Der Klimacamp-Blog (33): Aufstand der letzten Generation

Was bewegt junge Leute, ihr Leben für ein Gespräch mit potentiellen Bundeskanzler:innen aufs Spiel zu setzen?  Letzten Monat war Henning Jeschke von der Gruppe Aufstand der letzten Generation zu Gast auf dem Konstanzer Klimacamp, der mit anderen Leuten genau das gemacht hat: Um ein Gespräch mit den Kanzlerkandidat:innen zu bekommen, waren sie in einen Hungerstreik gegangen. Aber sind solche Streiks oder – wie jetzt angekündigt – Straßenblockaden wirklich adäquate Formen des Protests? …weiterlesen »

Die kannibalische Ordnung

Er ist wohl einer der bekanntesten Kritiker der bestehenden Machtverhältnisse und genießt international viel Ansehen. Also beschloss der Bildungsverein seemoz e.v., den Schweizer Soziologen Jean Ziegler zu einem Vortrag nach Konstanz einzuladen, um über die wachsende soziale Ungleichheit in diesen Krisenzeiten zu referieren. Aus Zeitgründen kann der  2006 mit dem Heckerhut der Konstanzer SPD ausgezeichnete Politiker und Autor nun leider nicht kommen – dafür schickte er sein jüngstes Buch. …weiterlesen »

Der Klimacamp-Blog (32): Planetare Grenzen

„In der Wissenschaft herrscht weitgehende Übereinstimmung, dass bei Überschreiten der Erderwärmung um 2 Grad Celsius die menschliche Zivilisation, wie wir sie heute kennen, nicht mehr existieren kann.“ Dieser bemerkenswerte – und leider zutreffende – Satz steht in der Konstanzer Klimaschutzstrategie. Aber können wir dieses düstere Szenario noch abwenden? Die Zeit dafür ist fast vorbei. …weiterlesen »

Der Klimacamp-Blog (31): Über die Notwendigkeit von Klimagerechtigkeit

Am Dienstag, 18. Januar, veranstaltet Amnesty International um 18 Uhr auf dem Münsterplatz eine Mahnwache zu den Themen Klimawandel und Klimagerechtigkeit. Aber was heißt das: Klimagerechtigkeit? Kann es das überhaupt geben? Und was wäre nötig, um die ethischen und sozialen Herausforderungen zu bewältigen, die mit der Klimaerhitzung einhergehen? …weiterlesen »

Auflösung: Wer wars? (43)

Am vergangenen Freitag fragten wir nach der Wegbereiterin der österreichischen proletarischen Frauenbewegung Adelheid Popp (1869–1939). Die Publizistin und Politikerin war 1898 Mitbegründerin und Vorsitzende des Frauenzentralkomitees, das bis 1918 außerhalb der SDAP die Arbeiterinnenbewegung voranbrachte. Sie saß von 1918 bis 1923 für die Partei im Wiener Gemeinderat und zudem bis 1934 im österreichischen Parlament. Ihr zu Ehren trägt eine der großen Gemeindebauten Wiens den Namen Adelheid-Popp-Hof. 1909 erschien – zunächst anonym – ihre Autobiografie „Jugend einer Arbeiterin“, die innerhalb kurzer Zeit zum Bestseller wurde. Popp war die profilierteste sozialdemokratische Politikerin Österreichs und gehörte beim Treffen der Sozialistischen Bodensee-Internationale 1930 in Konstanz zu den Ehrengästen. 1934 legte sie ihre Ämter niederlegte und entging, schwer erkrankt im Krankenhaus liegend, nach Errichtung der faschistischen Ständestaats, ihrer Verhaftung. brm

Bodensee-Motive auf dem Klo

Über Jahrzehnte hinweg ruckelten auf der Bahnstrecke Ulm-Friedrichshafen (und weiter bis Lindau) nur Dieselloks. Seit Mitte Dezember aber hat die sogenannte Südbahn eine Oberleitung – mit fast hundert Jahren Verspätung. Bei diesem Tempo könnte die längst überfällige Elektrifizierung der Strecke Friedrichshafen-Radolfzell am nördlichen Seeufer noch mal so lange dauern. Und vollends unerschwinglich werden. …weiterlesen »

Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (43)

Die energische Propagandistin

Als sie mit siebzehn das erste Mal aufs Rednerpodest stieg, schnürte ihr die Angst fast den Hals zu. Als sie mit dreiundzwanzig den ersten Artikel für die „Arbeiterzeitung“ schrieb, verlangte das denselben Mut. Nur drei Jahre war die spätere Parlamentsabgeordnete zur Schule gegangen, von Rhetorik und Rechtschreibung hatte sie keine Ahnung. Doch sie wusste genau, wovon sie sprach. Und das spürten die Menschen. …weiterlesen »

„Ein feiner Kumpel und Genosse“

Er war am See aufgewachsen und blieb stets der Region verbunden, deren Aufstandsgeschichte er kannte wie nur wenige. Vor allem aber war Manfred Dietenberger ein linker Gewerkschafter, der sich auch als DGB-Kreisvorsitzender nicht verbiegen ließ und immer auf Seiten der Unterdrückten und Ausgebeuteten, der Marginalisierten und Verarmten stand. Mitte Dezember starb er im Alter von 69 Jahren. Die Sozialistische Zeitung SoZ, für die er regelmäßig schrieb, veröffentlichte den folgenden Nachruf. …weiterlesen »

Der Klimacamp-Blog (30): Warum nicht in aller Munde?

