Auflösung: Wer wars? (31)

Am vergangenen Freitag fragten wir nach der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000). Das „verdammte Ding“ war die sogenannte Frankfurter Küche, ein Prototyp der modernen Einbau­küche. Warum sie 1942 nicht zum Tod verurteilt wurde, beschreibt sie in ihrem Buch „Erinnerungen aus dem Widerstand. Das kämpferische Leben einer Architektin 1938–1945“ (Promedia, Wien 2014). Demnach hatte dem Volksgerichtshof ein Schreiben vorgelegen, in dem das türkische Erziehungsministerium der ehemaligen Mitarbeiterin einen Arbeitsvertrag anbot. Da die Nazis damals noch hofften, die Türkei werde auf ihrer Seite in den Krieg eintreten, verzichteten sie lieber auf die Verhängung der Todesstrafe. Das Schreiben war ein Fake. brm

Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (31)

Die ignorierte Baumeisterin

Die Anklage lautete auf Hochverrat, und jedeR rechnete mit ihrem Tod. Ein Wärter tröstete sie sogar, dass sie das Gefängnisleben ohnehin nicht mehr lange aushalten würde – Enthauptung sei da schon besser, das gehe nur sieben Sekunden. Doch der Zweite Senat des Berliner Volksgerichtshofs, der am 22. September 1942 im Wiener Landesgericht tagte, ließ die 45-Jährige am Leben. Zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt, wurde sie im April 1945 von US-Truppen aus einem bayerischen Gefängnis befreit.

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Die Provinz lebt (63): Marxistische Studierende Konstanz

Marx an der Uni? Das war vor Jahrzehnten vielleicht mal so, als „Kapital“-Lesekurse und Debatten über den Dialektischen Materialismus zum Pflichtprogramm von halbwegs aufgeklärten StudentInnen gehörten. Doch heute? Dabei zeigen gerade die Theorien von Karl Marx, Friedrich Engels und anderen Theo­re­ti­kerInnen der ArbeiterInnenbewegung, was an den Unis – und in der Gesellschaft – falsch läuft. Das thematisiert nun eine Initiative an der Uni Konstanz. …weiterlesen »

Die Provinz lebt (62): Bürgerinitiative für bezahlbaren Wohnraum Überlingen

Die Mieten gehen durch die Decke, die Rollladensiedlungen wachsen, der Zweitwohnungsbestand nimmt zu, eine einfallslose Investorenarchitektur dominiert den Betonbaustil – und Normalverdienende müssen wegziehen, weil sie sich die Wohnungspreise nicht mehr leisten können. Das ist überall am See so. Aber es gibt auch Gegenwehr. Zum Beispiel in Überlingen, wie der neue Beitrag in unserer Serie „Die Provinz lebt“ zeigt. …weiterlesen »

Auflösung: Wer wars? (30)

Am vergangenen Freitag fragten wir nach Thomas Sankara, dem sozialistischen Ex-Präsidenten Burkina Fasos (1949–1987). Ein tragendes Element seiner Politik war der Kampf für die Befreiung der Frauen – „wenn wir den verlieren“, sagte er einmal, „brauchen wir nicht auf eine umfassende und positive Veränderung der Gesellschaft zu hoffen.“ Er berief zahlreiche Frauen in Staatsämter, und die Präsidentenleibgarde war eine Motorradstaffel, die nur aus Frauen bestand. Sein ehemaliger Freund und Mitstreiter in der Vereinigung kommunistischer Offiziere war Blaise Compaoré. Dieser führte 1987 den Staatsstreich gegen Thomas Sankara an und regierte Burkina Faso bis 2014 als autokratischer Präsident. Inzwischen wird Compaoré wegen seiner vermuteten Beteiligung an der Ermordung Sankaras per internationalem Haftbefehl gesucht. brm

Die Provinz lebt (61): SARAH Seenotrettung

Es gibt viel Solidarität mit Geflüchteten in der Region. Das zeigt unsere Serie, in der sich bisher Initiativen wie Seebrücke Konstanz, inSi Singen, Save me, das Café Mondial, Agathu Kreuzlingen, die Refugee Law Clinic Konstanz, das Projekt 83 Konstanz integriert oder der Freundeskreis Asyl Radolfzell vorgestellt haben. Aber genügt das? Schließlich müssen Flüchtlinge zuerst riesige Hindernisse überwinden wie etwa das Mittelmeer, bevor sie hier sind. Ein neues Projekt will dafür sorgen, dass sie überhaupt eine Chance haben. …weiterlesen »

Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (30)

Der atemlose Hauptmann

Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand nannte ihn einen Störenfried, der es einem nicht leicht mache, mit einem guten Gewissen einzuschlafen. Den afrikanischen Luftwaffenhauptmann kümmerte der Schlaf der Neokolonialisten jedoch wenig, solange sie sein Land ausbeuteten. Furchtlos und frech bot er ihnen die Stirn, auch auf internationalem Parkett. Dass er nicht alt werden würde, hatte er geahnt. …weiterlesen »

Die Provinz lebt (60): AGATHU Thurgau

Deutlich länger als vergleichbare deutsche Initiativen gibt es in Kreuzlingen eine Arbeits­gruppe, die sich für Asylsuchende und Geflüch­tete einsetzt: Direkt hinter der Grenze unter­stützen rund hundert Freiwillige Migrant­Innen bei der Integration – und können nach langem coronabedingten Stillstand ihre Hilfe inzwi­schen teilweise wieder anbieten. Was sie tun, erläutern die Aktiven in unserer Serie „Die Provinz lebt“. …weiterlesen »

Auflösung: Wer wars? (29)

Am vergangenen Freitag fragten wir nach der Schweizer Sozialaktivistin und Parteifunktionärin Mentona Moser (1874–1971). Ihre Mutter Fanny Moser, geborene von Sulzer-Wart, ging als „Emmy von N.“ in die Geschichte der Psychoanalyse ein. Mentonas Vater war der Schweizer Uhrenfabrikant Heinrich Moser, der kurz nach ihrer Geburt starb. Mit dem Aufbau von Fürsorgekursen für Frauen legte sie 1908 den Grundstein für die Zürcher Hochschule für Soziale Arbeit. Nach 1945 wohnte sie im Zürcher Café Boy, einer von der Proletarischen Jugend gegründeten Wohn- und Arbeitsgenossenschaft. Ihr Grab befindet sich auf dem sogenannten Sozialistenfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde. brm

Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (29)

Die störrische Uhrmachertochter

Eigentlich hätte sie frei von Geldsorgen leben können, ihre Mutter galt als reichste Frau der Schweiz. Doch die 1874 geborene Halbwaise rebellierte früh: Sie hasste die „schreckliche Melancholie des Wohlstands“ und zog der feinen Gesellschaft die Beobachtung von Schnecken und Fröschen vor; zudem glaubte sie nicht an einen Gott und zeigte, 24-jährig, Verständnis für den Mörder der österreichischen Kaiserin Sisi. Mehr als das sinnentleerte Höhere-Töchter-Leben verabscheute sie nämlich die Ungerechtigkeit, die diese Gesellschaft aufrechterhielt. Von ihrer Mutter musste sie sich deshalb keinerlei Unterstützung erhoffen. …weiterlesen »

Die Provinz lebt (59): Ingenieure ohne Grenzen Konstanz

Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ kennt (fast) jede(r). Aber die „Ingenieure ohne Grenzen“? Dabei ist deren Regionalgruppe Konstanz seit sechs Jahren aktiv. Was sie tut und wie sie mit der aktuellen Covid-19-Pandemie umgeht, beantworten die AktivistInnen im Fragebogen, mit dem wir seit einiger Zeit basis­nahen Initiativen, Gruppen und Organisationen in der Region die Möglichkeit bieten, sich einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. …weiterlesen »

Die Provinz lebt (58): Black Lives Matter Konstanz

Zwar wurde unter dem Druck der Öffentlichkeit der US-Polizist und Mörder des Afroamerikaners George Floyd schuldig gesprochen, doch die rassistische Gewalt des Staats und rechter Gruppierungen an Schwarzen und anderen Bevölkerungsgruppen geht weiter. Wie ist das zu stoppen, welche Schritte sind nötig? Damit beschäftigt sich die Gruppe Black Lives Matter Konstanz, die im Rahmen unsere Reihe „Die Provinz lebt“ MitstreiterInnen sucht. …weiterlesen »

