Für die Katz‘ studiert?

Für Empörung unter Lehramtsstudierenden sorgt eine Aufforderung des Kultusministeriums, für das im Februar beginnende Referendariat eines ihrer Nebenfächer abzuwählen. Damit wäre nicht nur jahrelange Lernarbeit umsonst gewesen, auch die Qualität der Ausbildung würde sinken. In Briefen an Kultusministerin Susanne Eisenmann und die bildungspolitischen SprecherInnen der Landtagsfraktionen fordern Betroffene, unterstützt von der Bildungsgewerkschaft GEW, eine Rücknahme der umstrittenen Neuregelung.

Anzeige

Eine E-Mail hielt das Ministerium offenbar für ausreichend, um Lehramtsstudierende, die das Staatsexamen für Haupt-, Real- und Werkrealschulen anstreben, über die folgenreiche Neuregelung zu informieren. Am 8. September setzte es den Studierenden eine Frist bis zum 30. September für die Entscheidung, auf welches der studierten Nebenfächer sie verzichten wollen. Hintergrund dieser Änderung: Mit einer neuen Prüfungsordnung soll das Lehramtsstudium mit Ziel Staatsexamen an das Bachelor-Master-System angepasst und dafür eines von zwei Nebenfächern geopfert werden.

Die unmittelbaren Leidtragenden wären mehrere hundert angehende LehrerInnen, für die bei Studienbeginn noch die Regelungen der Prüfungsordnung von 2011 galten und die sich für das Staatsexamen als Abschluss entschieden hatten. Trotz früherer Zusicherungen verwehrt ihnen die Kultusbürokratie nun plötzlich die Möglichkeit, während des Referendariats in dem dritten Fach ausgebildet und geprüft zu werden, obwohl sie es teils jahrelang studiert haben.

Gegen die dazu geplante Verordnung der Landesregierung, sie soll Ende des Jahres in Kraft treten, hat sich mittlerweile beträchtlicher Widerstand unter den Lehramtsstudierenden formiert, mitgetragen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Nach einer ersten Protestaktion am 30. September vor dem Stuttgarter Landtag erhielten am 3. 11. Kultusministerin Eisenmann und die bildungspolitischen SprecherInnen der Landtagsparteien Protestbriefe von 75 angehenden LehrerInnen. Darin beharren die Studierenden darauf, im Vorbereitungsdienst weiterhin in drei Fächern ausgebildet werden zu können. Viele hätten sich bewusst für ein Studium im Staatsexamen entschieden, „da uns zu diesem Zeitpunkt garantiert worden ist, dass wir unser Studium und unsere Ausbildung ohne Komplikationen beenden werden können“. Zudem verlangen sie mehr Transparenz bei zukünftigen Entscheidungen des Kultusministeriums.

In der Kritik steht das Ministerium indes nicht nur wegen der Willkür im Umgang mit den Studierenden. Die GEW bemängelt zugleich, die Streichung des dritten Fachs mache das Studium unattraktiver und drohe die Unterrichtsqualität zu verschlechtern. Doro Moritz, GEW-Landesvorsitzende, verweist auf das schlechte Abschneiden von baden-württembergischen Schulen in Leistungsvergleichen, für das unter anderem der sehr hohe Anteil fachfremden Unterrichts verantwortlich gemacht wird. Das dritte Fach habe man vor allem eingeführt, „um den hohen Anteil des fachfremden Unterrichts in Baden-Württemberg zu reduzieren“, betont Moritz. „Mehr Qualität in den Schulen“, erinnert die Gewerkschafterin, sei 2016 das zentrale Versprechen der Kultusministerin und der grün-schwarzen BildungspolitikerInnen gewesen. „Vier Jahre später ist davon keine Rede mehr und Lehramtsstudierende werden gezwungen, für ihr Referendariat und den Vorbereitungsdienst eines ihrer Nebenfächer nach mehrjährigem Studium abzuwählen“.

MM/jüg (Foto: Studi-Protest am 30. 9. vor dem Landtag; GEW)