Winfried Müller & Co. (16)

aus: Nebelhorn Nr. 38, Juni 1984, von Jochen Kelter

Wer bitte ist Winfried Müller? Ein Segen, daß es den „Südkurier“ gibt. Der nämlich hat immer eine Antwort parat. „Müller ist katholisch“, lesen wir in der Wochenendbeilage vom 19. Mai. Aber damit noch nicht genug: “ er stammt aus einer schlesischen Bauernfamilie, die es 1945 nach Bayern verschlagen hat.“ Und von dort – richtig geraten, zum „Südkurier“. „So hat er es zum Diplomvolkswirt gebracht“. So? Nein, nicht beim „Südkurier“. Beim Studium. Immerhin. Manch einem hat es ja schon die Sprache verschlagen. Indessen nicht allen. …weiterlesen »

Der Berg ruft – die Maus kreist (15)

aus: Nebelhorn Nr. 36, April 1984, von Jochen Kelter

Franz Oexle war eine Weile auf Tauchstation, hat auch mal wieder sein Lieblingsferiengebiet Südostasien abgeklappert und bei der Gelegenheit gleich ein paar Reiseberichte verfertigt und sie obendrein noch ins Blatt setzen lassen. Aber nun ist er wieder voll da und auch schon zu Topfe gekommen. Hat sich flugs zurück auf die Sprossen im Glase des Frosches gesetzt und am 20. März „Das Wetterleuchten an der Isar“ ausgemacht, was sage ich, an der Isar – „vom Main bis zum Karwendel“. Hat’s zweispaltig auf der Titelseite verkündet, so wichtig war ihm die Illumination quer durch Deutschland, „von den Alpen bis zum Meer.“ …weiterlesen »

Die Angst des Lesers beim Aufschlagen der Zeitung (14)

aus: Nebelhorn Nr. 35, März 1984, von Jochen Kelter

Alle Jahre wieder: Fastnachtszeit, Narrenzeit. Nichts geht mehr. Die Welt läuft einem auseinander. Mann kann sich nur dreinfügen. Das mag sich auch Chefredakteur Franz Oexle gedacht haben, als er am 2. Februar auf der Titelseite des „Südkurier“ seufzte: „So einfach ist das also“. Die Affäre Kießling, in der sich Chefartikler Oexle bis ganz zuletzt bedeckt gehalten hatte, ist es, die ihm diesen Stoßseufzer über die Lippen treibt. Föhnsturm und Wintergewitter: Franz Oexle packt’s nach gutem alten Brauch in Wetterworte. Mit dem Wetter hat er’s als echter Sohn des launischen Sees schon immer gehabt. Er sieht das „Wetterleuchten“ „an der innenpolitischen Front“ und den Kanzler „in Schlechtwetterzonen geraten“. Dabei schießt er auch schon mal übers Ziel. „So einfach“ war das doch gar nicht. Im …weiterlesen »

In Schwulitäten (13)

aus: Nebelhorn Nr. 34, Januar 1984, von Jochen Kelter

Ist General Kießling schwul?1 Ist Verteidigungsminister Wörner (der Manfred der Bundeswehr) schwul? Oder NATO-Oberbefehlshaber Rogers? Oder wer ist denn nun eigentlich schwul, verdammt noch mal! Das Schmierenstück läuft seit Wochen, die Akteure schreien nach Aufklärung und lassen schön die Finger davon, und das geneigte Publikum verliert – das ist, so steht zu vermuten, Teil des Regieplans – allmählich die Übersicht. …weiterlesen »

Eiterbeulen und dunkle Wolkenwände (12)

aus: Nebelhorn, Extra-Ausgabe, Januar 1984, von Jochen Kelter

Franz Oexle, reaktiver Chefartikler des südwestlichsten Demokratie-Anzeigers, verfügt über eine empfindliche Nase und eine wetterfühlige Schreibe. Eine „Eiterbeule“ hat er am 30. November vergangenen Jahres gesichtet, am 1. Dezember „Gerüchlein“ gerochen, „unfeine politische“. Gewagt, gewagt, dieses zarte sprachliche Petting zweier sich völlig wesensfremder Adjektive. …weiterlesen »

Die Türken besetzen Berlin (11)

aus: Nebelhorn Nr. 32/33, Dezember 1983, von Jochen Kelter

„Die Aktionswoche der Friedensbewegung gegen die Nachrüstung endete weder im Chaos noch in der Bedeutungslosigkeit.“ Sondern im „Südkurier“. Da hatte Vizechef Appenzeller noch am 24. Oktober gut frohlocken und nahm auch gleich den drohenden Zeigefinger zur Hilfe: „Ob die Friedensbewegung auch eine friedliche Bewegung bleibt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.“ Andere zeigten’s schon gleichen Tags. Am 24. Oktober landeten die Amerikaner in Grenada und demonstrierten auf ihre Weise, was denn von so viel Friedfertigkeit zu halten sei. Aber beim „Südkurier“ in Konstanz hatte natürlich wieder niemand vorher angerufen. …weiterlesen »

