aus dem Programm streichen. Aber anders als früher gab es diesmal einen internationalen Skandal, Proteste in Westdeutschland und die Aufführung des Films bei der Berlinale. Die Regierung ging in die Vorwärtsverteidigung: Der Film konnte ab Januar 1957 nur für nichtkommerzielle Zwecke von Vereinen, Institutionen und Schulen angefordert werden. Trotz dieser Zensur wurde Nacht und Nebel ein „Wendepunkt“ der Erinnerungspolitik und für 17/18jährige Jugendliche „zur ersten Konfrontation mit den Verbrechen“ des Dritten Reiches (Habbo Knoch).

Der Dokumentarfilmer und Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille Hannes Heer hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte von Antisemitismus, Nationalsozialismus, Kriegs- und Nachkriegserinnerung verfasst.

Veranstalter: seemoz e.V., Heinrich-Böll Stiftung, Volkshochschule Landkreis Konstanz e.V., Initiative Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz. Der Eintritt ist frei.

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