Es liegt was in der Luft (24)

aus: Nebelhorn Nr. 46, März 1985, von Jochen Kelter

Es liegt was in der Luft am Ende dieses kalten Winters. Ein ganz besonderer Duft. Nicht der von verbrannten Fastnachtswürsten. Eher wie von faulen Eiern. Es riecht nach Kapitulation. Der 8. Mai rückt näher. Der 40. Jahrestag. Und der Franz prophezeit schlechtes Wetter. Beckenbauer? Kenn‘ ich nicht. Nein, Franz. Franz Oexle. Schon am 2. Februar hat er seine Prognose geliefert: „Das Ende des Zweiten Weltkriegs wirft lange Schatten“. …weiterlesen »

Essen für den Hunger (23)

aus: Nebelhorn Nr. 45, Februar 1985, von Jochen Kelter

Diesmal wurde nicht für den Frieden gefastet, diesmal wurde für den Hunger gegessen. Die Kirchenglocken läuteten dazu, und alle, alle gaben ihr Scherflein. Es gab sowieso kein unerkanntes Durchkommen zwischen den Spendenbüchsen und ein großes Gerangel zwischen Caritas, Rotem Kreuz, Diakonischem Werk und all den vielen anderen selbstlosen Hilfsorganisationen. 23. Januar: „Ein Tag für Afrika“. Wie weiland in der Schule als vorn auf dem Lehrerpult der Mohr brav mit dem Kopf nickte, …weiterlesen »

1984 wartet schon (22)

aus: Nebelhorn Nr. 44, Januar 1985, von Jochen Kelter

Zwischen 15 und 20 Pfennige dürfte eine Druckzeile im „Südkurier“ ihrem Verfasser eintragen, wenn dieser nicht bestallter Redakteur, sondern freier Mitarbeiter ist. Da muß sich auch Thilo Koch, abgehalfteter TV-Star, Altmeister der journalistischen Imitation und seit Jahr und Tag Gastkommentator im „Südkurier“, ranhalten, will er sich die Butter aufs Brot verdienen. …weiterlesen »

Barzel und das Semikolon (21)

aus: Nebelhorn Nr. 21, Dezember 1984, von Jochen Kelter

„Südkurier“-Chefredakteur Franz Oexle singt im Männerchor. Im einstimmigen. Er hat den Part eines Refrain-Wiederholers übernommen. Aber so richtig sitzt die Rolle noch nicht. Schauen wir uns seinen Text an. Der steht am 26. Oktober auf der Titelseite und geht so: …weiterlesen »

Prost Bundeswehr! (20)

aus: Nebelhorn Nr. 42, November 1984, von Jochen Kelter

H. Willauer wird im Impressum des „Südkurier“ mit der in Klammern gesetzten Bemerkung „Seite 3“ geführt. Sie wissen schon, dieser Bauchladen aus Politik und Gesellschaft, das  Meldungs- und Meinungsgrab im „Südkurier“, das Kurzwarenschaufenster aus zusammengeleimten Agenturberichten. Da ich bei meiner Lektüre selten bis auf Seite 3 vorstoße, kannte ich H. Willauer bislang nicht. …weiterlesen »

Deutschland erwache! (19)

aus: Nebelhorn Nr. 41, Oktober 1984, von Jochen Kelter

Um Deutschland ist es schlimm bestellt. Und immer, wenn es um Deutschland schlimm bestellt ist, also fast immer, finden sich Männer, die Deutschland vor dem Bösen bewahren wollen. Und da solche Männer in Deutschland nachwachsen wie die Pilze im Regen, wird Deutschland dauernd wachgerüttelt. Ganze Männerchöre sind damit beschäftigt, die wahren Schuldigen und die Drahtzieher auszurufen. Und da entschlüpft so einem welschen Teufel das böse Wort vom ‚Pangermanismus‘. Da sieht man’s. Deutschland ist umzingelt. …weiterlesen »

Olympischer Dreisprung (18)

aus: Nebelhorn Nr. 40, September 1984, von Jochen Kelter

Der heimische „Südkurier“ liegt unter den deutschen Zeitungen keineswegs abgeschlagen auf den hintersten Plätzen. Wer’s trotzdem nicht glaubt, werfe einen Blick in die „Welt am Sonntag“. Das steht unter dem Datum vom 5. August zu lesen:

„Keine Tugend der freien Welt, die auf den Wettkampfstätten von Los Angeles nicht Gestalt angenommen hätte: Patriotismus und Individualismus, Fairneß und Spontaneität, Einfallsreichtum, Risikobereitschaft und Wohlstand, Freude am Spiel und Spaß an der Leistung.“ …weiterlesen »

