Wahlen im Thurgau: Grün dominiert

Im Thurgau hat am Wochenende bei den Parlamentswahlen Grün gewonnen – egal welches. Die Grüne Partei hat gleich 6 Sitze gewonnen, die Grünliberalen 1, aber auch die SVP – die ebenfalls Grün als Parteifarbe führt – hat 2 Sitze zugelegt. Verloren haben vor allem die SP (-3 Sitze), sowie CVP und FDP (je -2) sowie die BDP (-3). 41 der 130 Gewählten sind weiblich.

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Mit diesem Ergebnis ändert sich an den Kräfteverhältnissen im Thurgauer Kantonalparlament – dem Grossen Rat – wenig: Zwar hat Links-Grün neu 29 statt wie bisher 26 Sitze, aber gegen 46 (bisher:44) Sitze der SVP, samt 5 der EDU (Eidg. Demokratische Union) sowie die insgesamt 50 Sitze von FDP, CVP, EVP und Grünliberalen, stehen sie weiterhin auf verlorenem Posten. Anders als in anderen Kantonen und auf Bundesebene hat im Thurgau die SVP zwar Stimmen, aber keine Sitze verloren, sondern dazu gewonnen. Sie dürften vor allem aus dem Lager BDP (Bürgerlich Demokratischen Partei) – einer SVP-Abspaltung – gekommen sein, die alle ihre 3 Sitze verlor.

Die verlorenen SP-Sitze dürften bei den Grünen gelandet sein und einer der verlorenen FDP-Sitze hat wohl zur GLP gewechselt – die Grünliberalen sind im Thurgau programmatisch weitgehend mit der FDP deckungsgleich. Unterschiede gibt’s nur in der Umweltpolitik – und auch da nur sporadisch.

Die Wahlbeteiligung lag zwischen 29,7 Prozent im Hinterthurgau (Bezirk Münchwilen) und 34,6 Prozent im Bezirk Kreuzlingen. Man kann also sagen, dass zwei Drittel der Thurgauer Wahlberechtigten egal ist, wer in den kommenden vier Jahren welche Gesetze macht, die sich auf ihr tägliches Leben auswirken.

SVP-Hardliner neu in der Regierung

Nur 32,4 Prozent beteiligten sich auch an der Wahl der fünfköpfigen Kantonsregierung. Dabei wurden alle vier bisherigen Regierungsmitglieder im Amt bestätigt. Die wenigsten Stimmen der Bisherigen erhielt FDP-Mann Walter Schönholzer 26 421), der 2019 rund um einen Tierschutz-Skandal heftig kritisiert worden war. Am Besten schnitt CVP-Regierungsrätin Carmen Haag ab (42 069). Dazwischen finden sich Monika Knill (SVP/39 067) und Cornelia Komposch (SP/37 776).

Neu gewählt wurde als zweiter SVP-Vertreter Urs Martin (26 421), der nur rund 900 Stimmen mehr bekam als GLP-Kandidat Ueli Fisch (25 557). Was wohl darauf zurückzuführen ist, dass Martin als „Rechtausleger“ seiner Partei gilt, was einen Teil der WählerInnen wohl nach einer bürgerlichen Alternative suchen ließ. Fisch wiederum äußerte sich etwas beleidigt darüber, dass die Grünen eine eigene Kandidatin aufgestellt hatten, die ihm Konkurrenz gemacht habe.

Hätten die WählerInnen Stadt Kreuzlingen (nicht des Bezirks) den Ausschlag gegeben, hätte Martin keine Chance gehabt – hier landete er sogar noch hinter der Bewerberin der Grünen. Ähnlich erging es ihm auch in Frauenfeld und Weinfelden (jeweils: Stadt, nicht Bezirk). In Kreuzlingen haben es übrigens weder der Stadtpräsident, noch einer der Stadträte ins Kantonsparlament geschafft – egal von welcher Partei.

Lieselotte Schiesser