Ein Mann von Geld

Geordnet sieht es aus in der Londoner Upperclass. Die Bühne ist symmetrisch. Rote Samthocker stehen links und rechts im Hintergrund und eine Bank vorne im Zentrum. Schwarze Styroporwände mit Türen und Durchgängen zu beiden Seiten laufen trichterförmig auf die Mitte der hinteren Bühnenhälfte zu. Dort befindet sich ein erleuchteter Rahmen – darin das einzige die Symmetrie störende Element: Ein Felsen, der zu einer Seite hin aufragt. Er steht sinnbildlich für Aufstieg und Fall, für die Basis des Erfolgs, aber auch die Luft, die oben immer dünner wird, und für ein Mega-Projekt: Den Hyper-Alpenkanal. Wen der Name dieses Projekts an die Machenschaften der Hypo Alpe Adria Bank erinnert, der hat zumindest einen von Elfriede Jelineks Verweisen auf die politischen Skandale der heutigen Zeit entdeckt. …weiterlesen »

Vinyl und Kunststoff

Plattencover … wer bei diesem Wort nicht verträumt an riesige Joints, Jimi Hendrix, die ersten Pickel, den letzten Sex und die zweite große Liebe denkt, hat schon früh etwas grundlegend falsch gemacht im Leben. Immerhin lässt sich diese Erinnerung jetzt in einer Ausstellung auffrischen. Außerdem gilt: Augen auf im Alltag, denn nur zu oft laufen wir achtlos an all den gut gemachten (oder zumindest gut gemeinten) Kunstwerken vorbei, die uns auch in Konstanz allüberall den Weg verstellen. …weiterlesen »

Leni … muss fort

Auch dies war ein nur allzu exemplarisches Leben in Deutschland: Gabriele Schwarz-Eckart, genannt „Leni“, wurde 1937 geboren und 1943 als Fünfjährige in Auschwitz ermordet. Sie galt als ein selten schönes, liebenswertes und begabtes Kind und wuchs bei Pflegeeltern in ländlicher Idylle auf. Doch die Nazimaschinerie funktionierte auch im hintersten Winkel Deutschlands höchst effektiv. Der Regisseur Leo Hiemer hat ihre Geschichte eindrucksvoll verfilmt, der Film läuft am 20.10. im Zebra-Kino. …weiterlesen »

Neoklassik und Jazz = Ziemlich romantisch

Jenseits von Pop, Rock und Jazz gibt es immer wieder ganz eigene Bands, die das Beste der verschiedenen Welten miteinander verbinden. Dazu zählt der schweizerische Drummer Dimitri Monstein mit seinem Ensemble, das jetzt mit seiner ungewöhnlichen Musik irgendwo zwischen Klassik, Pop und Jazz nach Konstanz ins K9 kommt. Charakteristisch für die eingängigen (und erfolgreichen) Instrumentalkompositionen ist unter anderem der Einsatz von Streichinstrumenten. Ein Abend auch für ErzromantikerInnen. …weiterlesen »

Tuttlinger Krähe geht an einen Berliner

Lennart Schilgen heißt der diesjährige Gewinner der „Tuttlinger Krähe“. Der Liedermacher und Musik-Kabarettist aus Berlin gewinnt den renommierten süddeutschen Kleinkunstpreis. Damit trägt er sich in die Liste namhafter „Krähe“-Gewinner ein, in der unter anderem bereits Sascha Grammel, Florian Schroeder, Lars Reichow, Heinrich del Core oder Suchtpotenzial stehen. Bemerkenswert auch die Solidarität unter den KünstlerInnen, die das Preisgeld unter allen Finalisten aufteilten. …weiterlesen »

Der Schriftsteller, das Chamäleon und das Berufsverbot (IV)

Jochen Kelter, im nahen Ermatingen lebender deutschstämmiger, aber längst mit ganzem Herzen eingeschweizerter Schriftsteller, zieht eine Zwischenbilanz seines Lebenspfades. Der letzte Teil unseres Gespräches dreht sich um deutsch-deutsche Befindlichkeiten, die Nationalcharaktere der schreibenden Zunft und warum es sich gelohnt hätte, als schwedischer Schriftsteller geboren worden zu sein. Aber auch die Schweiz ist kein ganz so schlechtes Pflaster für Schriftsteller, will es scheinen. …weiterlesen »

Der Schriftsteller, das Chamäleon und das Berufsverbot (III)

Jochen Kelter, im nahen Ermatingen lebender deutschstämmiger, aber längst mit ganzem Herzen eingeschweizerter Schriftsteller, zieht eine Zwischenbilanz seines Lebenspfades. Ein Geplauder über das Bahnhofsbüffet in Olten, wo sich Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt nie trafen, über Literaturzeitschriften in der Bodensee-Region und einen legendären schweizerischen Schriftstellerverein. Außerdem geht es um die lieben Kollegen – die, die Erfolg hatten, und die, die ihn verdient gehabt hätten. …weiterlesen »

Der Schriftsteller, das Chamäleon und das Berufsverbot (II)

Jochen Kelter, im nahen Ermatingen lebender deutschstämmiger, aber längst mit ganzem Herzen eingeschweizerter Schriftsteller, zieht eine Zwischenbilanz seines Lebenspfades. Heute geht es um das Handwerk eines Schriftstellers, seinen Broterwerb und die Rolle von Lektoren und Verlegern. Außerdem stellen wir die Gretchenfrage, wie sich der Buchmarkt in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Die Antwort überlesen Sie besser, wenn Sie diesen Tag eigentlich ohne Depression überstehen wollten. …weiterlesen »

Der Schriftsteller, das Chamäleon und das Berufsverbot (I)