 

„Dass es in Konstanz ein Klimacamp gibt, habe ich damals ehrlich gesagt nur durch Zufall erfahren.“ Das hat uns Lise (Name geändert), eine Freiwillige auf dem Klimacamp erzählt, die seit einigen Wochen auf dem Camp aktiv ist. Aber wer ist „uns“? …weiterlesen »

Der Klimacamp-Blog (29): Tag 134 – und weiter geht’s!

Dienstag, 14. Dezember 2021. Am frühen Morgen hängt eine dichte Wolkenschicht über der Stadt. Während das Tageslicht kaum durchdringt, wird die Schicht surreal von der Stadt angestrahlt. War hier Roland Emmerich am Werk? Die Kälte zieht schon beim Radfahren die Ärmel hoch. Good News: wir haben für das Klimacamp einen alten Bauwagen organisiert, und seit gestern ist dieser elektrisch beheizbar. Es gibt aber noch etwas zu tun, um ihn winterfest und heimelig zu machen. …weiterlesen »

3000 Pflegekräfte in der Region verlassen Beruf

 

Die Corona-Pandemie legt schonungslos offen, wie falsch unser Gesundheitssystem organisiert ist. Bereits vor Covid-19 war der Personalmangel in der Krankenpflege gravierend, auch beim Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz mussten deswegen immer wieder Betten geschlossen werden. Die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und einer bedarfsgerechten Finanzierung der Klinken werden immer lauter. Denn so wie in den letzten Monaten und Jahren darf es nicht weitergehen. Jetzt schlägt die Gewerkschaft ver.di im Bezirk Südbaden-Schwarzwald Alarm. …weiterlesen »

Der Klimacamp-Blog (28): Was wir jetzt am dringendsten brauchen

Wenn ihr euch fragt, wie ihr uns momentan am besten unterstützen könnt, dann ist die ehrliche Antwort: Indem ihr auf dem Klimacamp bei Tee und Plätzchen neue Leute kennenlernt. Warum? …weiterlesen »

Der Klimacamp-Blog (27): Es gibt kein Weihnachten auf einem toten Planeten

Am Nikolaustag erschien hier auf diesem Blog eine Erzählung, wie der Weihnachtsmann im Camp auftaucht und sich mit Aktivist:innen über die Klimakatastrophe austauscht. Der Weihnachtsmann kommt sehr selbstreflektierend zu dem Schluss, dass ein intakter Planet und eine lebenswerte Zukunft die besten Geschenke für die Kinder seien … …weiterlesen »

„Schluss mit der Gleichgültigkeit!“

Über hundert Menschen versammelten sich am vergangenen Samstagnachmittag in Konstanz, um gegen die Not der Flüchtlinge an der polnischen Grenze und das inhumane Desinteresse der deutschen Politik und der EU zu protestieren. Organisiert wurde die Mahnwache von Save me Konstanz, Amnesty International und Seebrücke Konstanz. seemoz dokumentiert hier die beiden Reden, die VertreterInnen von Save me und Amnesty International auf der Marktstätte gehalten haben. …weiterlesen »

Auflösung: Wer wars? (42)

Am letzten Freitag fragten wir nach dem französischen Dichter François Villon (* vermutlich 1431, † nach 1463). Er kam als François de Montcorbier bei Paris zur Welt, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und wurde von Guillaume de Villon, dessen Namen er später trug, in Obhut genommen. Rabelais erzählt im Romanzyklus „Gargantua und Pantagruel“ (veröffentlicht ab 1532) zwei Episoden aus Villons vermeintlichen alten Tagen. Bei dem deutschen Übersetzer handelt es sich um den Schriftsteller und Lyriker Paul Zech (1881–1946), dessen umstrittene Nachdichtungen – verewigt im dtv-Band „Die lasterhaften Balladen und Lieder des François Villon“ – den spätmittelalterlichen Poeten im deutschen Sprachraum berühmt machten. Von Zech stammt unter anderem „Eine verliebte Ballade für ein Mädchen namens Yssabeau“, besser bekannt als „Erdbeermund“-Ballade („Kinski spricht Villon“). 1986 widmete Wolf Biermann „seinem großen Bruder“ die „Ballade auf den Dichter François Villon“. brm

Engagiert und widerspenstig: Wer wars? (42)

Der lasterhafte Philosoph

Seine Spur verliert sich 1463. Kein Augen- oder Ohrenzeuge, kein Aktenvermerk, kein Gedicht, das auf ein Weiterleben schließen ließe. Gründe zu sterben gab es damals allerdings mehr als genug. Der gerade beendete Hundertjährige Krieg mit England hatte in Frankreich ein Chaos hinterlassen, und dann vernichtete auch noch eine Eiszeit die Ernten: Die Winter waren bitterkalt und lang, die Sommer verregnet, Hunger und Seuchen grassierten. Ob er aber wirklich schon mit (vermutlich) 33 Jahren gestorben ist? Wir wissen es nicht.

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Der Klimacamp-Blog (26): Wenn alles kippt

Neulich hatten wir schon einmal einen Ausblick gegeben, worauf wir zusteuern. Leider gibt es jedoch noch ein ganz großes Kapitel in unserem Erdsystem, das die Notwendigkeit einer Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze noch einmal in Stein meißelt: Die Kipp-Punkte. Auch das Klimasystem als Ganzes besitzt analog zu einem menschlichen Organismus Klimaorgane beziehungsweise Kippelemente, die das Gesamtsystem stabilisieren und regulieren. Steigt die Temperatur über einen Schwellwert, droht das Organ zu versagen, beziehungsweise zu kippen.

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