Europa – lahm aber sexy?

„Da läuft ein Schwein!“ beginnt die Inszenierung von „Die Hauptstadt“, die vergangenen Freitagabend im Stadttheater Premiere feierte. Der Brüsseler Holocaust-Überlebende David de Vriend (Peter Cieslinski), der für seinen letzten Lebensabschnitt seine Wohnung zugunsten eines Altersheims verlässt, sieht es als Erster durch die Straßen der belgischen Hauptstadt laufen. Doch es werden noch mehr Menschen werden, die das Schwein sehen, und deren Schicksale sich dank der Europäischen Union auf alltägliche Weise kreuzen. …weiterlesen »

Ambros im BoFo: „Hier drin ist das hoffnungslos …“

Vergangenen Samstag gastierte der österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros im Haus am Seerhein. Rund 400 Besucher lauschten dem Musiker, der seit rund 40 Jahren auf der Bühne steht und längst Kultstatus hat. Wolfgang Ambros lieferte nach Aussagen seiner Fans ein starkes Konzert ab, was er allerdings über den Auftrittsort zu sagen hatte, werden die BoFo-Macher inklusive Oberbürgermeister Uli Burchardt nicht gern gehört haben. …weiterlesen »

Arktisches Gekrächz und Walzerseligkeit

Britten und Schostakowitsch Seit‘ an Seit‘. Eine Sinfonie von Svendsen. Die Saison 2019–2020 der Südwestdeutschen Philharmonie trägt ganz die Handschrift des neuen Gespanns Insa Pijanka und Ari Rasilainen, die mit ihrer Mischung aus Bekanntem und Raritäten für Konstanz neue Akzente setzen. In den Orchesterkonzerten wird Mahler ebenso ausgiebig gehuldigt wie skandinavischen Komponisten. Außerdem im Programm: Weihnachtsmusik vom „Rat Pack“, Glamrock von „Queen“ und auch mal Walzerseligkeit satt. …weiterlesen »

Die hohe Kunst der Empathie

Na, würden Sie sagen, dass Sie sich in andere hineinversetzen oder gar Mitleid verspüren können? Dieser Frage versucht aktuell die Inszenierung Philip Stemanns von „Ich verschwinde“ aus der Feder des norwegischen Autors Arne Lygre auf der Werkstattbühne nachzugehen beziehungsweise jedem Einzelnen bei der Beantwortung zu helfen. Die Tatsache, dass das im Jahr 2011 uraufgeführte Werk bereits mit dem norwegischen Ibsenpreis ausgezeichnet wurde, lässt Großartiges erhoffen – ganz so spektakulär scheint es letztendlich doch nicht. Aber von vorne … …weiterlesen »

Von der SS nach Deutschland verschleppt

Licht in ein immer noch dunkles Stück deutscher Zeitgeschichte haben die Recherchen der Journalistin und Autorin Dorothee Schmitz-Köster gebracht. Die Konstanzer Stolperstein-Initiative hat sie nun anlässlich des Jahrestags der Befreiung vom Nazi-Faschismus zu einer Veranstaltung eingeladen. Es geht um tausendfachen Kinderraub, organisiert vom NS-Staat, begangen von der SS. …weiterlesen »

Portwein statt Proust

Am Sonntag ist es wieder so weit: Während andere sich Schlag 12 Uhr zu Tisch verfügen oder gar schon ihre Bäuerchen machen, bietet das nächste Konzert der Reihe „HighNoon“ herausfordernden Ohrenschmaus. Werke von KomponistInnen des 20. und 21. Jahrhunderts stehen auf dem abwechslungsreichen Programm, dargeboten vom Klavierduo Kristín Kristjánsdóttir und Annette Harzer. Wer also Übergewicht und Cholesterin fürchtet, findet hier ein ideales Gesundheitsprogramm: Hören statt Mittagessen. …weiterlesen »

Sebastião Salgado: respektvoller Chronist in Zürich

Wie kein anderer beherrscht Sebastião Salgado die Kunst der Schwarzweiß­fotografie, ohne dabei den Menschen die Würde zu nehmen. Dennoch wäre der Sozial- und Umweltaktivist in den Neunzigerjahren fast an seiner Spezies verzweifelt. Das Zürcher Museum für Gestaltung zeigt derzeit die Ausstellung „Genesis“, eine Fotoreportage, die dem heute 75-Jährigen die Seele rettete. …weiterlesen »

ALTER ! – Kunstaktion auf dem Areal Zoffingen

Am 3. und 4. Mai wird das Areal Zoffingen zur Open Air-Galerie. Die Kunstschule Konstanz und der Künstler Bert Binnig bespielen den Innenhof in der Niederburg und die Fassade zum Rhein mit temporären Installationen. Die Caritas Konstanz stellt das Gelände zur Verfügung. Schirmherr OB Uli Burchardt eröffnet die vom Kulturamt geförderte Kunst- und Mitmachaktion. Bei der Niederburg-Bürgerinitiative „Zukunft Zoffingen“, die Sturm läuft gegen die ihrer Überzeugung nach überdimensionierten Pflegeheim-Pläne der Caritas, dürfte das Event nicht eben Begeisterung auslösen. …weiterlesen »

Dadamm-dadamm-damm-dadamm

Karfreitag ist Bach-Zeit (zugegeben: Weihnachten auch, und die meisten anderen Tage im Jahreslauf nicht minder, außer wenn hitzefrei ist), und zu den allerhöchsten Karfreitagsfreuden gehört einfach die Johannes-Passion. Am Samstag nach Ostern geht es musikalisch hingegen wieder deutlich weltlicher zu, wenn im Konstanzer Konzil drei junge PianistInnen zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie einige Schlachtrösser der russischen Klaviermusik satteln: Prokofjew, Rachmaninow und Tschaikowski. …weiterlesen »

