Macht Bruno Helmle zum Chefredakteur! (7)

aus: Nebelhorn Nr. 27, Juli 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle hat auch im Juni brav sein Zeilensoll eingefahren. Noch am 28. Mai hat er es mit sattsam bekannter Eloquenz nach der Devise ‚Haltet den Dieb‘ darauf abgesehen, unsere Aufmerksamkeit auf eine „verwirrte SPD“ abzulenken.  Als krähten ausgerechnet der im Moment die Hähne hinterdrein. Alter Schlaumeier! Wo einer Rauch macht, werden sich die Hälse schon hindrehen, wie? Am 11. Juni feiert er Maggie Thatchers Wahlsieg und findet, „Präsident Reagan kann mit dem britischen Wahlresultat zufrieden sein.“ Nun, dann also auch von dieser Stelle an die Kommandozentrale zur Amerikanisierung des Erdballs in Washington ein …weiterlesen »

Im Intercity mit Hitlers Tagebüchern in die Eiszeit (6)

aus: Nebelhorn Nr. 26, Juni 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle, immer noch Chefredakteur beim „Südkurier“, hat mich ganz schön enttäuscht. Bis Pfingsten kein Wort zur Gipfelstürmerei der Konjunktur, keine Zeile aus seiner Feder zum Aufschwung mit zwei Komma drei Millionen Arbeitslosen. Aber da ist ja auch sonst plötzlich so manche Feder ausgetrocknet. Zuerst haben sie ganze Schwalbenschwärme geortet, und nun soll sich’s auf einmal bloß um Fälschungen gehandelt haben. …weiterlesen »

Der gewendete Alltag (5)

aus: Nebelhorn Nr. 25, Mai 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle ist den Monat März fleißig gewesen, galt es doch, den ungepflügten Acker publizistisch zu düngen. Vor der Wahl und nach der Wahl hat er mächtig seinen Bleistift angehaucht und feste in die Tasten gegriffen. Und seine Anstrengungen sind ihm gelohnt worden: Die Saat ist aufgegangen, der Messias aus Ludwigshafen am Rhein wird vier Jahre Zeit haben, Wald und Flur zu wenden, daß das Unterste zuoberst kommt, wo’s nicht schon oben ist.

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Von Straßengabelungen, von diesem unserem Land, wie es aus Talkesseln steigt (4)

aus: Nebelhorn Nr. 24, April 1983, von Jochen Kelter

Dieser unser1 Winter hat es in sich gehabt. Schnee und Eis wechselten mit Föhn, Regen mit Eis. Dieser Winter war wahrhaft schicksalsschwanger. Die großen Ereignisse jagten sich wie am Himmel die Wolken. Zuerst feierte Franz Oexle seinen sechzigsten Geburtstag „bei guten Freunden“ in Asien, und als er zurückgejettet kam, stand – mit fünfzig Jahren Verspätung – der 30. Januar vor der Tür, ein Tag „zum Nachdenken“. Obgleich es einem schon in den Fingern kribbelte, denn der 6. März2 war nicht mehr weit, ein „Merkdatum in der Geschichte der Bundesrepublik“, wie Franz Oexle im „Südkurier“ vom 5. März wissen ließ. Heißen Dank, wir hätten’s wohl wieder nicht gemerkt.

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Von Wolken, Zimmerleuten und einer braunen Nacht (3)

aus: Nebelhorn Nr. 23, Februar 1983, von Jochen Kelter

Ich habe natürlich gehofft und, je näher das Datum rückte, fast sehnsüchtig den Tag erwartet. Und ich bin nicht enttäuscht worden: Pünktlich zum 30. Januar schoß Franz Oexles Feder aus dem Zeitungshimmel auf die Titelseite des „Südkurier“ nieder.

Da hat sie mächtig gekleckst und uns „Ein(en) Tag zum Nachdenken“ – so titelt Franz Oexle seinen Besinnungsaufsatz – beschert. Wie Buß- und Bettag oder der 3. Advent, gell? „Morgen jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem die Nacht der braunen Diktatur über das von Bismarck gezimmerte Deutsche Reich hereinbrach“.

