Mit dem Elektroauto in die nächste Sackgasse

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Datum/Zeit
Date(s) – 28.10.2019
19:30 – 22:00

Veranstaltungsort
Kulturzentrum am Münster, Wolkensteinsaal

Kategorien


Warum die Elektromobilität den Klimawandel beschleunigt

Veranstaltung mit Winfried Wolf

Seit 50 Jahren behauptet die Autoindustrie, es gäbe eine innere Reform der Autogesellschaft: mit Katalysator, mit spritsparenden Autos („Swatch-Car“), mit „Biosprit“. Jetzt also das Elektroauto.

Dabei ist die CO-2-Bilanz eines E-Autos über seinen Lebenszyklus hinweg kaum besser als die eines Autos mit (sparsamem) Verbrenner-Motor. Und es gibt neue Probleme: E-Autos sind meist Stadtautos und dabei Zweitwagen. Pro Lithium-Batterie werden gewaltige Mengen Wasser verbraucht. Kobalt ist knapp und mit Kinderarbeit verbunden. Die Entsorgung der Batterien ist völlig ungeklärt. Eine flächendeckende Ladestruktur würde viele Milliarden Euro kosten. Der Flächenverbrauch eines E-Pkw ist ebenso stadtzerstörerisch wie der eines herkömmlichen Pkw. Vor allem wird beim E-Pkw die Problematik „peak oil“ ergänzt um die Problematiken mit anderen knappen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und Kupfer.

Wolf sieht in den Elektro-Autos eine neue Sackgasse. Er analysiert die Euphorie für Elektromobilität auch als logische Folge der aktuellen Konkurrenz in der Weltautobranche: Die aufsteigenden chinesischen Autokonzerne wollen damit an die Weltspitze rollen (und für die Deckung des Strombedarfs mehr als 30 neue AKW bauen!). Die westlichen Autokonzerne sind vom chinesischen Markt abhängig.

Der Referent entwickelt die Konzeption einer alternativen Verkehrsorganisation. In dieser stehen der nichtmotorisierte Verkehr (zu Fuß Gehen, Fahrrad fahren), Tram, S-Bahn und die Bahn im Zentrum. Wolf widerlegt dabei die klassischen drei Totschlagargumente: Diese Alternative ist erstens finanzierbar (und kostet wesentlich weniger als eine gesteigerte Autogesellschaft). Sie schafft zweitens Millionen neue, gesellschaftlich sinnvolle Arbeitsplätze. Dafür lassen sich drittens Mehrheiten finden. Richtig ist – und das schrieb der Referent lange bevor der Juso-Vorsitzende Kühnert Vergleichbares in die Debatte einbrachte: Die Macht der Autokonzerne ist so groß und die zerstörerische Dynamik, der sie folgen, so mächtig, dass eine Vergesellschaftung der Autoindustrie auf der Tagesordnung steht.

Nicht vergessen: Es geht immerhin um die Zukunft des Planeten. ALL days for future“ oder auch: DGB – Die Ganze Bäckerei steht auf der Tagesordnung!

Winfried Wolf ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac, Chefredakteur von Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie. Wolf ist aktiv bei Bahn für Alle und in der Bewegung gegen Stuttgart 21. Er veröffentliche im März 2019 „Mit dem Elektroauto in die Sackgasse. Warum die Elektromobilität den Klimawandel beschleunigt“ (Wien 2019; Promedia; 220 Seiten). Im Oktober erscheint: Bernhard Knierim/Winfried Wolf, Abgefahren. Warum wir eine neue Bahnpolitik brauchen, (PapyRossa, 240 Seiten).

Veranstalter: seemoz e.V. und vhs Landkreis Konstanz e.V.

2 Kommentare

  1. Helmut Reinhardt um ·

    Auch wenn es schon bekannt ist, eine Wiedergabe kann
    in diesem Fall nicht schaden:
    „Damit stiegen die Emissionen der SUV, stärker als die der Schwerindustrie, aber auch die der Luftfahrt und des Schiffsverkehrs. Dabei wurden sämtliche Wirtschaftsbereiche, die Energie verbrauchen, mit einbezogen, durch Landnutzung freigesetztes CO2 ist jedoch nicht Teil dieser Berechnungen. Besonders gravierend ist der Anstieg der CO2-Emissionen jedoch im Vergleich mit den übrigen Verbrenner-Pkw. Deren Anzahl stieg von 2010 bis 2018 nach IEA-Angaben zwar von 822 Millionen auf 952 Millionen, durch effizientere Motoren sparten sie seit 2010 jedoch zwei Millionen Barrel Öl ein – jeden Tag….
    Der IEA zufolge liegt der Energieverbrauch eines SUV rund 25 Prozent über dem eines mittelgroßen Pkw, was sie auch langfristig zum Hindernis bei der Reduktion der CO2-Emissionen machen könnte. Denn falls der Trend zum Pseudogeländewagen so weitergehe, würde er nach IEA-Angaben nicht nur den globalen Ölbedarf bis 2040 um rund zwei Millionen Barrel am Tag steigern – er würde auch die CO2-Einsparungen durch rund 150 Millionen Elektroautos wirkungslos machen.
    https://www.spiegel.de/auto/aktuell/co2-suv-haben-zweitgroessten-anteil-am-weltweiten-anstieg-a-1291825.html

  2. Georg Lind um ·

    Es wird höchste Zeit, dass die Fördermittel in die Wasserstoff- und andere Technologien gesteckt werden, statt in die E-Mobilität. Wir haben in der Politik ein echtes Kurzsichtigkeitsproblem. Warum gehen nicht mehr Weitsichtige in die Politik? Warum glaubt das Publikum alles unbesehen? Das hat mit unserem Wahl- und Bildungssystem zu tun.

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