Eine Briefmarke für Winfried ( 17)

aus: Nebelhorn Nr. 39, Juli 1984, von Jochen Kelter

Franz Oexle, Verfasser grundlegender Bücher (‚Die Inseln im See‘) und nach wie vor, jawohl, Chefredakteur des „Südkurier“ in Konstanz, ist kein Wirtschaftsfachmann. Eher so eine Art Generalist, wie sie neuerdings überhaupt in Mode kommen. Zwischen einem Mittagstisch beim Mainau-Grafen und einem Arbeitsessen beim Bürgermeister der Reichenau ringt er den Streiks bei Druck und Metall1, wie es so seine Art ist, letzte Fragen und Einsichten ab. „Gewiss gab es hierzulande auch Ungerechtigkeiten. Wo gibt es sie nicht?“ Nicht? Ein bißchen in den Reden des Heiligen Vaters geblättert, und schon weiß man doch, wo’s in der Volkswirtschaft langgeht. …weiterlesen »

Winfried Müller & Co. (16)

aus: Nebelhorn Nr. 38, Juni 1984, von Jochen Kelter

Wer bitte ist Winfried Müller? Ein Segen, daß es den „Südkurier“ gibt. Der nämlich hat immer eine Antwort parat. „Müller ist katholisch“, lesen wir in der Wochenendbeilage vom 19. Mai. Aber damit noch nicht genug: “ er stammt aus einer schlesischen Bauernfamilie, die es 1945 nach Bayern verschlagen hat.“ Und von dort – richtig geraten, zum „Südkurier“. „So hat er es zum Diplomvolkswirt gebracht“. So? Nein, nicht beim „Südkurier“. Beim Studium. Immerhin. Manch einem hat es ja schon die Sprache verschlagen. Indessen nicht allen. …weiterlesen »

Der Berg ruft – die Maus kreist (15)

aus: Nebelhorn Nr. 36, April 1984, von Jochen Kelter

Franz Oexle war eine Weile auf Tauchstation, hat auch mal wieder sein Lieblingsferiengebiet Südostasien abgeklappert und bei der Gelegenheit gleich ein paar Reiseberichte verfertigt und sie obendrein noch ins Blatt setzen lassen. Aber nun ist er wieder voll da und auch schon zu Topfe gekommen. Hat sich flugs zurück auf die Sprossen im Glase des Frosches gesetzt und am 20. März „Das Wetterleuchten an der Isar“ ausgemacht, was sage ich, an der Isar – „vom Main bis zum Karwendel“. Hat’s zweispaltig auf der Titelseite verkündet, so wichtig war ihm die Illumination quer durch Deutschland, „von den Alpen bis zum Meer.“ …weiterlesen »

Die Angst des Lesers beim Aufschlagen der Zeitung (14)

aus: Nebelhorn Nr. 35, März 1984, von Jochen Kelter

Alle Jahre wieder: Fastnachtszeit, Narrenzeit. Nichts geht mehr. Die Welt läuft einem auseinander. Mann kann sich nur dreinfügen. Das mag sich auch Chefredakteur Franz Oexle gedacht haben, als er am 2. Februar auf der Titelseite des „Südkurier“ seufzte: „So einfach ist das also“. Die Affäre Kießling, in der sich Chefartikler Oexle bis ganz zuletzt bedeckt gehalten hatte, ist es, die ihm diesen Stoßseufzer über die Lippen treibt. Föhnsturm und Wintergewitter: Franz Oexle packt’s nach gutem alten Brauch in Wetterworte. Mit dem Wetter hat er’s als echter Sohn des launischen Sees schon immer gehabt. Er sieht das „Wetterleuchten“ „an der innenpolitischen Front“ und den Kanzler „in Schlechtwetterzonen geraten“. Dabei schießt er auch schon mal übers Ziel. „So einfach“ war das doch gar nicht. Im …weiterlesen »

In Schwulitäten (13)

aus: Nebelhorn Nr. 34, Januar 1984, von Jochen Kelter

Ist General Kießling schwul?1 Ist Verteidigungsminister Wörner (der Manfred der Bundeswehr) schwul? Oder NATO-Oberbefehlshaber Rogers? Oder wer ist denn nun eigentlich schwul, verdammt noch mal! Das Schmierenstück läuft seit Wochen, die Akteure schreien nach Aufklärung und lassen schön die Finger davon, und das geneigte Publikum verliert – das ist, so steht zu vermuten, Teil des Regieplans – allmählich die Übersicht. …weiterlesen »