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Ins wilde Absurdistan (2)

aus: Nebelhorn Nr. 22, Februar 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle macht weiter, ich auch. Vorher aber hat er sich zum Sechzigsten ein Buch mit Eigenem schenken lassen. Titel: „Wohin führt die Reise?“ (Ich fürchte, lieber Franz, die Frage ist gar nicht rhetorisch gemeint?) Der Verlag, dem er seit über zwanzig Jahren dient, wird ihm den Geburtstagswunsch gern erfüllt haben. Derweil der Jubilar „weit weg von Konstanz“ weilte, wie der „Südkurier“ am 10.12.82 zu berichten weiß, „bei guten Freunden in Südost-Asien“. Ich bin fast rot geworden, als ich’s gelesen habe. Er wird doch wohl nicht, Tripper-Clipper und so?

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Vom Stochern im See (1)

aus: Nebelhorn Nr. 21, Dezember 1982/Januar 1983, von Jochen Kelter

Chefredakteur Franz Oexle kommentiert aus dem Nebel

Wer, von Norden oder Süden kommend, des Weichbilds der Stadt Konstanz ansichtig wird, weiß sofort, daß hier ein mildgestimmter Schöpfer gekonnt am Werk gewesen sein muß. Die Sache hat indessen, wie anders nicht zu erwarten, einen Haken. Von Oktober bis März hüllt mitunter wochenlanger Nebel Stadt und See in ein barmherziges Vergessen, welcher Zustand bei allzulanger Dauer eine gewisse Apathie, Schwermut und Egozentrik bei den hiesigen Einwohnern zur Folge hat. In der Tat wird einem, wo man die Hand kaum vor Augen sieht, allmählich gleichgültig, ob Amerika weiter entfernt ist oder Singen am Hohentwiel. …weiterlesen »

Finstere Wolken nach wie vor

Es gab keinen konkreten Anlass, soweit ich mich erinnern kann, für die erste Kolumne, die ich im Dezember 1982 für das Konstanzer Monatsmagazin Nebelhorn unter dem Pseudonym Sunny schrieb. Fortan verfasste ich bis zum März 1986 jeden Monat eine solche Kolumne, die häufig die Leitartikel des Südkurier-Chefredakteurs Franz Oexle, aber auch anderer „Großmeister des Sprechblasenspätbarock“ aufs Korn nahmen. …weiterlesen »

Finstere Wolken, Vaterland – die deutsche Provinzpresse greift ein

Der Leitartikel, sagt Brockhaus, bildete in der frühliberalen Epoche des Journalismus den „publizistischen Kern der Zeitung“; heute noch behandle er „tagesaktuelle oder allgemeine Probleme des öffentlichen Lebens mit meinungsbildender Absicht“. Der Leitartikel steht für den Gehalt einer Zeitung, für ihr Niveau, für ihre politische Ausrichtung.

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Sichere Arbeitsplätze – gestern und heute

Seit letzter Woche schöpfen die 750 Siemens-Beschäftigten wieder Mut: Der Betrieb in der Bücklestraße wird weiter geführt, die Hoffnung auf sichere Arbeitsplätze steigt. Das war schon häufig in Konstanz so, wie ein „Nebelhorn“-Artikel aus dem Jahre 1984 zeigt. Damals ging es um Arbeitsplätze bei Stromeyer – und das ging letztlich schlecht aus, wie wir heute wissen. Haben wir aus dieser Geschichte etwas gelernt?  …weiterlesen »

Allen wohl und niemand wehe – Bürgers Fastnacht

1985 und heute – was hat sich an der Fastnacht verändert? Wohl wenig, wenn man dem „Nebelhorn“ von vor fast 30 Jahren glauben mag. Immer noch die sexistischen Witze, immer noch die spießigen Anspielungen. Man greift zurück auf die spektakulären Ereignisse in der Stadt und verarscht die Beteiligten. Tut man das? Deckt man Skandale auf? Hält man den Inkompetenten, den Pfuschern, den Fehlgeleiteten einen (Narren-) Spiegel vor? Übt man Kritik an den Verhältnissen? Mitnichten  …weiterlesen »