Zeugenschaft in chaotischer Zeit

Schon wieder Donald Trump? Ist über den US-Präsidenten nicht schon alles gesagt und geschrieben worden? Offenbar nicht. In seinem politischen Tagebuch über Trumps erste Amtsjahre („Abwendbarer Abstieg der Vereinigten Staaten“) analysiert der Autor und Literaturwissenschaftler Robert Cohen (Foto) die Politik im Weißen Haus und die wachsende Opposition. Zudem greift er weit zurück: Es habe schon viel früher begonnen, was mit Trumps Präsidentschaft einen Tiefpunkt erreichte. Andreas Simmen, früherer Programmleiter des Zürcher Rotpunktverlags, hat Cohens Buch gelesen. …weiterlesen »

„Alles ist wunderschön“ im Cabaret

Am Freitagabend feierte das Musical „Cabaret“ in der Inszenierung von Rosamund Gilmore und unter der musikalischen Leitung von Tobias Schwencke im Stadttheater Konstanz Premiere. Die Faszination für die ‚Goldenen 20er‘ ist spätestens seit Kinofilmen wie „The Great Gatsby“ und dem Erfolg der Krimi-Serie „Babylon Berlin“ größer denn je: Insbesondere junge Menschen besuchen Lindy-Hop-Kurse, Electro-Swing-Nächte und Great-Gatsby-Parties. Es ist laut, funkelnd, dekadent – und macht Spaß. Die Zwecksetzung scheint noch dieselbe wie vor fast hundert Jahren zu sein – eine nächtliche Realitätsflucht vor einem deprimierenden, dem Lohnerwerb unterworfenen Alltag und dem Gefühl der (vermeintlichen) politischen Machtlosigkeit. …weiterlesen »

Tuttlinger Krähe, zunehmend weiblich

So weit in den Norden ist die „Tuttlinger Krähe“ lange nicht mehr geflogen: 750 Kilometer reiste die Gewinnerin der „Tuttlinger Krähe 2019“, „die kleine Singer-Songwriterin mit Herz“ Miss Allie, in ihre Heimat Lüneburg. Mit im Gepäck auf der Heimfahrt nach Niedersachsen hat sie mit der Bronzeplastik des Tuttlinger Künstlers Roland Martin einen der wichtigsten deutschen Kleinkunstpreise. Und dazu einen Siegerscheck mit dem Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro. …weiterlesen »

Miteinander und dem Rücken zueinander

Am vergangenen Freitag hielt der Schriftsteller Jochen Kelter beim Bodenseetag der Städte und Gemeinden eine Rede über den Zustand der Region. An diesem Tag feierten BürgermeisterInnen und Stadtpräsidenten den zehnten Jahrestag des Internationalen Städtebunds Bodensee. Was die Verwal­tungs­chefs der Kommunen erfuhren (beispiels­weise über die hiesigen Medien), interessiert auch die Öffentlichkeit, dachten wir uns – und haben Jochen Kelter um die Rede gebeten. Hier ist sie. …weiterlesen »

1968: Blick zurück nach vorn

Mitte März fand in der Radolfzeller Stadt­bibliothek eine ganz besondere Lesung statt: Gretchen Dutschke, Jahrgang 1942, las aus ihrem Buch „1968 – Worauf wir stolz sein dürfen.“ Der Raum war mit 100 ZuhörerInnen gut gefüllt und erstaunlich viele zeit­histo­risch Interessierte lauschten der Ehefrau von Rudi Dutschke, dem Vordenker der deutschen Studentenrevolte, der im Dezember 1979 an den Spätfolgen des Attentats von 1968 gestorben war. Unsere Autorin hat sich anschließend mit Gretchen Dutschke unterhalten. …weiterlesen »

Blut am Hals der Katze

Die Stücke, die das Theater-Zeller-Kultur-Zentrum einmal im Jahr auf die Bühne bringt, sind in der Regel nicht von der leichten Sorte. Wenn ein Laientheater Werke von Autoren wie Ödön von Horvath, Pavel Kohout und Eugene Ionesco inszeniert, spricht das für einen gewissen Anspruch. Zurzeit probt die ambitionierte Truppe Rainer Werner Fassbinders „Blut am Hals der Katze“. Premiere ist am 11. April. …weiterlesen »

Musik aus einem Jahrhundert der Katastrophen

Das Cello ist ein Instrument von großer akustischer Durchsetzungskraft und daher immer wieder mit brillanten Solokonzerten bedacht worden. Zwei selten zu hörende Werke für Cello und Orchester wird am 6. April Matthew Brooke zusammen mit dem Concerto Konstanz spielen. Außerdem gibt es an diesem Abend unter der Leitung von Wolfgang Mettler Schostakowitschs gewaltige Kammersinfonie op. 110a zu erleben, ein in der DDR entstandenes, aufrührendes Werk, gewidmet den „Opfern von Faschismus und Krieg“. …weiterlesen »

Der Aufstand gegen die Nazigeneration

(red) Auf Einladung des Stadttheaters trägt heute Abend, 3.4., der Historiker Hannes Heer seine Gedanken zur Studentenbewegung vor. Der Theaterdramaturg, Filmregisseur und Historiker lässt ein komplexes Bild der Revolte von 1968 aufscheinen; er erzählt die Geschichte des SDS und analysiert dessen politische Vorstellungen, Wirken und Entwicklung und stellt das historische Erbe dieser Freiheitsbewegung zur Debatte. Die in Kooperation mit seemoz e.V., Rosa-Luxemburg-Stiftung, der VVN-BdA und der Friedensinitiative organisierte Veranstaltung in der Konstanzer Spiegelhalle beginnt um 20 Uhr.