Was für ein Stellvertreter! (10)

aus: Nebelhorn Nr. 30, November 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle läßt die Zügel schleifen. Erst hieß es, er mache Urlaub. Aber auch seither hat man von ihm nicht viel Wetterwendisches und Wolkenseliges gelesen. „Die Lehre aus dem Treffen der 7 000“ hat er am 1. Oktober getitelt. Aber ich kann mit Sicherheit nicht berichten, ob’s um eine Mitgliederversammlung des FC Konstanz ging. Irgendwo mittendrin hat mich der Schlaf übermannt. Das war’s aber auch fast schon. Plagt den Franz herbstlicher Trüb- oder philosophischer Tiefsinn? Das Zipperlein gar? Bereitet er sich versuchsweise aufs Altenteil vor? Jedenfalls wimmeln in letzter Zeit die jungen Springinsfelde über die Titelseiten des Leib- und Magenblatts. …weiterlesen »

Ein Bomben-Abschuß oder Volles Rohr nach Osten (9)

aus: Nebelhorn Nr. 29, Oktober 1983, von Jochen Kelter

Am 3. September mosert er auf der Frontseite des „Südkurier“ unter der Überschrift „Damals im September“ noch rum, der Franz Oexle. Damals vor 44 Jahren nämlich hatte der 2. Weltkrieg endgültig angefangen. „Den berufsmäßigen Vergangenheitsbewältigern sei ins Gedächtnis  gerufen: Die Mehrheit der Deutschen folgte Hitler im September nicht mit Begeisterung in das Abenteuer der Eroberungen.“ Übelgelaunt sind sie in Polen einmarschiert, mißmutig haben sie französische Dörfer zusammengeschossen und englische Städte bombardiert, mürrisch die Russen massakriert. Mein Gott, war das eine Scheißstimmung damals! …weiterlesen »

Sommertheater oder Warten auf Godot (8)

aus: Nebelhorn Nr. 28, September 1983, von Jochen Kelter

Das ist mal ein Sommer gewesen, nicht wahr? Der hat es in sich gehabt. Und ich spreche gar nicht nur allein vom Wetter. Franz Josef Strauß ist heimlich in die SPD eingetreten, François Mitterand in die Fußstapfen seiner Amtsvorgänger, und die Amerikaner haben – weniger heimlich –  mit ein paar neuen Kriegsvorbereitungen begonnen. Offene Worte sind jede Menge gefallen. Gerd Appenzeller hat im „Südkurier“ gemeint, Mittelamerika dürfe kein zweites Vietnam werden, ‚Frauen für den Frieden‘ haben aufgerufen, Bundeskanzler Kohl bei der Durchsetzung deutscher Friedensinteressen im Weißen Haus zu unterstützen, und die Amerikaner haben wiederum verlauten lassen, sie dächten gar nicht daran, Truppen in den Tschad-Krieg zu schicken, schließlich sei das eine französische Kolonie gewesen … …weiterlesen »

Macht Bruno Helmle zum Chefredakteur! (7)

aus: Nebelhorn Nr. 27, Juli 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle hat auch im Juni brav sein Zeilensoll eingefahren. Noch am 28. Mai hat er es mit sattsam bekannter Eloquenz nach der Devise ‚Haltet den Dieb‘ darauf abgesehen, unsere Aufmerksamkeit auf eine „verwirrte SPD“ abzulenken.  Als krähten ausgerechnet der im Moment die Hähne hinterdrein. Alter Schlaumeier! Wo einer Rauch macht, werden sich die Hälse schon hindrehen, wie? Am 11. Juni feiert er Maggie Thatchers Wahlsieg und findet, „Präsident Reagan kann mit dem britischen Wahlresultat zufrieden sein.“ Nun, dann also auch von dieser Stelle an die Kommandozentrale zur Amerikanisierung des Erdballs in Washington ein …weiterlesen »

Im Intercity mit Hitlers Tagebüchern in die Eiszeit (6)

aus: Nebelhorn Nr. 26, Juni 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle, immer noch Chefredakteur beim „Südkurier“, hat mich ganz schön enttäuscht. Bis Pfingsten kein Wort zur Gipfelstürmerei der Konjunktur, keine Zeile aus seiner Feder zum Aufschwung mit zwei Komma drei Millionen Arbeitslosen. Aber da ist ja auch sonst plötzlich so manche Feder ausgetrocknet. Zuerst haben sie ganze Schwalbenschwärme geortet, und nun soll sich’s auf einmal bloß um Fälschungen gehandelt haben. …weiterlesen »

Der gewendete Alltag (5)

aus: Nebelhorn Nr. 25, Mai 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle ist den Monat März fleißig gewesen, galt es doch, den ungepflügten Acker publizistisch zu düngen. Vor der Wahl und nach der Wahl hat er mächtig seinen Bleistift angehaucht und feste in die Tasten gegriffen. Und seine Anstrengungen sind ihm gelohnt worden: Die Saat ist aufgegangen, der Messias aus Ludwigshafen am Rhein wird vier Jahre Zeit haben, Wald und Flur zu wenden, daß das Unterste zuoberst kommt, wo’s nicht schon oben ist.