Konstanz und seine Flüchtlinge

noch vor Weihnachten sollen 130 Flüchtlinge Unterkunft in der Luisenstraße finden - Foto: © Wolfram Mikuteit

Blick zurück im Zorn: Was Pit Wuhrer 1985 im „Nebelhorn“ beschrieb, spielt sich heute nicht so krass, doch tendenziell unverändert in Konstanz ab: Diskriminierung von Flüchtlingen – mit Gutscheinen abgespeist, vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, in Unterkünften kaserniert. Am Montag, 16.12., 16 Uhr, werden darum die Anliegen der Flüchtlinge in die Kreistagssitzung getragen. Ab 18 Uhr gibt es zudem eine Kundgebung am Konstanzer Obermarkt

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Antifaschistische Grenzgänge

Grafik - Archiv NebelhornVor über einer Woche wurde für Ernst Bärtschi in Kreuzlingen ein ‚Stolperstein‘ verlegt – erstmals in der Schweiz. Mehrfach hat seemoz über diesen mutigen Mann, den Schweizer Fluchthelfer, und seine Geschichte berichtet. Und erst dann fiel uns auf und ein, dass im „Nebelhorn“ schon 1983 ein lesenswerter Artikel – vier Wochen vor Bärtschis Tod – zu lesen war. Stefan Keller, heute angesehener Journalist in der Schweiz und Programmleiter des literarischen Bodmanhauses in Gottlieben, war vor 30 Jahren der Autor – die aktuellen Fotos machte Wolfram Mikuteit

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Georg Schramm mal wieder in Konstanz – und ausverkauft!

Diese „Nebelhorn“-Überschrift aus dem Jahre 1986 kann so auch auf seemoz 2013 erscheinen. Denn Georg Schramm, der Ausnahme-Kabarettist mit Konstanzer Wurzeln, kommt auf seiner Abschiedstournee 2013 auch in die Region: 24. Juli in Lindau, 25.7. in Konstanz, 26. Juli in Friedrichshafen. Alle Auftritte aber sind bereits ausverkauft. Letzte Chance, Schramm noch einmal live in der Region zu erleben, ist am 4./5. Dezember im schönen Casinotheater in Winterthur. Und da gibt es sogar noch Karten  …weiterlesen »

High-Tech-Landschaft Bodensee. Der Boom ist vorbei

Aus AEG ist längst Siemens geworden, das auch schon zum Verkauf steht; Byk-Gulden gibt es nicht mehr und seine Nachfolger auch nicht; die EG heißt jetzt EU und Ministerpräsident Späth ist längst Geschichte. Aber ansonsten hätte der „Nebelhorn“-Artikel von Pit Wuhrer aus dem Jahre 1988 auch heutzutage geschrieben werden können. Denn Einschätzungen und Hoffnungen, Themen und Probleme sind immer noch die selben. Oder: Haben wir denn gar nichts gelernt?  …weiterlesen »

Schon immer fragwürdig: Kirchenmänner und ihre Immobilien

Dass Kirchenmänner schon immer ein eigenes Verhältnis zu „ihren“ Immobilien pflegten, lehrt die Geschichte – Klosterareale überlebten die Säkularisierung, Klostergärten werden noch heute abgeschottet, Miethäuser lässt man verrotten. Dass auch Seeufer-Grundstücke gekrallt wurden, um sie vor dem schnöden Pöbel zu schützen, belegt unter anderem dieser Bericht aus dem „Nebelhorn“ vor 30 Jahren über das Verbot der Naturfreunde …weiterlesen »

Glückwunsch an die „Schwarze Geiss“

Erste gute Botschaft: Vor wenigen Tagen, konkret am 18.3., feierte der kreative Konstanzer Buchladen „Schwarze Geiss“ sein 36jähriges Bestehen. Zweite gute Botschaft: Ari, einer von zwei Geschäftsführern, ist auf dem Weg der Besserung und hilft mit wertvollen Lesetipps schon wieder im Laden aus. Dritte gute Botschaft: Hier gibt’s den Artikel aus den „Seeblättern“ von 1977 zur Eröffnung des einzig wahren, manchmal linken, aber immer widerborstigen Buchladens in Konstanz …weiterlesen »