Die Provinz lebt (57): Bildungsbude Singen

Die Covid-19-Pandemie setzt allen Initiativen zu. Präsenzveranstaltungen sind kaum noch möglich, Ausstellungsräume und Treffpunkte haben geschlossen, spätestens ab 22 Uhr müssen alle Zuhause sein. Wie soll man da noch jenen Inhalte vermitteln, die aufs Internet nicht zugreifen können (oder wollen)? Besonders hart trifft die Krise Gruppen wie die Singener Bildungsbude, die wir heute in unserer Reihe „Die Provinz lebt“ vorstellen. …weiterlesen »

Auflösung: Wer wars? (27)

Am letzten Freitag fragten wir nach der französischen Schriftstellerin, Sozialistin und Frauenrechtlerin Flora Tristan (1803–1844). Der Titel ihres Buches über die Arbeits- und Lebensbedingungen der ArbeiterInnen in England lautet „Im Dickicht von London“. In ihrem Buch „Meine Reise nach Peru – Fahrten einer Paria“ schildert sie ihre Erlebnisse als alleinreisende Frau und die Lage des einfachen Volkes in Südamerika nach dem Ende der spanischen Herrschaft. Die Biografie „Aufruhr einer Paria“ von Gerhard Leo (1990) und der Roman „Das Paradies ist anderswo“ des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa (2004) erzählen vom beeindruckenden Leben der Schriftstellerin und Gewerkschafterin Flora Tristan (Vargas Llosa schildert zudem das Treiben ihres Enkels Paul Gauguin). brm

Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (27)

Die Sendungsbewusste

„Seitdem ich das englische Proletariat kenne, ist die Sklaverei in meinen Augen nicht mehr das schlimmste Unglück, was dem Menschen widerfahren kann“, hielt die französische Schriftstellerin 1839 fest. Während ihre Untersuchungen über die Zustände in britischen Fabriken, Bordellen, Zuchthäusern und Elendsvierteln in England totgeschwiegen wurden, stießen sie in Frankreich auf breites Interesse. Bereits zuvor hatte die 1803 in Paris geborene Tochter eines peruanischen Adligen von sich reden gemacht: Nach einer (betrüblichen) Reise zu ihren reichen lateinamerikanischen Verwandten – nach dem frühen Tod des Vaters war die Familie verarmt – , hatte sie einen Bericht veröffentlicht, in dem sie unter anderem die Lebensbedingungen der Sklaven, Dienstbotinnen und Tagelöhner beschrieb. Und zwar so eindrücklich, dass das Buch in Peru verboten und die Autorin symbolisch verbrannt wurde. …weiterlesen »

Auflösung: Wer wars? (26)

Am vergangenen Freitag fragten wir nach dem Schweizer Pazifisten Max Daetwyler (1886–1976). Der gelernte Textilkaufmann und ehemalige Geschäftsführer des Berner „Ratskellers“ saß für seine Friedensaktionen immer wieder im Gefängnis und kassierte unzählige Geldbußen, die er jeweils langsam und in Raten abstotterte. Zu „Dättis“ Friedensprojekten gehörten die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa nach Schweizer Vorbild und eine internationale Kriegsächtungskonferenz (zu der er die Regierungschefs der Welt persönlich einlud und um Anmeldung beim Bundesrat bat). Ein detailliertes Bild seines unermüdlichen Einsatzes zeichnet Stephan Bosch in „Max Daetwyler. Der Friedensapostel“, Rüffer & Rub, Zürich 2007. brm

Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (26)

Der prophetische Don Quijote

Selbstverständlich hatte er die Rekrutenschule absolviert und war eingerückt, als die Schweizer Regierung im Juli 1914 die Mobilmachung anordnete. Aber nun den Fahneneid schwören und womöglich auf Menschen schießen? Das ging zu weit. Er verweigerte Schwur und Waffe und erwartete sein Todesurteil. Die Offiziere waren jedoch derart fassungslos, dass sie den 27-Jährigen umgehend in eine Anstalt einwiesen. …weiterlesen »