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Von Straßengabelungen, von diesem unserem Land, wie es aus Talkesseln steigt (4)

aus: Nebelhorn Nr. 24, April 1983, von Jochen Kelter

Dieser unser1 Winter hat es in sich gehabt. Schnee und Eis wechselten mit Föhn, Regen mit Eis. Dieser Winter war wahrhaft schicksalsschwanger. Die großen Ereignisse jagten sich wie am Himmel die Wolken. Zuerst feierte Franz Oexle seinen sechzigsten Geburtstag „bei guten Freunden“ in Asien, und als er zurückgejettet kam, stand – mit fünfzig Jahren Verspätung – der 30. Januar vor der Tür, ein Tag „zum Nachdenken“. Obgleich es einem schon in den Fingern kribbelte, denn der 6. März2 war nicht mehr weit, ein „Merkdatum in der Geschichte der Bundesrepublik“, wie Franz Oexle im „Südkurier“ vom 5. März wissen ließ. Heißen Dank, wir hätten’s wohl wieder nicht gemerkt.

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Von Wolken, Zimmerleuten und einer braunen Nacht (3)

aus: Nebelhorn Nr. 23, Februar 1983, von Jochen Kelter

Ich habe natürlich gehofft und, je näher das Datum rückte, fast sehnsüchtig den Tag erwartet. Und ich bin nicht enttäuscht worden: Pünktlich zum 30. Januar schoß Franz Oexles Feder aus dem Zeitungshimmel auf die Titelseite des „Südkurier“ nieder.

Da hat sie mächtig gekleckst und uns „Ein(en) Tag zum Nachdenken“ – so titelt Franz Oexle seinen Besinnungsaufsatz – beschert. Wie Buß- und Bettag oder der 3. Advent, gell? „Morgen jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem die Nacht der braunen Diktatur über das von Bismarck gezimmerte Deutsche Reich hereinbrach“.

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Ins wilde Absurdistan (2)

aus: Nebelhorn Nr. 22, Februar 1983, von Jochen Kelter

Franz Oexle macht weiter, ich auch. Vorher aber hat er sich zum Sechzigsten ein Buch mit Eigenem schenken lassen. Titel: „Wohin führt die Reise?“ (Ich fürchte, lieber Franz, die Frage ist gar nicht rhetorisch gemeint?) Der Verlag, dem er seit über zwanzig Jahren dient, wird ihm den Geburtstagswunsch gern erfüllt haben. Derweil der Jubilar „weit weg von Konstanz“ weilte, wie der „Südkurier“ am 10.12.82 zu berichten weiß, „bei guten Freunden in Südost-Asien“. Ich bin fast rot geworden, als ich’s gelesen habe. Er wird doch wohl nicht, Tripper-Clipper und so?

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Vom Stochern im See (1)

aus: Nebelhorn Nr. 21, Dezember 1982/Januar 1983, von Jochen Kelter

Chefredakteur Franz Oexle kommentiert aus dem Nebel

Wer, von Norden oder Süden kommend, des Weichbilds der Stadt Konstanz ansichtig wird, weiß sofort, daß hier ein mildgestimmter Schöpfer gekonnt am Werk gewesen sein muß. Die Sache hat indessen, wie anders nicht zu erwarten, einen Haken. Von Oktober bis März hüllt mitunter wochenlanger Nebel Stadt und See in ein barmherziges Vergessen, welcher Zustand bei allzulanger Dauer eine gewisse Apathie, Schwermut und Egozentrik bei den hiesigen Einwohnern zur Folge hat. In der Tat wird einem, wo man die Hand kaum vor Augen sieht, allmählich gleichgültig, ob Amerika weiter entfernt ist oder Singen am Hohentwiel. …weiterlesen »

Finstere Wolken nach wie vor

Es gab keinen konkreten Anlass, soweit ich mich erinnern kann, für die erste Kolumne, die ich im Dezember 1982 für das Konstanzer Monatsmagazin Nebelhorn unter dem Pseudonym Sunny schrieb. Fortan verfasste ich bis zum März 1986 jeden Monat eine solche Kolumne, die häufig die Leitartikel des Südkurier-Chefredakteurs Franz Oexle, aber auch anderer „Großmeister des Sprechblasenspätbarock“ aufs Korn nahmen. …weiterlesen »