Eiterbeulen und dunkle Wolkenwände (12)

aus: Nebelhorn, Extra-Ausgabe, Januar 1984, von Jochen Kelter

Franz Oexle, reaktiver Chefartikler des südwestlichsten Demokratie-Anzeigers, verfügt über eine empfindliche Nase und eine wetterfühlige Schreibe. Eine „Eiterbeule“ hat er am 30. November vergangenen Jahres gesichtet, am 1. Dezember „Gerüchlein“ gerochen, „unfeine politische“. Gewagt, gewagt, dieses zarte sprachliche Petting zweier sich völlig wesensfremder Adjektive. …weiterlesen »

Die Türken besetzen Berlin (11)

aus: Nebelhorn Nr. 32/33, Dezember 1983, von Jochen Kelter

„Die Aktionswoche der Friedensbewegung gegen die Nachrüstung endete weder im Chaos noch in der Bedeutungslosigkeit.“ Sondern im „Südkurier“. Da hatte Vizechef Appenzeller noch am 24. Oktober gut frohlocken und nahm auch gleich den drohenden Zeigefinger zur Hilfe: „Ob die Friedensbewegung auch eine friedliche Bewegung bleibt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.“ Andere zeigten’s schon gleichen Tags. Am 24. Oktober landeten die Amerikaner in Grenada und demonstrierten auf ihre Weise, was denn von so viel Friedfertigkeit zu halten sei. Aber beim „Südkurier“ in Konstanz hatte natürlich wieder niemand vorher angerufen. …weiterlesen »

Was für ein Stellvertreter! (10)

aus: Nebelhorn Nr. 30, November 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle läßt die Zügel schleifen. Erst hieß es, er mache Urlaub. Aber auch seither hat man von ihm nicht viel Wetterwendisches und Wolkenseliges gelesen. „Die Lehre aus dem Treffen der 7 000“ hat er am 1. Oktober getitelt. Aber ich kann mit Sicherheit nicht berichten, ob’s um eine Mitgliederversammlung des FC Konstanz ging. Irgendwo mittendrin hat mich der Schlaf übermannt. Das war’s aber auch fast schon. Plagt den Franz herbstlicher Trüb- oder philosophischer Tiefsinn? Das Zipperlein gar? Bereitet er sich versuchsweise aufs Altenteil vor? Jedenfalls wimmeln in letzter Zeit die jungen Springinsfelde über die Titelseiten des Leib- und Magenblatts. …weiterlesen »

Ein Bomben-Abschuß oder Volles Rohr nach Osten (9)

aus: Nebelhorn Nr. 29, Oktober 1983, von Jochen Kelter

Am 3. September mosert er auf der Frontseite des „Südkurier“ unter der Überschrift „Damals im September“ noch rum, der Franz Oexle. Damals vor 44 Jahren nämlich hatte der 2. Weltkrieg endgültig angefangen. „Den berufsmäßigen Vergangenheitsbewältigern sei ins Gedächtnis  gerufen: Die Mehrheit der Deutschen folgte Hitler im September nicht mit Begeisterung in das Abenteuer der Eroberungen.“ Übelgelaunt sind sie in Polen einmarschiert, mißmutig haben sie französische Dörfer zusammengeschossen und englische Städte bombardiert, mürrisch die Russen massakriert. Mein Gott, war das eine Scheißstimmung damals! …weiterlesen »

Sommertheater oder Warten auf Godot (8)

aus: Nebelhorn Nr. 28, September 1983, von Jochen Kelter

Das ist mal ein Sommer gewesen, nicht wahr? Der hat es in sich gehabt. Und ich spreche gar nicht nur allein vom Wetter. Franz Josef Strauß ist heimlich in die SPD eingetreten, François Mitterand in die Fußstapfen seiner Amtsvorgänger, und die Amerikaner haben – weniger heimlich –  mit ein paar neuen Kriegsvorbereitungen begonnen. Offene Worte sind jede Menge gefallen. Gerd Appenzeller hat im „Südkurier“ gemeint, Mittelamerika dürfe kein zweites Vietnam werden, ‚Frauen für den Frieden‘ haben aufgerufen, Bundeskanzler Kohl bei der Durchsetzung deutscher Friedensinteressen im Weißen Haus zu unterstützen, und die Amerikaner haben wiederum verlauten lassen, sie dächten gar nicht daran, Truppen in den Tschad-Krieg zu schicken, schließlich sei das eine französische Kolonie gewesen … …weiterlesen »