Jochen Kelter, im nahen Ermatingen lebender deutschstämmiger, aber längst mit ganzem Herzen eingeschweizerter Schriftsteller, zieht eine Zwischenbilanz seines Lebenspfades. Ein Geplauder über Konstanz, wie es sich niemals sehen wollte, das Bespitzeltwerden beiderseits der Grenze sowie darüber, wie es sich mit einem Berufsverbot doch noch ganz auskömmlich leben lässt. War da nicht noch was? Doch! Um Literatur geht es – quasi ganz nebenbei – in den nächsten Tagen natürlich auch noch. …weiterlesen »

Der fremde Blick in Zeiten der Pandemie

Im Jahr 1721 veröffentlichte Baron de Montesquieu anonym den Briefroman Lettres persanes, in dem zwei Perser in den letzten Regierungsjahren Ludwig XIV. über Ghom, Smyrna und Livorno bis nach Paris reisen und ihren Korrespondenzpartnern daheim mit einer Mischung aus Staunen, Spott und Missbilligung die politischen, religiösen und kulturellen Verhältnisse in ihrem Gastland schildern. Auf diesen Spuren wandelt jetzt das Literarische Jahresheft Mauerläufer, das diesen fremden Blick riskiert. …weiterlesen »

Eine Ode an das Schlagzeug

Von den Konstanzer Partnerstädten bekommt man bis auf Schüleraustausche oder gegenseitige Delegationsbesuche als KonstanzerIn im alltäglichen Leben wenig bis gar nichts mit. An letztere erinnert man sich aufgrund bestimmter Unzulänglichkeiten eines gewissen Kulturbürgermeisters sogar eher leidlich negativ.  Welch‘ pralle Früchte ein interkultureller Austausch – auf der weniger institutionellen Ebene – tragen kann, zeigt nun der von Ingo Putz inszenierte Monolog für einen Spieler und zwei Schlagzeuge „Ein Leben in Takt“. …weiterlesen »

Der einsame Papst und sein Kampf um die Kirche

Marco Politi gilt als der einer der besten Vatikan-Kenner weltweit und berichtet seit Jahrzehnten über den Papst und die Kirche, nicht nur deutsche Tageszeitungen schätzen seine Insider-Kenntnisse. Der deutsch-italienische Journalist schreibt in seinem neuen Buch „Das Franziskus-Komplott“ über das Ringen um die Zukunft der Kirche – die Lage spitze sich zu und die Fronten sind verhärtet. Mittendrin in diesem Kampf: Papst Franziskus. …weiterlesen »

Filmfestival: Alles, nur nicht hetero

Im Frühjahr musste das Festival „Queergestreift“ im Zebra Kino aus bekannten Gründen abgebrochen werden; jetzt wird es unter zeitgemäßen Sicherheitsvorkehrungen fortgesetzt. Die Filmreihe ist eine der wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art in der Bodenseeregion und widmet sich Filmen, die sich außerhalb der Heterosexualität bewegen und ein Forum für alles bieten wollen, was nicht in das normative Bild der Gesellschaft passt. Ab dem 24. September gibt es rund ein Dutzend Streifen zu sehen. …weiterlesen »

Komprovisationen und Jazz

Beethoven kennen wir, der hat sich doch das Ohr abgesäbelt; Mozart, klar, göttliche Inspi­ra­tion und scharf wie Lumpi; Bach, logo, hat gesoffen, ist oft auf Briefmarken und gläubig wie sonst was („Gott erhalte Franz, den Kaiser“). Aber was lässt sich über improvisierte Musik schreiben? Versuchen wir’s. High Noon ver­bin­det am Sonntagmittag gewohnt experimentier­freudig Komposition und Improvisation, und Patrick Manzecchi spielt am Abend unter anderen mit Scott Hamilton gediegenen Jazz. …weiterlesen »

Lange Nacht der Literatur in Überlingen

Der nächste Aktionstag im Rahmen des Stadtjubiläums „1250 Jahre Überlingen“ widmet sich der hiesigen Literatur, von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Der Galopp durch die Epochen startet am 19. September um 16 Uhr im Pfarrsaal des katholischen Pfarrzentrums mit der Buchtaufe des umfangreichen Sammelbandes „Überlingen literarisch. Ein Spaziergang durch die Jahrhunderte“. …weiterlesen »

Kleinkunst ohne Kompromisse

Die Eule trägt man/frau nach Athen, die Elster neigt zum Diebstahl – und manche Menschen schaffen es an guten Tagen gar, den Vogel ab­zu­schießen. Die „Tuttlinger Krähe“ hingegen kotet und krächzt nicht, sondern ist ein ange­se­hener Kleinkunstpreis. Am 29. 9. startet die 20. Auf­lage, die eigentlich für den März geplant war, und es ist wieder mit zahl­losen erfreulichen Über­ra­schungen zu rechnen. Dieses Mal gibt es gleich zwei Spielstätten und daher am 4. Okto­ber auch zwei Preisverleihungen. …weiterlesen »

Melancholie, Wut, Bezauberung

Lyrik? Ja, es gibt sie immer noch – sogar hierzulande. Im ersten Programm des frisch geschlüpften Caracol Verlages der Autorinnen & Autoren ist etwa der Essayist, Prosaist und Lyriker Jochen Kelter, der seit annähernd 50 Jahren in Ermatingen lebt, mit seinem neusten Lyrikband vertreten. Literaturkritik? Ja, auch die gibt es noch, obwohl auch sie schwerstens vom Aussterben bedroht ist. Hier Hermann Kinders („Der Schleiftrog“, „Der Mensch, ich Arsch“) Gedanken zu Kelters Lyrik. …weiterlesen »